Hilfe! In vielen Büros haben sich eigentümliche Umgangsformen entwickelt. Foto: dpa

„Da müssen wir proaktiv rangehen“ oder „Haben Sie gerade noch Kapazitäten frei“? Jeden Tag hört man abgenudelte Sprüche vom Chef oder von Kollegen. Doch was steckt wirklich hinter den ach so harmlosen Bürofloskeln? Wir klären auf.

Stuttgart - Die Bemerkung des Chefs beim Mittagessen hat sich so harmlos angehört – aber plötzlich hat man einen Haufen Arbeit auf dem Tisch. Der Kollege hat einem ein Kompliment gemacht. Aber war das Kompliment in Wahrheit nicht eine Gemeinheit? Im Büro werden jeden Tag Phrasen gedroschen. Wir haben zehn Bürosprüche gesammelt – und liefern dazu die Übersetzungen mit.

1. „Haben Sie gerade noch Kapazitäten frei?“

Soll heißen: „Ich habe hier eine Menge Arbeit, die kurzfristig erledigt werden muss. Da die Kollegen ganz offensichtlich beschäftigt sind, komme ich auf Sie zu. Sie habe ich schon länger im Auge, da Sie bisher nur beim Mittagessen und beim Kaffeetrinken Überstunden aufbauen.“

2. „Kommen Sie mal eben rein, und machen Sie die Tür hinter sich zu.“

Könnte dies bedeuten: „Ich muss Ihnen mal eben die Meinung geigen. Weil Sie vor Ihren Kollegen nicht wie der Depp dastehen sollen (der Sie in Wirklichkeit sind) erspare ich Ihnen die Demütigung vor Publikum.“

3. „Ach Herrje, da habe ich leider schon Flüge gebucht.“

Bedeutet: Die Kollegen zerfen sich um die begehrten Urlaubswochen in den Sommerferien. Kollege A. hat Fakten geschaffen, indem er schon fix gebucht hat. Bedauert zwar in der Regel sein Missgeschick, hält sich in Wahrheit aber für oberschlau.

4. „Wie lange sind Sie eigentlich schon in der Firma?“

Übersetzung: „Ich kann gar nicht fassen, wie Sie hier so lange überleben konnte, ohne dass jemand aufgefallen ist, wie unfähig und faul Sie sind. Jetzt bin ich hier: und mir fällt es auf.“

5. „Da müssen wir proaktiv rangehen.“

Das steckt hinter der Wortwolke: „Ich habe selbst keine Ahnung, was dieser Spruch eigentlich bedeutet. Aber er hört sich irgendwie cool und modern an. Passt also zu einem Typ wie mir.“

6. „Ich sage dazu immer: das eine tun, bedeutet nicht, das andere zu lassen.“

Meint: „Ich überhäufe Sie mit zusätzlicher Arbeit. Machen Sie all das, was Sie bisher schon immer gemacht haben und zusätzlich die Arbeit von Kollegin K., die wir gekündigt haben und deren Stelle wir nicht mehr besetzen.

7. „Dazu hatten wir uns doch im vergangenen Jahr alle committed!“

Übersetzung aus dem Denglishen: „Ich kann nicht fassen, dass Sie schon wieder vergessen haben, was ich Ihnen kürzlich über unsere Arbeit gesagt habe. Ihre Dusseligkeit nervt mich kolossal.“

8. Diese Küche ist selbstreinigend – jeder, der sie schmutzig macht, reinigt sie selbst.“

Spruch auf DIN A4-Seite in der Kaffeküche bedeutet: „Ich habe den Kampf gegen die verkrusteten Kaffeetassen und die verschmierten Teller noch nicht aufgegeben. Wehe, ich erwische die Schmuddelsünder!“

9. „Da bin ich leidenschaftslos.“

Will sagen: „Entschuldigung, von was hatten Sie eben noch mal gesprochen? Bei Ihnen höre ich schon lange nicht mehr hin. Lohnt sich eh nicht.“

10. „Könnten Sie da bitte schon mal eine Leitung legen?“

Meint: „Bitte rufen Sie Herrn XY doch rechtzeitig an, um ihn zu informieren. Weil ich ein Typ mit enorm viel technischem Verständnis bin, sage ich extra „Leitung legen“, das klingt viel cooler als „telefonieren“.“

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