An Weihnachten möchte kaum jemand alleine sein. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Wer nicht mit Familie und Freunden feiern kann, der fühlt sich an Weihnachten oft besonders einsam. In Stuttgart und der Region gibt es daher zahlreiche Angebote für Menschen, die an den Feiertagen unter Leute wollen.

Stuttgart - Weihnachten gilt als Zeit der Familie. Alleinstehende können die Tage deshalb als besonders belastend empfinden und sich einsam fühlen. Wer das verhindern will, der hat in Stuttgart einige Angebote zur Auswahl, um an Weihnachten und den Feiertagen zum Jahreswechsel unter Leute zu kommen.

Die Initiative „Keiner Bleibt Allein“ spielt den Vermittler in der Weihnachtszeit. Das Konzept: „Menschen schicken uns auf Social Media eine Nachricht, ob sie Gesellschaft anbieten oder suchen“, sagt Christian Fein, Vorstand der Initiative. Wenn Gast und Gastgeber dann aus derselben Stadt oder Gegend kommen, stelle das Team von „Keiner Bleibt Allein“ den Kontakt her.

„Danach beginnt der eigenverantwortliche Teil“, so Fein. Die Menschen könnten sich in Gruppen ab zwei Leuten treffen und die Weihnachtszeit gemeinsam verbringen. Aus Stuttgart und Umgebung hätten sich bereits etwa 360 Teilnehmer gemeldet, in Baden-Württemberg 2600 und im gesamten Projekt, das auch die Schweiz und Österreich umschließt, 18.000 Menschen. Seit zwei Jahren läuft das Projekt bereits. Christian Fein wolle damit zeigen, dass es im Netz nicht nur Hass gebe, „sondern vor allen Dingen Zusammenhalt und Gemeinschaft“.

Ansprechen soll die Initiative junge und ältere Menschen. „Wir hatten schon Teilnehmer von 18 bis 87 Jahren“, so der Vorstand. „In der Regel bringen wir aber 30- bis 50-Jährige zusammen, weil das die klassische Zeit ist, in der Menschen sich von ihren Partnern trennen oder in eine neue Stadt ziehen.“ Wichtig: „Keiner Bleibt Allein“ soll laut Fein nicht als Dating-Plattform verstanden werden. Die Initiative verfolge das grundsätzliche Ziel, Menschen zusammenzubringen.

Begegnungen für Jung und Alt

Traditioneller verläuft es an Heiligabend bei der Stuttgarter Arbeiterwohlfahrt (Awo) im „Alten Feuerwehrhaus“. Alljährlich stellt die Awo am 24. Dezember ihre Räume für Nachmittagskaffee und Abendessen bereit. Die Veranstaltung geht von 15 bis 18.30 Uhr, es gibt Musik und Geschichten. Einrichtungsleiterin Franziska Bolsinger sagt, dass die Begegnungsstätte zwar primär ältere Menschen anspreche: „Dieses Jahr sind aber auch ein paar jüngere dabei.“ Bolsinger erwartet für Heiligabend 40 bis 50 Gäste. Die Teilnahme kostet acht Euro – wer das Geld nicht aufbringen kann, darf aber trotzdem kommen, so Bolsinger. Interessierte können sich per Telefon oder E-Mail anmelden.

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Gänzlich ohne Anmeldung lassen sich zahlreiche Bars und Restaurants in Stuttgart am 24. Dezember besuchen. Seit 2016 öffnet an Heiligabend zum Beispiel die Cocktailbar Le Petit Coq in der Hauptstätter Straße 59. „Zu uns kommen viele Menschen, die nicht zu ihrer Familie können, weil sie zum Beispiel aus Amerika sind“, sagt Ferro Ceylan, Chef der Bar.

Bei einigen Gästen sei das Le Petit Coq sogar zum Traditionstreff geworden. Es gebe aber auch viele Menschen, die alleine kommen, sich unterhalten und generell einen gemütlichen Abend verbringen. „Das klappt sehr gut“, sagt Ceylan. „Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage sind für mich die schönsten Tage im Jahr bei uns.“ Er selbst sei auch immer da – sein Personal schicke er zu ihren Familien.

Gottesdienste und Co.

Die evangelischen Kirche bietet in Stuttgart ebenfalls einige Treffen an. So laden etwa die Stadtmissionen der Evangelischen Gesellschaft (Eva) am 24. Dezember um 22 Uhr in den Stuttgarter Hauptbahnhof zu einer Andacht ein. „Schon seit vielen Jahren kommen Musiker aus dem ganzen Umland an den Bahnhof, um die Feier musikalisch zu begleiten“, sagt eine Sprecherin der Eva.

Im Haus der Diakonie werde mit „Eva’s Stall“ außerdem die nach eigenen Angaben „größte Feier dieser Art in Baden-Württemberg“ veranstaltet. Arme und bedürftige aber auch einsame Menschen seien ab 15 Uhr eingeladen, unter anderem bei Saitenwürstle und Kartoffelsalat „Geborgenheit und weihnachtlichen Frieden“ zu erleben.

Die katholische Kirche veranstalte mehr als 100 Gottesdiensten allein am ersten Weihnachtsfeiertag in Stuttgart von morgens bis abends, heißt es von einer Sprecherin. Am 24. Dezember von 12 bis 16.30 Uhr bietet außerdem die Caritas unter anderem ein Mittagessen und gemütliches Beisammensein an. Anmeldungen werden bis zum 17. Dezember für einen Betrag von zehn Euro entgegengenommen.

Weihnachten in der Wilhelma

Stuttgart biete auch einige kulturelle Angebote rund um die Weihnachtszeit. So hat die Staatsgalerie zwar am 24. und 25. Dezember geschlossen, öffnet aber bereits wieder am 26. Dezember. An Silvester und Neujahr kann man das Kunstmuseum ebenfalls besuchen. Kleinere Kulturveranstaltungen, wie eine Ausstellung der Künstler Peter Anton und Jens Lorenzen in der Galerie von Braunbehrens in der Rotebühlstraße 87, haben sogar an Heiligabend geöffnet.

Die Wilhelma schließt ihre Tore am 24. Dezember früher als üblich. Der Einlass endet um 15 statt 16 Uhr und auch der Park schließt an diesem Tag einige Stunden früher, nämlich um 16 statt 20 Uhr. An den Feiertagen ist der Park von 9 bis 15.30 Uhr geöffnet.

Wem das alles zu ruhig ist, der hat die Möglichkeit, einen der zahlreichen Clubs in Stuttgart zu besuchen. Einen Überblick zu den besten Feiern finden Sie hier: Runter von der Couch – wohin geht’s zum Feiern?

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