Noch ist es Brachland: An der Fuchshofstraße werden Wohnungen gebaut. Foto: Werner Kuhnle

Weniger Tiefgaragen, mehr Grün: Die Stadt Ludwigsburg will im Neubaugebiet in der Oststadt neue Wege gehen. Dafür muss sie einiges an Überzeugungsarbeit leisten.

Ludwigsburg - Eine Siedlung, in der nicht jeder Bewohner mindestens einen Stellplatz für sein Auto hat? Zumindest im Großraum Stuttgart klingt das unerhört. Im Fuchshof könnte es aber in wenigen Jahren Wirklichkeit werden. Ein Team von Stadtplanern hat ein ambitioniertes Konzept für das acht Hektar große künftige Wohngebiet samt Sportpark entwickelt, womit Ludwigsburg die Verkehrswende voranbringen könnte, wie Bürgermeisterin Gabriele Nießen meint. Jetzt müssen die Verantwortlichen dafür Überzeugungsarbeit leisten – bei Sportvereinen, Anwohnern und Stadträten.

„Ich bin kein Dogmatiker“, sagt Oberbürgermeister Matthias Knecht. „Wir wollen den Bürgern nichts verordnen, das Modell muss passen.“ Es gehe nicht darum, das Auto zu ächten, sondern Lösungen zu finden, die allen gerecht werden. Unerlässlich dafür seien ein Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sowie bequeme Systeme für Leihautos und Leihräder.

„Ich würde ein solches Konzept niemals in einem eher peripheren Wohngebiet wie dem Gämsenberg anbieten“, sagt Nießen. „Aber beim Entwicklungsgebiet Fuchshof handelt es sich um ein innenstadtnahes Areal.“ Als die Stadt Bietigheim-Bissingen vor einem Jahr Pläne für das 8,5 Hektar große Gelände Bahnbogen, das ehemalige Firmenareal der DLW, vorstellte, sprachen die Architekten vom „Stadtmenschen von morgen“, bei dem die Anschaffung eines eigenen Wagens nicht mehr der Regelfall sein werde. Auch hier sollen deutlich weniger Stellplätze und kaum Tiefgaragen gebaut werden.

Wohnung ohne Garage

Dieser Mensch sei keineswegs eine Projektion in die Zukunft, widersprechen Bürgermeisterin Nießen und Stadtplaner Martin Kurt: „Es gibt diese Menschen schon jetzt, und es gibt diese Nachfrage.“ Denn der Verzicht auf eine Tiefgarage unter jedem Wohnhaus biete zwei große Vorteile: Zum einen werden die Baukosten deutlich abgesenkt, zum anderen bleibe viel mehr Fläche für Grün übrig. „Das ist nicht nur für die Wohnatmosphäre, sondern auch fürs Stadtklima gut“, sagt Sophie Hufnagl vom Projektteam.

Kernstück dafür ist eine grüne Spange, die das künftige Wohngebiet auch sichtbar in zwei Abschnitte teilt. Nur im zweiten Abschnitt sollen ein paar Gebäude Tiefgaragen erhalten, die Bewohner der übrigen Häuser müssen ihre Autos in einem Parkhaus unterstellen, das auf der gegenüberliegenden Seite der Fuchshofstraße gebaut wird. „Damit ergibt sich hier ein Stellplatzschlüssel von 0,8“, sagt Projektleiter Avni Veselaj. Im Abschnitt eins wird dagegen ganz ohne Tiefgaragen geplant. Wer hier wohnt, soll sein Fahrzeug in einer von zwei Quartiergaragen abstellen können. Der Stellplatzschlüssel beträgt hier 0,6.

Sportvereine im Blick

„Wir haben nicht nur die künftigen Bewohner, sondern auch die Sportler im Blick“, sagt Knecht. Als ehemaliger Vorsitzender des MTV und des Stadtverbandes Sport kenne er die Skepsis der Vereine. Er lege Wert darauf, dass im Parkkonzept Puffer eingebaut werden, um im Konfliktfall nachjustieren zu können: Etwa indem man das Parken in einer Seitenstraße beim Hockeyclub gestatte. Die Fuchshofstraße solle gewiss autofrei werden.

„Wir bauen in Etappen“, sagt Kurt. Darum werden ausreichend viele Stellplätze vorhanden sein, wenn das Gebiet komplett aufgesiedelt sein wird. Mancher Sportplatzbesucher müsse sich jedoch neu orientieren: „Es werden bis zu 100 Plätze mehr, aber viele werden woanders sein.“ Die Stellplätze wandern weg vom der Fuchshof- zur Bebenhäuser Straße.

Einen Zeitrahmen für erste Bauvorhaben gibt es bereits: So soll die neue Grundschule bis 2022 und die Sporthalle Ost bis 2024 fertig sein. „Bis 2022 könnte auch der Bebauungsplan für das Wohngebiet eins fertig sein“, sagt Kurt. Die ersten Wohnhäuser könnten in diesem Fall schon 2024 bezugsfertig sein.

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