Ein US-Spezialsoldat mit nigrischen Soldaten beim Manöver in Diffa im Februar 2017. Foto: US-Africom

Zum ersten Mal werden drei US-Spezialkräfte bei einem Feuergefecht im Niger getötet. Zwei weitere verwundete US-Soldaten wurden ins US-Militärhospital nach Landstuhl ausgeflogen.

Stuttgart - Drei Mitglieder einer Spezialeinheit des US-Heeres sind im westafrikanischen Niger getötet worden. Zwei weitere wurden nach US-Militärangaben verwundet, als sie gemeinsam mit Soldaten aus Niger in der Nähe der Grenze nach Mali patrouillierten. Ein nigrischer Soldat wurde bei dem Gefecht am Mittwochnachmittag ebenfalls getötet. Die beiden verwundeten US-Soldaten sind inzwischen zur Behandlung ins US-Militärhospital im rheinland-pfälzischen Landstuhl ausgeflogen worden. Ihr Zustand ist nach Auskunft des Stuttgarter US-Afrika-Kommandos (Africom) „stabil“.

„Drei US-Soldaten und ein Soldat einer Partnernation wurden getötet, als die USA nigrische Sicherheitskräfte bei Anti-Terroroperationen ungefähr 200 Kilometer nördlich von Niamey im Südwesten Nigers beriet und unterstützte“, teilte eine Africom-Sprecherin mit. Dies ist das erste Mal, dass US-Soldaten im Niger im Kampf getötet werden. US-Spezialkräfte des Heeres, „Green Berets“ der in Fort Bragg, North Carolina, beheimateten Dritten Spezialkräfte-Gruppe bilden in Niger Soldaten aus, unterstützen mit nachrichtendienstlicher Arbeit und mit Aufklärung.

Details zu dem Feuergefecht sind noch vage: Etwa 30 nigrische Soldaten und acht US-Soldaten sollen in fünf Fahrzeugen unterwegs gewesen sein. Laut französischen Sender Radio France Internationale reagierten sie auf eine Attacke nahe des Dorfs Tongo Tongo, wo sie in einen Hinterhalt gerieten. Wer die Angreifer waren, ist unklar. An der Grenze zu Mali „sind eine Reihe von Gruppen aktiv, darunter Al-Kaida im Islamischen Maghreb und der Islamische Staat“, so die Africom-Sprecherin. „In den letzten Monaten gab es mehrere Übergriffe in der Region um Tillaberi, in der der Ausnahmezustand verhängt wurde und die Regierung aktiv gegen dschihadistische Gruppen vorgeht“, sagt Melanie Müller, Afrika-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).

Immer mehr Zentrum von US-Militäraktivitäten

Seit dem Frühjahr 2013 unterhalten die USA in der Hauptstadt Niamey eine Basis für den Einsatz von Aufklärungsdrohnen, um zu verfolgen, wie Dschihadisten über Ländergrenzen hinweg in der Region operieren. Mit diesen Erkenntnissen unterstützen sie auch französische Einheiten in derem Kampf gegen Dschihadisten in den Wüstenweiten Nordmalis. Das US-Militär baut für 42 Millionen Euro einen zweiten größeren Stützpunkt in Agadez auf. Dort ist nach der Fertigstellung 2018 geplant, Spezialkräfte, weitere Überwachungsdrohnen und Flugzeuge zu stationieren. So entwickelt sich Niger immer mehr zum Zentrum der US-Militäraktivitäten in Westafrika. Laut Africom befinden sich dort derzeit 800 US-Soldaten.

Der Niger an der Südflanke der Sahara ist vier Mal so groß wie Deutschland, aber bettelarm. Trotz westlicher Unterstützung kämpft das Land schwer damit, die kaum bewachten Grenzen zu den Krisenstaaten Mali, Nigeria und Libyen zu schützen. Es mangelt an Bildungsangeboten, Gesundheitsversorgung und anderen staatlichen Dienstleistungen. Dschihadisten und religiöse Islamisten nutzen geschickt lokale Konflikte wie den mit der lange übergangenen Bevölkerungsgruppe der Tuareg aus, um Kämpfer zu gewinnen.

Niger ist auch wichtiges Transitland für Flüchtlinge nach Europa. Daher engagiert sich auch Deutschland zunehmend für die Sicherheit: Das Militär erhielt jüngst 80 LKW. Und die Bundeswehr soll laut Verteidigungsministerium im europäischen Rahmen auch Soldaten ausbilden. „Ich befürchte, dass die Sicherheit zu sehr betont wird und dass die Entwicklungsarbeit zu kurzfristig und nicht regional genug angelegt ist“, meint Afrika-Expertin Müller mit Blick auf Europäer wie Amerikaner.

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