Der viele Verkehr auf der Bundesstraße 27 erzeugt viel Lärm. Foto: Archiv/Norbert J. Leven

Im Zuge des B-27-Ausbaus sollen in Leinfelden-Echterdingen und in Filderstadt Lärmschutzwände errichtet werden. In einzelnen Fällen wird aber selbst das nicht ausreichen, um die vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten.

Filder - Bis zu 91 600 Fahrzeuge täglich brausen über die B 27, das haben Verkehrszählungen im Jahr 2018 ergeben. Darunter sind sechs Prozent Lastwagen. Das alles macht gehörig Krach, und zwar tagein und tagaus. Wie sehr der Dauerlärm die Menschen in Leinfelden-Echterdingen und in Filderstadt plagt, wurde kürzlich bei den Informationsveranstaltungen zum sechsstreifigen Ausbau der Bundesstraße deutlich. Eine Frau aus Echterdingen klagte, sie könne daheim nicht die Fenster öffnen. Ein Mann brachte vor, dass die Geräuschkulisse an der Stadionstraße unerträglich sei.

Linderung sollen neue Lärmschutzwände bringen. Zwar kann eine abschließende Einschätzung inklusive konkreter Messungen erst erfolgen, wenn feststeht, in welcher Art und Weise die B 27 ausgebaut werden soll – das Bundesverkehrsministerium soll sich im kommenden Frühjahr auf eine von drei möglichen Varianten festlegen –, erste Schätzungen des Stuttgarter Regierungspräsidiums (RP) gibt es jedoch bereits.

Ausschlaggebend ist die 16. Bundesimmissionsschutzverordnung. Sie legt verbindlich fest, dass es in Wohn- und Kleinsiedlungsgebieten tagsüber nicht lauter als 59 Dezibel sein darf, nachts sogar nicht lauter als 49 Dezibel. Für Krankenhäuser, Schulen, Kur- und Altenheime liegen die Werte noch einmal jeweils zwei Dezibel niedriger. In Mischgebieten ist die Toleranz hingegen höher. Dort sind 64 Dezibel am Tag und 54 Dezibel nachts zu dulden.

Der Lärmschutz werde nach dem Ausbau entscheidend verbessert

Setzt man diese Grenzwerte an, sind in Filderstadt Lärmschutzwände für Bernhausen auf Höhe des Elisabeth-Selbert-Gymnasiums (ESG) erforderlich, außerdem für Bonlanden entlang der nördlichen Bebauung rund um die Dietrich-Bonhoeffer-Straße und neben den Gewerbebetrieben südöstlich des Teilorts.

Auf der Gemarkung Echterdingen sind ebenfalls Aufbauten notwendig. Nach den ersten Untersuchungen des RP muss man sie errichten, um für die Wohn- und Gewerbebebauung an der Esslinger Straße, die nördlichen Bereiche der Stadion- und der Karlsruher Straße sowie die östlichen Wohngebiete im Bereich Unterer Brühl rund um die Zaunackerstraße sowie in der Ecke Moltke-, Untucht- und Joachim-von-Schröder-Straße mehr Ruhe zu bringen. „Der Lärmschutz wird sich nach dem Ausbau entscheidend verbessern“, versprach Adrian John, der Projektleiter Straßenplanung beim RP.

Nicht höher als acht Meter aus ästhetischen Gründen

Dennoch: Für einzelne Straßenzüge, Häuser oder Gebäudeteile wird das nicht reichen, da Lärmschutzwände in der Regel nicht höher als acht Meter gebaut werden, hieß es in der Infoveranstaltung, unter anderem aus ästhetischen Gründen. Tagsüber wird auf der Gemarkung Filderstadt trotz einer neuen Wand an der B 27 am ESG voraussichtlich der Grenzwert gerissen. Dort geht man davon aus, dass zusätzlich Lärmschutzfenster eingebaut werden müssen.

Nachts wiederum könnte es in Teilen von Bonlanden nach wie vor Probleme geben. Laut RP könnten vor allem an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße in oberen Stockwerken ein Anspruch auf schallisolierende Fenster bestehen. Diese bekämen die Eigentümer dann vom Bund als Bauherr gezahlt. Gleiches gilt in Echterdingen für einzelne Gebäude, die in den Gebieten nahe dem Zeppelintunnel sitzen. Auch dort könnte es selbst mit einer neuen Lärmschutzwand nachts zu laut sein. Eine Sonderstellung nimmt in Echterdingen die Esslinger Straße ein. Dort besteht der Verdacht, dass es in oberen Stockwerken tags und nachts noch zu viel Krach geben wird. Auch dort würden dann zusätzlich Lärmschutzfenster zum Einsatz kommen.

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