Präsident Joachim Rukwied bezeichnet das angestrebte Volksbegehren als Frontalangriff auf die Landwirte. Mit der Ernte in diesem Jahr ist er dagegen zufrieden.

Vaihingen/Enz - Der Schutz der Bienen und anderer Insekten stößt offenbar auf Ablehnung der Landwirte im Südwesten. „Das Volksbegehren zum Artenschutz ist ein Frontalangriff auf die bäuerliche Landwirtschaft“, erklärte der Präsident des Bauernverbandes in Baden-Württemberg, Joachim Rukwied. Würden Pflanzenschutzmittel in geschützten Gebieten komplett verboten, würde dies das Aus für viele Betriebe bedeuten, sagte Rukwied, der auch Präsident des Deutschen Bauernverbandes ist. „Winzer am Kaiserstuhl wären davon ebenso betroffen wie Wengerter im Naturpark Stromberg/Heuchelberg bei Heilbronn oder Obstbauern am Bodensee“, kritisierte Rukwied. Gäben die Bauern wegen zu strikter Auflagen auf, bestehe die Gefahr, dass mit Weinbergen und Obstanbau prägende Elemente der Landschaft verschwänden.

Um das Insektensterben zu bekämpfen, streben die Aktivisten von Pro Biene ein Volksbegehren an, das erste Hürden bereits genommen hat und über das im Herbst abgestimmt werden könnte. Unterstützt wird dieses vom Bund für Natur- und Umweltschutz Deutschland (BUND), ein Koope­rationspartner ist der Ökoanbauverband Demeter.

Rukwied: Schädlinge erfordern Pflanzenschutz

Eine Kabinettsvorlage, auf die sich das baden-württembergische Agrarministerium sowie das Umweltministerium geeinigt haben, sieht vor, dass der Einsatz von Pestiziden in solchen Schutzgebieten bis 2030 um 40 bis 50 Prozent verringert wird. Nach Ansicht von Rukwied kann dagegen keine pauschale Zahl angesetzt werden, da sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln am Befall durch Schädlinge oder Pilzen orientieren müsse. Die Bauern setzten auf eine „Reduktionsstrategie“, die allerdings auch eine finanzielle Unterstützung durch das Land nötig mache. Die Politik forderte der Bauernpräsident auf, konkrete „machbare Alternativen“ zu präsentieren. Die Landwirte wirtschaften nach Angaben des Bauernverbands bereits auf 400 000 Hektar im Land besonders naturverträglich. Zudem werde auf weiteren 200 000 Hektar ökologischer Landbau betrieben. Insgesamt bewirtschaften die Landwirte im Südwesten eine Fläche von 1,4 Millionen Hektar.

Auch für die mit dem Volksbegehren angestrebte Erweiterung der ökologisch bewirtschafteten Fläche von heute 14 Prozent auf 50 Prozent in Baden-Württemberg im Jahr 2035 bräuchten die Bauern finanzielle Unterstützung, betonte Rukwied. Nach seinen Schätzungen wären zusätzlich zu den jetzigen Subventionen für den Ökolandbau jedes Jahr mindestes weitere 140 Millionen Euro nötig. Fraglich sei allerdings auch, ob die Verbraucher die dann steigende Menge an Ökoware auch kaufen würden.

Die Ernte fällt dieses Jahr durchschnittlich aus

Weniger dramatisch als ursprünglich befürchtet wirkten sich dagegen Hitze und Trockenheit dieses Sommers auf die Ernte aus. „Die Hitze hat beim Getreide Ertrag gekostet“, sagte Rukwied. Es sei aber nicht so schlimm gekommen wie erwartet. Deswegen rechne er mit einer durchschnittlichen Ernte. Die Qualität des Brot-, Brau- und Futtergetreides sei „sehr gut“. Erhebliche Verluste hat es nach Angaben des Bauernverbandes dagegen beim Raps gegeben. Sehr gut dürfte dieses Jahr nach Ansicht von Rukwied auch die Qualität des Weines werden. Trollingertrauben hätten allerdings unter der Hitze gelitten, sodass es zu Einbußen bei der Ernte kommen dürfte.

Unter Druck stehen nach Meinung des Bauernverbandes die Preise für Obst. Für die Verbraucher könnte dies bedeuten, dass Obst billiger wird. Nach den Angaben des Statistischen Landesamtes dürfte die Apfelernte dieses Jahr geringer ausfallen. Dies sei auch auf die Trockenheit zurückzuführen, schreiben die Statistiker. Zudem war 2018 ein Rekordjahr bei Äpfeln gewesen. Das Statistische Landesamt rechnet mit einer Ernte von 370 000 Tonnen im laufenden Jahr. Dies seien zwar 20 Prozent weniger als im vergangenen Jahr, aber immerhin noch elf Prozent mehr als im langjährigen Durchschnitt. Ein Hilfsprogramm für in Existenznot geratene Bauern, wie dies nach der schlechten Ernte des vergangenen Jahres vom Bundeslandwirtschaftsministerium verabschiedet worden war, sei für die Ernte 2019 nicht nötig, sagte der Bauernpräsident.

Die Situation im ökologischen Getreideanbau ist dem Bauernverband zufolge ähnlich wie bei den konventionellen Betrieben. Die Ernteergebnisse bei den Ökobauern seien gut, die Preise lägen aber unter dem Niveau des Vorjahres, sagte der Bauernpräsident. Dies sei auch eine Folge des gesunkenen Preises für Futtergetreide.

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