Frauen, auf die Angela Merkel setzt: Annegret Kramp-Karrenbauer, Julia Klöckner und Ursula von der Leyen (v.l.n.r.). Wer außerdem infrage kommt, zeigen wir in unserer Bildergalerie. Klicken Sie sich durch. Foto: dpa

Wenn es nach dem SPD-Mitgliederentscheid zu einer Großen Koalition – auch Groko – käme, soll das künftige Bundeskabinett zur Hälfte aus Frauen bestehen. Gefordert sind in dieser Frage vor allem die Unionsparteien.

Berlin - Sie hat es versprochen, er hat es versprochen. Für „absolut erstrebenswert“ hielt es Kanzlerin Angela Merkel bereits im Wahlkampf, dass ihr nächstes Kabinett zu 50 Prozent aus Frauen bestehen soll. Die stets bedächtige Chefin schränkte ein, sie müsse aber erst einmal „abwarten, welche Vorschläge mir die möglichen Koalitionspartner machen“. Im Grundsatz jedoch, so versichern sie im Kanzleramt, steht die CDU-Vorsitzende weiter zur Parität. Und am SPD-Vorsitzenden Martin Schulz wird sie nicht scheitern. Der hat schließlich erst vor knapp zwei Wochen auf dem Bonner Parteitag seine diesbezügliche Zusage im Wahlkampf erneuert: „Das ist in einer modernen Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit.“

In der Vorgängerregierung, die noch geschäftsführend im Amt ist, war die SPD-Seite Vorbild, was die Gleichberechtigung angeht. Von sechs Ministerposten gingen 2013 drei an Frauen – Manuela Schwesig, Andrea Nahles und Barbara Hendricks. Nach Frank-Walter Steinmeiers Aufstieg zum Bundespräsidenten und Sigmar Gabriels Wechsel ins Außenministerium rückte im Wirtschaftsministerium mit Brigitte Zypries gar eine vierte Sozialdemokratin an die Spitze eines Ministeriums. Im Familienministerium rückte für die nach Mecklenburg-Vorpommern zurückgekehrte Schwesig „quotenneutral“ Katarina Barley nach.

Die CSU gab sich als reiner Männerbund

Dass die Gesamtquote nie 50 Prozent erreicht hat im Kabinett, zu dem neben Merkel und ihren 15 Ministern auch 34 Staatsminister und Parlamentarische Staatssekretäre zählen, liegt an CDU und CSU. Die Christdemokraten entsandten neben der Regierungschefin nur Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin und Johanna Wanka als Forschungsministerin an den Kabinettstisch, die drei christsozialen Minister bildeten gar einen reinen Männerbund.

Die Bayern sind deshalb die erste Adresse, an die sich Merkel nun wendet im Ansinnen, ein künftiges Groko-Kabinett weiblicher, aber auch jünger aussehen zu lassen. Denn dass eine Neuverfilmung des Schwarz-Rot-Klassikers das Publikum, wenn überhaupt, nur mit einer personellen Erneuerung für sich einnehmen kann, weiß man auch im Umfeld der Kanzlerin: „Frische Gesichter und eine bessere Mischung von Männern und Frauen täten einer neuen Regierung gut und würden den Start erleichtern.“ Also muss erst die CSU überzeugt werden.

Horst Seehofer dürfte ein Ministeramt beanspruchen

Einen Platz dürfte zwar Parteichef Horst Seehofer für sich als Arbeits- und Sozialminister beanspruchen. Doch gilt nun auch seine Stellvertreterin Dorothee Bär, bisher Staatssekretärin im Verkehrsministerium, als aussichtsreiche Kandidatin – zumal die 39-Jährige zur Kabinettsverjüngung beitrüge. Außenseiterchancen auf eine Rückkehr nach Berlin werden auch der früheren ­Agrarministerin Ilse Aigner eingeräumt, die in München politisch unglücklich ist.

Aufseiten der CDU gilt Ursula von der Leyen trotz ihres eher durchwachsenen Beliebtheitsgrades in der Bundeswehr als sicherste Wette. „Die Bundeskanzlerin schätzt Ursula von der Leyen und setzt auf sie“, heißt es aus dem Kanzleramt. Denkbar für sie wäre das Außenministerium, wenn die erste Wahl der SPD das gerade in der Europapolitik einflussreiche Finanzministerium sein sollte. Ein Platz im Kabinett könnte auch Annegret Kramp-Karrenbauer gehören – wenn sie sich zu einem Wechsel von der Saar an die Spree durchränge. Die Saarbrücker Ministerpräsidentin, die im vergangenen März als Erste die Serie verlustreicher Landtagswahlen für die Union durchbrach, ringt dem Vernehmen nach derzeit noch mit sich, angeblich jedoch mit Tendenz für Berlin. Gegen sie spricht allein, dass auch Kanzleramtschef Peter Altmaier Saarländer ist. Die baden-württembergischen Christdemokraten – ohne Kabinettsposten, seit Wolfgang Schäuble Bundestagspräsident ist – setzen auf Annette Widmann-Mauz. Die bisherige Gesundheitsstaatssekretärin, 51 Jahre alt, leitet in den Koalitionsverhandlungen für die CDU die familienpolitische Arbeitsgruppe. Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner steht der Landwirtschafts-AG vor und wird daher ebenfalls gehandelt.

Die CDU müsste im zweifel Männer „degradieren“

Bei den Sozialdemokraten gilt die 49-jährige Barley als gesetzt. Neben der Familienministerin könnte auch Umweltministerin Barbara Hendricks erneut zum Zuge kommen – die 65-Jährige ist, obwohl sie häufig, gegen Wirtschaftsminister Gabriel den Kürzeren zog, als Klimaschutzkämpferin angesehen. Als neue Namen kursieren der von Eva Högl – die Bundestagsabgeordnete hat gerade die Einigung zum Familiennachzug verhandelt. Genannt wird auch die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks, die in den Koalitionsverhandlungen offenbar einen allseits positiven Eindruck hinterlässt. Als ministrabel gilt auch die stellvertretende Parteivorsitzende Natascha Kohnen. Sie hat aber dieses Jahr eine Landtagswahl in Bayern zu bestreiten, weshalb ein Berliner Ministeramt wahrscheinlich eher noch Zukunftsmusik sein dürfte.

Leichter wird die Kabinettsaufstellung nicht. Im Kanzleramt weisen sie besorgt darauf hin, dass CDU-seitig nur Schäubles und Wankas Posten ohne Ärger neu besetzt werden können. Bei den anderen müssten im Zweifel Männer „degradiert“ werden.

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