Die antike Maya-Stadt Tikal liegt inmitten von Regenwäldern im nördlichen Guatemala. Sie war eine der bedeutendsten Orte der klassischen Maya-Periode (3. bis 9. Jahrhundert) und ist eine der am besten erforschten Maya-Städte. Foto: Sandra Sebastian/EFE/dpa

Krieg den Palästen: So ähnlich sahen Experten bisher die Feldzüge der Maya gegeneinander. Nun zeigt eine neue archäologische Studie: Auch schon zur Blütezeit der Kultur um 700 n. Chr. zerstörten Maya-Stadtstaaten rivalisierende Städte komplett.

Flores - Extreme Kriegsführung mit vollständiger Zerstörung von Städten war bei den Mayas offenbar schon zur Blütezeit ihrer Kultur verbreitet. US-Archäologen dokumentieren das Niederbrennen der Stadt Witzna im Norden von Guatemala um das Jahr 700 – also auf dem Höhepunkt dieser präkolumbianischen indianischen Zivilisation.

Bislang glaubten die Forscher, die Kriege zwischen den Maya-Stadtstaaten hätten damals vor allem dem Erbeuten adeliger Gefangener und dem Eintreiben von Tributen gedient, wirtschaftliche Strukturen aber intakt gelassen. Erst in der Endphase der Maya – ab etwa 800 n. Chr. – hätten Kriege auf die völlige Zerstörung von Städten abgezielt und damit den Untergang der Kultur beschleunigt.

Maya-Stadtstaaten kämpften gegeneinander

Dieser Theorie widerspricht nun ein Wissenschaftlerteam um David Wahl vom Geological Survey in Menlo Park (US-Bundesstaat Kalifornien) im Fachblatt „Nature Human Behaviour“. Im Gebiet der Maya, das vom heutigen Südmexiko bis nach Honduras reicht, konkurrierten verschiedene Stadtstaaten miteinander.

Lesen Sie hier: Auf den Spuren der Maya – Die mysteriösen Ruinen von El Mirador

Dass Städte bei Kriegen in der Maya-Spätphase vollständig zerstört wurden, belegen auch Ausgrabungen in Dos Pilas, Aguateca und Cancuen, die ebenso wie die berühmte Maya-Metropole Tikal im Tiefland von Guatemala liegen. Die neue Studie zeigt, dass diese Art der Kriegführung auch schon vorher verbreitet war.

Maya-Metropole Witzna wurde 697 n. Chr. niedergebrannt

Die Forscher haben Inschriften in einer Stele untersucht, die sich in der 32 Kilometer südlich von Witzna gelegenen Maya-Stadt Naranjo befindet. Der Text nennt mehrere Feldzüge gegen benachbarte Städte binnen weniger Jahre.

Die Stadt Bahlam Jol – ein anderer Maya-Name für Witzna – hatte am 21. Mai 697 zum zweiten Mal gebrannt. Das gleiche Schicksal ereilte zu jener Zeit vier andere Städte.

Zerstörerische Kriege

Ausgrabungen ergänzen das Bild. Demnach wurden sämtliche Gebäude der Stadt – einschließlich des Königspalasts – zwischen 650 und 800 zerstört. Nach dem Feuer fanden die Forscher zudem deutlich weniger Erdablagerungen in den Bohrkernen als davor.

Alte Sedimente aus einem bei Witzna gelegenen See deuten zudem darauf hin, dass der Krieg auch die Landwirtschaft und damit die Zivilbevölkerung stark in Mitleidenschaft gezogen hatte.

„Die Belege zeigen, dass die Maya zu einer Zeit zerstörerische Kriege führten, die als Höhepunkt des Wohlstands und der künstlerischen Raffinesse gilt“, schreiben die Archäologen. Dass Maya-Städte bei Kriegen in der Spätphase der Hochkultur zerstört wurden, ist seit vielen Jahren bekannt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: