Aufforstungsaktionen sind in Mode – von Prominenten, Unternehmen, Organisationen und Regierungen. Foto: Patrick Pleul/dpa

„Bäume pflanzen ist ja gerade hipp“, sagt Stefan Adler vom Naturschutzbund. Tatsächlich starten weltweit immer wieder Aktionen für mehr Aufforstung. Doch reicht das, um den Klimawandel aufzuhalten?

Stuttgart - Der weltweite Baumbestand schrumpft, im Angesicht von Dürreperioden, Schädlingsbefall und Waldbränden. Um dagegen anzusteuern, starten Regierungen, Organisationen und Prominente immer wieder öffentlichkeitswirksame Aktionen, die zur Aufforstung beitragen sollen. So macht gerade der US-amerikanische Youtuber MrBeast auf sich aufmerksam, weil die von ihm ins Leben gerufene Stiftung „TeamTrees“ bis zum Ende des Jahres 20 Millionen Bäume auf der ganzen Welt pflanzen möchte. Zahlreiche prominente Gesichter beteiligen sich an der Aktion, darunter Tesla-Chef Elon Musk.

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Doch reicht es aus, Bäume zu pflanzen, um den Klimawandel zu stoppen? „Bäume pflanzen ist ja gerade hipp“, stellt Stefan Adler von der Bundeszentrale des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in Berlin fest. Über das Aktionsziel der 20 Millionen Bäume sagt er: „Das ist ein bisschen eine Scheinzahl.“ Es gebe mehrere Projekte, auch von Unternehmen, die sich das Pflanzen von Bäumen vorgenommen hätten – nicht selten für die eigene Vermarktung.

Alleiniges Aufforsten reicht nicht

Tatsächlich können auf einem Hektar etwa 5000 Bäume gepflanzt werden, sagt Adler. Bei 20 Millionen Bäumen wäre das eine Fläche von 4000 Hektar. Forscher der Technischen Hochschule in Zürich berichten in einer Studie, dass auf der Erde ohne Einschränkungen mindestens 900 Millionen Hektar Waldfläche mit enorm positiven Auswirkungen für den Klimaschutz aufgeforstet werden könnten. 900 Millionen Hektar sind etwas mehr als die doppelte Größe der Europäischen Union.

Deutschland ist trotz angekündigten Plänen der Bundesregierung von derartig ambitionierten Zielen weit entfernt. War die Bundesrepublik einmal zu 90 Prozent bewaldet, liegt der derzeitige deutsche Waldbestand nach Angaben des NABU seit 20 bis 30 Jahren bei 30 Prozent.

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Das alleinige Pflanzen von Bäumen ist laut NABU nicht der ausschließliche Schlüssel zum Erfolg. „Jeder Baum ist wichtig, das Kollektiv ist aber wichtiger“, sagt Adler. Zwar sei gegen Aufforstungsaktionen grundsätzlich nichts einzuwenden, die frisch gepflanzten Bäume müssten allerdings erst einmal wachsen, um ihr Potenzial entfalten zu können. Für Adler ist deshalb klar: Von größerer Bedeutung ist es, aktive Ökosysteme wie Wälder zu erhalten und unseren Lebensstil zu verändern.

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