Ein Foto, das in einer Olweus-Stunde entstanden ist – im Kunstunterricht. Foto: Ludwig-Uhland-Gymnasium

Mobbing sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Langfristig wird sich nur dann mit der Olweus-Methode der Erfolg einstellen, wenn Lehrer das Programm nicht nur in ihrer Freizeit organisieren, meint Viola Volland.

Stuttgart - Es ist erschreckend, wie viele Kinder in ihrem Schulleben von Mobbing betroffen sind. Egal, auf welche Schule sie gehen – vor Ausgrenzung ist man am Gymnasium genauso wenig gefeit wie an einer Werkrealschule. Die Folgen für die Opfer sind lange spürbar, sie können sich noch im späten Erwachsenenalter zeigen. Jeder Fall, der über die Olweus-Methode verhindert werden kann, ist Gold wert. Und mit dem Programm lassen sich offenbar viele Fälle verhindern. Es wäre deshalb eine gute Nachricht, wenn das Kultusministerium das Programm nach der Pilotphase landesweit ausweiten würde.

Schulen bekommen bisher keinen Ausgleich

Doch die Methode hat in der Praxis eine Schattenseite: Sie ist enorm zeitaufwendig. Momentan geht der Aufwand zulasten der engagierten Lehrkräfte, die an das Programm glauben. Das hat Folgen: Von 22 Schulen haben sieben schon wieder aufgegeben. Zusätzliche Lehrerstunden sind bisher nicht für Olweus vorgesehen. Die regelmäßigen Gruppentreffen, die Gespräche, die Lösungsversuche, wenn Mobbing gemeldet wird, was automatisch öfter geschieht, wenn Kinder merken, dass sie auf offene Ohren stoßen – dafür bekommen die Schulen keinen Ausgleich. Das muss momentan noch extra in der Freizeit laufen.

Auf Dauer wird ein derart aufwendiges Programm jedoch nur funktionieren, wenn auch Lehrerstunden dafür bewilligt werden, damit zumindest der Großteil der Mehrarbeit aufgefangen werden kann. Das kostet zwar Geld, doch es lohnt sich – nicht nur für den Einzelnen. Denn wenn sich das Schulklima bessert, profitieren alle davon. Es unterrichtet sich nicht nur leichter, es lernt sich auch leichter.

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