Manchem ein Dorn im Auge: Mountainbiker fordern freie Fahr im Wald Foto: dpa

Sie haben 58.200 Unterschriften gesammelt und werden am 6. Februar von der Landesregierung angehört. Doch bei ihrem Kampf für mehr Rechte wird den Mountainbikern mitunter auch mulmig.

Sie haben 58 200 Unterschriften gesammelt und werden am 6. Februar von der Landesregierung angehört. Doch bei ihrem Kampf für mehr Rechte wird den Mountainbikern mitunter auch mulmig.

Stuttgart - Vereinzelte Anschläge auf Mountainbiker verunsichern die Rad-Szene im Südwesten. Bereits Ende August und Anfang September hatten Unbekannte auf der Mountainbike-Weltcup-Strecke im Truchtelfinger „Bullentäle“ bei Albstadt im Zollernalbkreis zweimal Drähte über die Strecke gespannt. Beim ersten Mal wurde die Falle rechtzeitig entdeckt, beim zweiten Mal verletzte sich ein junger Fahrer leicht, als er den Draht, der auf Kopfhöhe gespannt war, beim Fahren durchtrennte.

Vor wenigen Tagen meldeten Mountainbiker in einem Waldgebiet im Raum Heidelberg dann zwei weitere Anschlagversuche mit Schnüren oder Drähten – der eine bei Schriesheim, der andere bei Ziegelhausen. Dieses Mal lauerten die Fallen auf schmalen Pfaden, auf denen laut Gesetz eigentlich nicht Rad gefahren werden darf. Verletzt wurde niemand, doch die Polizei nimmt die Fälle sehr ernst.

Es handle sich um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, der mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden könne, sagt ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums in Mannheim, Norbert Schätzle. Wenn mit der Tat zudem die Absicht verbunden sei, einen Unfall herbeizuführen, sei die Mindeststrafe ein Jahr Haft ohne Bewährung. „Da sind wir schon im Verbrechensbereich.“

Dass Mountainbiker Steine oder Baumstämme in den Waldweg gelegt bekommen, ist nichts Neues. „Das kommt öfter vor“, sagt Alexander Holzwarth, der in der Heidelberger Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) die Mountainbiker vertritt. Gespannte Drähte in Brust- oder Kopfhöhe stellen allerdings eine neue Qualität dar. „Das ist kein Dumme-Jungen-Streich mehr, sondern äußerst gefährlich“, sagt Polizeisprecher Schätzle. „Da können schwerste Verletzungen entstehen.“

Mountainbiker Holzwarth spricht davon, dass „das Ganze momentan eskaliert“. Und zwar, so behauptet er, wegen der Zwei-Meter-Regel im Wald, die es nur noch in Baden-Württemberg gibt.

Nach der Zwei-Meter-Regel ist Radfahren im Wald nur auf Wegen erlaubt, die mindestens zwei Meter breit sind. „Damit fühlt sich der eine oder andere im Recht und betreibt Selbstjustiz“, sagt Holzwarth. Müssten sich Wanderer und Radfahrer den Wald gleichberechtigt teilen, meint er, käme es vermutlich nicht zu solchen Auswüchsen.

Die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) hat beim Landtag in Stuttgart eine Petition eingereicht, in der sie die Abschaffung der Regelung fordert. Rund 58  200 Unterschriften hat man gesammelt.

Der Petitionsausschuss des Landtags will sich in diesem Frühjahr mit der Eingabe der Radfahrer befassen. Bislang lehnen sowohl die grün-rote Landesregierung als auch die Mehrheit im Landtag eine entsprechende Änderung des Waldgesetzes ab. Am 6. Februar soll es aber immerhin ein erstes Gespräch zwischen DIMB und dem Forstpräsidenten des Landes, Max Reger, im Stuttgarter Landwirtschaftsministerium geben.

Ministerium glaubt nicht an Eskalation

Ob der Wirbel um die Petition, über die in den vergangenen Monaten mehrfach berichtet worden war, die Unbekannten zu ihrer Tat motiviert hat? Polizeisprecher Schätzle kann sich dies durchaus vorstellen, denn so etwas sei in dieser Qualität in den vergangenen Jahren seines Wissens nicht vorgekommen, sagt der erfahrene Beamte.

Im Stuttgarter Landwirtschaftsministerium glaubt man hingegen nicht an eine Eskalation: „Uns sind solche Vorfälle schon aus früherer Zeit bekannt – also lange bevor die Zwei-Meter-Regel in der Diskussion war“, sagt eine Sprecherin des Ministeriums. Ob im Land die Zahl der Anschläge oder Anschlagversuche in jüngster Zeit angestiegen sei, könne man nicht sagen, so die Sprecherin weiter. „Wir können diese Fälle gar nicht systematisch erfassen, denn die gehen eigentlich nur an die Polizei.“

Zugleich verurteilt das Ministerium die Anschläge scharf: „ So etwas ist absolut indiskutabel“, sagt die Sprecherin. „ Wir wollen ja, dass die Leute vor Ort ins Gespräch kommen und Lösungen finden, die für alle am besten sind.“

Auch der Schwarzwaldverein, der die Zwei-Meter-Regel im Wald befürwortet, regierte auf die Anschläge: „Entschieden distanzieren wir uns von vereinzelten Versuchen, das Radfahren auf Waldwegen durch Hindernisse zu erschweren oder die Sicherheit von Radlern zu beeinträchtigen“, heißt es in einer Stellungnahme.

Ob die Täter gefunden werden, ist unwahrscheinlich. Was die Anschläge bei Albstadt angeht, so wurden die Ermittlungen laut dem Polizeipräsidium Tuttlingen bereits eingestellt. Ein Täter habe nicht ermittelt werden können, so ein Sprecher. In Heidelberg laufen noch die kriminaltechnischen Untersuchungen. Zugleich will die Polizei dort künftig verstärkt auch in Waldgebieten Präsenz zeigen. „Da muss der eine oder andere Wanderer, der mit dem Rucksack unterwegs ist, schon mal eine Kontrolle ertragen“, sagt Polizeisprecher Schätzle.

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