Hansa-Rostock-Fans gelten bei der Polizei als tendenziell gewaltbereit (Symbolbild). Foto: Pressefoto Baumann

Nachdem Hansa-Rostock-Fans in einer Backnanger Bar randaliert haben, stoßen die betroffenen Wirte auf eine Welle der Solidarität. Der Vorfall am Wochenende war nicht der einzige: Schon auf der Fahrt zum Spiel in Aspach sorgten Hansa-Fans für einen Großeinsatz.

Backnang - Zechprellerei, Randale, Diebstahl und Urin in der Küche: Mit dem Einfall einer Horde frustrierter Hansa-Rostock-Fans ist am Samstag in der kleinen Backnanger Kneipe „Zur Uhr“ das Chaos ausgebrochen. Der Fall hat jetzt jedoch eine Welle des Mitgefühls ausgelöst – im Rems-Murr-Kreis sowie in Ostdeutschland.

Was war geschehen? Am Samstag war die Drittliga-Partie von Rostock gegen Großaspach vier Stunden vor dem Anpfiff witterungsbedingt abgesagt worden. Der Frust besonders bei den aus dem Osten angereisten Fans war groß. Bei manchen offensichtlich so groß, dass sie gegen 12.30 Uhr in der Backnanger Gaststätte „Zur Uhr“ in der Straße Im Ölberg einfielen.

Sonnenhof-Fans leiern eine Hilfsaktion für die Kneipe an

Die 81 Jahre alte Wirtin, die als einzige vor Ort war, konnte ihnen nichts entgegensetzen. Fans überrumpelten die Wirtin, bedienten sich am Alkohol – freilich ohne zu zahlen –, stahlen 300 Euro, hinterließen eine Menge Müll und pinkelten in die Küche. „Wie viele Personen sich genau daran beteiligten, ist nicht klar“, so der Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier. „Die Wirtin konnte auch nur bedingt Beschreibungen abgeben, weil es so viele waren.“ Die Chancen, die Täter zu finden, seien deswegen ziemlich gering.

Die Kneipe wird auch von Aspach-Fans oft besucht. In ihren Reihen sorgte die Nachricht für Wut: „Wie ehrlos muss man sein, um sein Ego dadurch zu stärken, alte Menschen auszurauben und zu schikanieren?“, ist auf der Facebook-Fanseite „Supporters Aspach“ zu lesen. Die Sonnenhof-Fans haben nun eine Hilfsaktion für die Wirtsleute ins Leben gerufen. Einerseits wurde ein Spendenkonto eingerichtet, anderseits ruft die Facebook-Seite dazu auf, nach dem nächsten Heimspiel, das am 3.  Februar gegen Paderborn stattfindet, gemeinsam die „Uhr“ zu besuchen und dort „großzügig zu trinken und noch großzügiger zu bezahlen“.

Schon auf der Fahrt zum Spiel sorgten Hansa-Fans für einen Großeinsatz

Auch das SG-Sonnenhof-Präsidium will die Wirte finanziell unterstützen. „Unser Präsident ist schon in der Uhr gewesen“, sagt der Sprecher Philipp Mergenthaler. Die Betreiber einer Hansa-Rostock-Fanseite haben ebenfalls ein Konto eingerichtet, um den Betroffenen „zumindest einen kleinen Teil“ zurückzugeben. Bei den meisten Hansafans stößt die Aktion auf Zustimmung – aber nicht bei allen. „Wer hilft den Leuten, die 1600 Kilometer umsonst gefahren sind?“, schreibt ein Facebook-Nutzer mit dem Hansa-Logo im Titelbild.

Der Vorfall in Backnang war nicht der einzige im Zusammenhang mit dem Drittligaspiel: Bereits am Samstagmorgen, auf der Fahrt nach Baden-Württemberg, hatten Hansa-Fans einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Wie die Thüringer Allgemeine berichtet, hatten sie in einem Bahnhof im Weimarer Land die Notbremse gezogen, randaliert und einen Zugbegleiter angegriffen. Als Grund sollen sie angegeben haben, sie hätten den Zug für einen gehbehinderten Hansa-Fan aufhalten wollen.

Das Spiel soll wohl im März nachgeholt werden

Richtige Hochrisikospiele, so der Polizeisprecher Biehlmaier, fänden in Aspach zwar nicht statt. „Aber es gibt in dieser Liga schon Vereine, die als risikobehaftet gelten.“ Dazu gehöre auch Hansa Rostock. „Deren Fans sind schon durch Gewaltbereitschaft und Sachbeschädigungen aufgefallen.“ Weitere Vereine will Biehlmaier nicht nennen – „dadurch würden wir unsere Taktik offenlegen.“ Denn bei entsprechenden Spielen würden mehr Beamte eingesetzt – so auch am Samstag. „Wir hatten eigentlich viele Kräfte in der Stadt und hätten früher vor Ort sein können“, so Biehlmaier. Die Wirtin sei aber möglicherweise daran gehindert worden, zeitiger die Polizei zu rufen.

Das Spiel gegen Hansa Rostock soll voraussichtlich im März nachgeholt werden. „Davor werden wir natürlich mit den örtlichen Behörden die Sicherheitslage einschätzen und uns entsprechend vorbereiten“, so Philipp Mergenthaler.

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