Kenianische Sicherheitskräfte haben die Angreifer auf das Luxushotel DusitD2 getötet. Foto: AFP

Attentäter sprengen die Tore auf, dann stürmen bewaffnete Männer das Areal. Explosionen und Schüsse hallen stundenlang durch den Komplex in Nairobi. Unter den Opfern sind nicht nur Kenianer.

Nairobi - Kenianische Sicherheitskräfte haben die Angreifer auf das Luxushotel DusitD2 getötet. Der Angriff habe 21 „unschuldige Leben“ ausgelöscht, sagte Präsident Uhuru Kenyatta als er am Mittwoch das Ende des am Vortag begonnenen Einsatzes bekannt gab. „Alle Terroristen sind eliminiert worden.“ Die somalische Extremistengruppe Al-Shabaab reklamierte den Angriff für sich. Kenyatta kündigte eine unerbittliche Jagd auf die Hintermänner an.

Am Dienstag hatten laut Polizei Selbstmordattentäter mit Autobomben zunächst die Sicherheitstore zum Hotel- und Einkaufskomplex im vornehmen Viertel Westlands der Hauptstadt Nairobi aufgesprengt. In dem Viertel wohnen viele Ausländer. Dann stürmten mindestens vier bewaffnete Männer in dunkler paramilitärischer Kluft das Areal, wie Bilder von Sicherheitskameras zeigten, die der Sender Citizen TV ausstrahlte. Explosionen und Schüsse hallten stundenlang durch den Komplex.

Detonationen und Schüsse am Morgen

Die Polizei schickte Beamte der Anti-Terror-Einheit und ein Sprengstoffräumkommando zum Tatort. Am Mittwochmorgen teilte das Innenministerium über Twitter mit, alle Gebäude seien gesichert, eine Gefahr bestehe nicht mehr. Doch waren im Morgengrauen eine weitere Detonation und Schüsse zu hören.

Die Augenzeugin Lucy Wanjiru sagte, sie habe zu fliehen versucht, als eine auf dem Boden liegende Frau angeschossen worden sei. Sie sei in einem Waschraum mit etlichen anderen verängstigten Menschen gelandet. Ihre Freundin Cynthia Kibe habe die ganze Nacht über per Handy mit ihr in Kontakt gestanden. „Ich glaube, ich brach in Panik aus, als sie mir sagte, dass die Schüsse neben ihr sind“, schilderte Kibe. „Ich musste ihr immer wieder sagen: „Warte nur, Hilfe ist auf dem Weg, sie sind fast da, sie sind fast da.““

Videoaufnahmen der Nachrichtenagentur AP aus dem Hotelinneren zeigten, wie kenianische Sicherheitskräfte das Gebäude durchkämmten. Kenyatta sagte, mehr als 700 Menschen seien bei der mehrstündigen Sicherheitsoperation aus dem Komplex gebracht worden. Die Kenianer sollten nun „ohne Furcht zurück zur Arbeit gehen“. Das ostafrikanische Land sei sicher für Einheimische und ausländische Besucher.

Extremistengruppe tötete bereits Hunderte Menschen

Die Extremistengruppe Al-Shabaab hat seit der Entsendung kenianischer Soldaten nach Somalia im Jahr 2011 zahlreiche Anschläge in Kenia verübt, bei denen Hunderte Menschen getötet wurden. Darunter war ein Angriff auf das Einkaufszentrum Westgate-Mall in Nairobi im Jahr 2013 mit 67 Toten, nicht weit von dem jetzigen Tatort, und ein Anschlag auf eine Universität in der Stadt Garissa im Jahr 2015 mit 147 Toten. Einen Tag vor dem Anschlag auf den Luxushotel-Komplex hatte ein Gericht ein Strafverfahren gegen drei Männer im Zusammenhang mit dem Überfall auf die Westgate-Mall angeordnet. Die USA haben ihre Luftangriffe auf Al-Shabaab zuletzt verstärkt.

Die meisten Todesopfer seien Kenianer, sagte ein Mitarbeiter einer Leichenhalle. Auch der Amerikaner Jason Spindler sei ums Leben gekommen, sagte sein Vater. Der 41-Jährige habe in dem Komplex als Unternehmensberater gearbeitet. Ein Brite sei ebenfalls getötet worden, teilte der britische Hochkommissar mit. Es handelt sich um den Direktor des Afrika-Programms der Hilfsorganisation Gatsby. Er habe seine letzten zehn Jahre den ärmsten und verletzlichsten Menschen der Welt gewidmet, hieß es in einer Mitteilung der Organisation.

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