Ansicht des geplanten Neubaus von der Haußmannstraße her Foto: Behnisch Architekten

Die Geburtsstätte der anthroposophischen Schulen an der Stuttgarter Uhlandshöhe wird im Jahr 2019 hundert Jahre alt. Zum Jubiläum schenkt sich der Schulverein ein modernes Haus, dem das bisherige Verwaltungsgebäude weichen muss. Es wird auch von der Innenstadt aus zu sehen sein.

S-Ost - Die Freie Waldorfschule Uhlandshöhe macht sich fit für die Zukunft. Dafür will der Waldorfschulverein (Verein für Freies Schulwesen) rund 17 Millionen Euro investieren und das weitläufige Schulgelände zwischen Haußmannstraße und Uhlandshöhe zum Teil umgestalten. Unter anderem ist geplant, das bestehende Verwaltungsgebäude Haußmannstraße 44 durch einen Neubau zu ersetzen. Die Pläne für das neue, auch vom Kessel der Stuttgarter Innenstadt sichtbare Gebäude stammen vom Büro Behnisch Architekten mit Sitz im Stuttgarter Westen.

Die Verwaltung ist schon in Container umgezogen

Wer dieser Tage auf der Haußmann­straße an dem Areal mit den vielen anthroposophischen Einrichtungen unterhalb der Uhlandshöhe vorbei spaziert, muss schon ganz genau hinschauen, wenn die ersten Vorbereitungen für die bevorstehenden Bauarbeiten entdecken will. So steht auf dem von der Straße aus nur zum Teil einsehbaren Gelände inzwischen eine ganze Reihe von Containern. Sie bilden die Interimsarbeitsplätze unter anderem für die Verwaltung der Schule. Die Verwaltungsmitarbeiter waren bisher im Gebäude Haußmannstraße 44 untergebracht, dort gab es auch Wohnungen für Lehrer. Das Gebäude ist inzwischen weitgehend geräumt. Mit dem Abriss soll nach jetzigem Stand voraussichtlich Ende März oder Anfang April begonnen werden. Mit dem Haus an der Haußmann­straße 44 verliert die Schule ein Stück ihrer Geschichte. An dieser Stelle stand einst das Café Uhlandshöhe mit seinem weithin sichtbaren spitzen Türmchen. Dort gründeten der damalige Besitzer der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik, Emil Molt, und Rudolf Steiner die erste Waldorfschule der Welt. Von dem ursprünglichen Gebäude ist nicht viel übrig geblieben, lediglich der Turmansatz ist heute noch erkennbar.

Eine „Villa mit Anbau“

Der Waldorfschulverein beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit dem Thema, wie die Schulräume auf dem Gelände den heute erforderlichen Standards angepasst und die Schule insgesamt für die Zukunft fit gemacht werden kann. „Machbarkeitsstudien ergaben 2014 einen dringlichen Raumbedarf für den Oberstufenneubau, der Schülern Klassenzimmer, neue dem aktuellsten Stand der Technik entsprechende Fachräume für Naturwissenschaften und Kunst, einen Eurythmie- und einen neuen Speisesaal anbietet“, heißt es in der Projektbeschreibung von Behnisch Architekten. „Der Oberstufenneubau fügt sich durch das Gestaltungskonzept einer ,Villa mit Anbau‘ in die Nachbarschaft mit freistehenden Einzelgebäuen ein und interpretiert die anthroposophische Architektur des Schulgeländes zeitgemäß. Zur Haußmannstraße hin tritt der Neubau als monolithische ‚Villa‘ in Erscheinung, zum Schulgelände hin als horizontal gelagerter ,Anbau‘, während das transparente Atrium dazwischen beide Bereiche verbindet und als ,vertikaler Pausenhof‘ den Außenraum im Gebäude fortführt.“

Der Neubau soll zum Jubiläum 2019 fertig sein

Um das Bauvorhaben verwirklichen zu können, musste der Bebauungsplan für das gesamte Areal geändert werden. Zum einen passten die im alten Plan vorgesehenen Baufenster und das Neubauvorhaben nicht zusammen, zum anderen sollten im alten Plan nicht erfasste, aber bestehende Gebäude rechtlich abgesichert werden. Im Zuge des Bebauungsplanverfahrens verzichtete der Schulverein auf bisher vorgesehene Baumöglichkeiten im Hangbereich des Geländes. So konnten auch die Vorgaben des Rahmenplans Halbhöhenlage eingehalten werden.

Für den Neubau müssen vier Bäume gefällt werden. Dafür müssen im Geltungsbereich des Bebauungsplans insgesamt zwölf Bäume neu gepflanzt werden. Insgesamt wird durch die Planänderung zu einer „Verbesserung der klimatischen und lufthygienischen Verhältnisse“ beigetragen, heißt es in der Begründung zum neuen Bebauungsplan. Im Bezirksbeirat Stuttgart-Ost wurden die Pläne einstimmig unterstützt. Der Baustellenverkehr muss während der Bauphase vollständig über die Haußmannstraße abgewickelt werden, eine andere Möglichkeit gibt es dort nicht. Der Neubau soll rechtzeitig zum 100-jährigen Bestehen der Schule im Jahr 2019 fertig werden.

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