Stuttgart baut Kita-Plätze aus, vor allem für Kleinkinder Foto: dpa

Zum wiederholten Mal hat sich der Jugendhilfeausschuss für den weiteren Um- und Ausbau der Kitaplätze ausgesprochen. Werden alle geplanten Vorhaben umgesetzt, steuert die Stadt bald auf das gesetzte Ziel zu. Am Ende sollen 62 Prozent des Bedarfs bei Kleinkindern gedeckt sein.

Stuttgart - Versorgungsgrad nennt sich die Prozentzahl, die ausdrückt, für wie viele Kinder auf der Warteliste ein Platz in einer Betreuungseinrichtung angeboten werden kann. Im Jahr 2005 lag dieser Versorgungsgrad für Kinder unter drei Jahren bei rund 18 Prozent. Heute, zehn Jahre später, sind die 40 Prozent überschritten und die Stadt peilt einen Versorgungsgrad von 59,5 Prozent an. Fernziel sind 62 Prozent.

Maßgeblich dazu beigetragen haben die Stadträte, die allein in den letzten fünf Jahren Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe und nun nochmals 6,8 Millionen Euro bereitgestellt haben. Am Ausbau wesentlich beteiligt sind außerdem die freien und kirchlichen Kita-Träger. Das nahm CDU-Stadträtin Iris Ripsam in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Montag zum Anlass, die „tolle Leistung“ zu würdigen. Vittorio Lazaridis (Grüne) erinnerte bei allem Lob an Stuttgarter Aufsiedlungsgebiete, „dort müssen wir bedarfsgerecht nachlegen“.

Auch was den gesamten Bedarf angeht, kann sich die Stadt nicht mehr auf die Zahlen von 2014 stützen. Damals waren 3422 Kinder unter drei Jahren auf der Warteliste. Jugendamtsleiter Bruno Pfeifle gab bekannt, dass die Zahl der unter Dreijährigen innerhalb eines Jahres um 600 gestiegen ist. Damit leben jetzt 16 668 Kleinkinder in Stuttgart.

Da dem Bericht die aktuellen Zahlen fehlten, ging die Verwaltung bei der Berechnung des Versorgungsgrads von der niedrigeren Kleinkindzahl aus. Wenn alle Ausbaupläne, die der Gemeinderat beschlossen hat, umgesetzt sind, gibt es 9561 Betreuungsplätze für die Kleinsten. Der Ausbau wird in diesem Jahr jedoch nicht mehr abgeschlossen, sondern, so heißt es in der Vorlage der Verwaltung, erst „in den nächsten Jahren“ vollendet sein. Dies nahm SPD-Stadträtin Judith Vowinkel zum Anlass, zur Eile zu mahnen: „Wir haben den Versorgungsgrad von 59,5 Prozent noch nicht erreicht, den Eltern, die jetzt nach einem Platz suchen, ist mit der Planzahl nicht geholfen.“

Das Gremium sieht sich inzwischen nicht mehr nur mit dem Ausbau der Kleinkindplätze konfrontiert, die Vorrang genießen wegen des Rechtsanspruchs, den Kinder vom 1. Lebensjahr an haben. Problematisch ist offenbar auch die Belegung der Fertigbauten in den Stadtbezirken. So ist beispielsweise in Möhringen geplant, den Typenbau vollständig mit Kleinkindern zu belegen. „Was passiert mit den Null- bis Dreijährigen, wenn sie drei Jahre alt werden“, fragte Iris Ripsam, „müssen die dann in eine andere Einrichtung wechseln?“

Schon jetzt gebe es viele Brüche in den Betreuungsverläufen der Kinder. „Wichtig sind bleibende Bezugspersonen und eine vertraute Umgebung.“ Jugendamtsleiter Bruno Pfeifle verwies darauf, dass auch in den Fertigbauten altersgemischte Gruppen eingerichtet würden und sowohl Kleinkinder als auch Kinder bis sechs Jahren betreut werden könnten. „Ich gehe davon aus, dass wir auch in Möhringen so vorgehen.“ Für die weggefallene Betreuungsmöglichkeit für Schüler weiterführender Schulen indessen sieht Pfeifle keinen Weg: „Wenn Sie wollen, dass wir ein neues Angebot machen, müssen Sie dies beantragen“, sagte er zur SPD-Stadträtin Judith Vowinkel.

Die kirchlichen Träger müssen sich ebenfalls gedulden. Sie wollten wissen, wo Kita-Angebote für Flüchtlinge fehlen. Derzeit warten 13 von 71 Flüchtlingskindern im Alter von drei bis sechs Jahren auf eine Kita-Platz. Auch diese Bedarfszahlen gibt es nach Auskunft der Verwaltung erst im Herbst.

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