Berggorillas stehen auf der „Roten Liste“. Sie gelten aber nun nicht mehr als vom Aussterben bedroht. Foto: Virunga National Park

Die Verhaltensforscherin Dian Fossey befürchtete noch, dass die afrikanischen Berggorillas bis 2000 ausgestorben sein könnten. Doch die ergriffenen Schutzmaßnahmen zeigen langsam Wirkung. Experten sprechen von einer seltenen positiven, wenn auch unsicheren Entwicklung.

Washington - Naturschützer melden im Fall der in Afrika lebenden Berggorillas einen seltenen Lichtblick: Einst fast ausgestorben, nimmt ihre Zahl allmählich wieder zu. Die in der Schweiz ansässige Weltnaturschutzunion (IUCN) änderte den Status der Berggorillas auf ihrer am Mittwoch aktualisierten Roten Liste von „vom Aussterben bedroht“ zu „stark gefährdet“. Inzwischen gibt es gut 1000 freilebende Tiere. Das ist zwar noch immer prekär, gibt aber Anlass zu Hoffnung.

„Im Kontext zusammenbrechender Wildtierpopulationen in aller Welt ist das ein beachtlicher Naturschutzerfolg“, sagt Tara Stoinski, Präsidentin und Chefwissenschaftlerin des Dian-Fossey-Gorilla-Fonds. Die Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Atlanta im US-Staat Georgia ist nach der Verhaltensforscherin Fossey benannt, deren Arbeit half, international auf das Schicksal der Berggorillas aufmerksam zu machen. Auf ihrer Geschichte beruhte der Film „Gorillas im Nebel“ mit Sigourney Weaver von 1988.

„Das ist ein Signal der Hoffnung - und es geschah in kürzlich von Krieg zerrütteten und noch immer sehr armen Ländern“, sagt Stoinski, selbst Mitglied in der Gruppe von Primatenexperten beim IUCN, die die Statusänderung empfahl.

Aufgrund der Schutzbemühungen erholt sich die Zahl

Berggorillas leben in üppig wachsenden, nebligen Wäldern in einem Gebiet ruhender Vulkane im Osten Afrikas. Ihr Lebensraum liegt in Nationalparks in Teilen Ruandas, Ugandas und der Demokratischen Republik Kongo. Fossey, die Ende 1985 gewaltsam ums Leben kam, hatte vorausgesagt, dass die Primaten bis 2000 möglicherweise ausgestorben sein würden. Statt dessen erholte sich deren Zahl aber aufgrund nachhaltiger und finanziell gut ausgestatteter internationaler Schutzbemühungen langsam.

„Wir haben mit Blick auf ihren Schutz Fortschritte gemacht, indem wir eine Umgebung zugelassen haben, in der Berggorillas weiter gedeihen und wachsen können“, sagt Anna Behm Masozera, Direktorin des Internationalen Gorilla-Schutzprogramms mit Sitz in der ruandischen Hauptstadt Kigali. „Aber es ist wichtig zu unterstreichen, dass die Zahl der Berggorillas immer noch sehr schnell wieder zurückgehen könnte. Wir haben immer noch nur zwei anfällige und kleine Bestände“, die auf zwei Nationalparkgebiete verteilt seien.

Auch die Gesundheitsversorgung ist wichtig

Einige wichtige Faktoren hätten zum bescheidenen Aufschwung beigetragen, sagt Masozera: Die Regierungen der drei Länder hätten die Bewachung der Nationalparkgrenzen verstärkt. Dort sind Jagd, Holzfällarbeiten und befestigte Straßen verboten. Auch der Tourismus hilft: Besucher zahlen bis zu 1500 Dollar (1330 Euro) pro Stunde, um Gorillas zu beobachten. Das Geld trägt dazu bei, die Parkranger zu bezahlen.

„Primaten-Ökotourismus, richtig gemacht, kann eine wirklich bedeutende Kraft zur Finanzierung von Naturschutz sein“, sagt Russ Mittermeier von der Organisation Global Wildlife Conservation. „Er gibt örtlichen Regierungen und Gemeinden einen greifbaren wirtschaftlichen Anreiz, diese Lebensräume und Spezies zu schützen.“

Und auch die Gesundheitsversorgung ist wichtig. Die Nichtregierungsorganisation Gorilla Doctors hat in jedem der Länder, in denen Berggorillas leben, Tierärzte ausgebildet. Denn zwar ist die Jagd in den Nationalparks illegal, dennoch stellen Anwohner Fallen auf, um andere Tiere wie Antilopen zu fangen. In diese Fallen können auch Arme und Beine von Gorillas geraten.

Wenn sie sich beim Versuch verletzen, sich aus den Schlingen zu befreien, werden die Tierärzte gerufen. Sie säubern die Wunden. Experten sagen, das Eingreifen der Ärzte spiele eine bedeutende Rolle dabei, die Populationen der Berggorillas zu bewahren. „Es ist ein absoluter Gewinn für den Naturschutz, und davon gibt es nicht so viele“, sagt Kirsten Gilardi, US-Direktorin der Gorilla Doctors.

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