Der Anstieg des Meeresspiegels trifft Küstenregionen wohl um einiges härter als erwartet. Foto: AP/John McConnico

Eine neue Studie stellt bisherige Ergebnisse zu den Folgen des Meeresspiegelanstiegs um ein vielfaches in den Schatten. Demnach dürften Millionen Menschen in den kommenden Jahrzehnten von Überflutungen betroffen sein.

Stuttgart - Wegen des Klimawandels werden die Weltmeere wärmer und Eismassen auf dem Land schmelzen allmählich ab. Beides führt zum Anstieg des Meeresspiegels, von dessen Folgen wohl weitaus mehr Menschen betroffen sein werden als bislang angenommen. Auf Deutschland bezogen zeigt eine neue Studie von Forschern der Nicht-Regierungs-Organisation Climate Central, dass sich im Jahr 2050 vor allem weite Teile von Nord- und Ostfriesland sowie Bremen und Hamburg gegen Überflutungen wappnen müssen.

Im globalen Kontext ist vom Anstieg des Meeresspiegels hauptsächlich China betroffen. Im Gegensatz zu früheren Messungen bedrohen jährliche Überschwemmungen dort statt 29 Millionen ganze 93 Millionen Menschen. Auch in Bangladesch und Indien sollen bis 2050 zwischen 30 und 40 Millionen mehr Menschen als bislang angenommen von Überflutungen betroffen sein.

Worst-Case-Szenario ohne Schutzmaßnahmen

Die weit größeren Zahlen kommen mithilfe des neuen digitalen Höhenmodells CoastalDEM zustande, das im Gegensatz zur bislang genutzten SRTM-Methode präzisere Daten bezüglich der Maße von Landschaften und Objekten bereitstellen soll. SRTM-Daten beinhalten laut Climate Central eine fehlerhafte Einschätzung von einem bis 20 Metern. Die Berechnungen von CoastalDEM würden dagegen dank maschinellen Lernens die exakte Berechnung einer Landschaft bis auf wenige Zentimeter ermöglichen.

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Demnach sind im Worst-Case-Szenario bis zum Jahr 2100 weltweit bis zu 630 Millionen Menschen von jährlichen Überflutungen bedroht – bis 2050 könnten es bereits 340 Millionen Menschen sein. Derzeit seien auf der ganzen Welt etwa 250 Millionen Menschen von jährlichen Überflutungen betroffen. Zum Vergleich: Die Europäische Union hat Stand 2018 etwas mehr als 510 Millionen Einwohner.

Viele Gebiete, in denen derzeit noch 170 Millionen Menschen leben, könnten zudem bis 2050 permanent mit Wasser bedeckt sein. Der Meeresspiegel wäre dann um mehr als zwei Meter gestiegen. Voraussetzung für das Worst-Case-Szenario ist laut den Forschern, dass ohne weitere Schutzmaßnahmen Emissionen in die Erdatmosphäre gelangen.

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