In den Leonberger Altstadtkellern ist es kühl und interessant. Foto: factum

Einen Einblick in die Denkmalpflege und den Denkmalschutz hat am Sonntag der Tag des offenen Denkmals gegeben – auch rund um Leonberg. Das Angebot, das es bundesweit gibt, verbindet die Moderne mit der Tradition.

Leonberg/Renningen/Weil der Stadt – Einen Einblick in die Denkmalpflege und den Denkmalschutz hat gestern der Tag des offenen Denkmals gegeben – auch rund um Leonberg. Das Angebot, das es bundesweit gibt, verbindet die Moderne mit der Tradition. Viele Besucher nutzten das schöne Wetter zu einem Ausflug in die lokale Vergangenheit. Unsere Zeitung führt auf einen Rundgang durch einige Denkmale.

Leonberger Altstadtkeller
Die Lokalhistorikerin Roswitha Brand öffnet die Türe. Aus dem niederen Treppenabgang weht kühle Luft. Nach fünf Stufen mündet der seitliche Kellereingang in eine große Treppe. Sie führt hinab in den Leonberger Untergrund. Die Stufen sind erstaunlich hoch. „So konnte man den Treppenabgang als Rampe benutzen“, erklärt Brand. Hier unten wurden neben Rüben, Bohnen und Sauerkraut auch das Brot gelagert. „Einmal im Monat durfte jede Familie backen“, berichtet die Historikerin. Von der Decke des Gewölbekellers hängt parallel zum unebenen Naturboden eine Wagenleiter. Darauf wurden die Brotlaibe gelegt.

„Diese Konstruktion nennt man Hangetse. Sie diente dazu, dass die Mäuse nicht an die Vorräte kamen“, erläutert Brand weiter. Die komplette Leonberger Altstadt war mit Kellern verbunden. Sie führten unter die Stadtkirche und dann bis zum Untertor der Stadt. Und auch der Wein lagerte in den Kellern. „Immer wieder kam die Kellerhexe, zapfte das Getränk an und verdünnte es anschließend mit Wasser“, sagt Roswitha Brand und lacht. Doch das sei nur eine Sage, weil man ohne Licht im Untergrund fast nichts sieht, so die Historikerin weiter. Zur Verdeutlichung löscht sie das Licht. Die Farben verschwinden und lassen nur graue Schemen zurück.

Die komplette Leonberger Altstadt mit Kellern verbunden

Eltinger Lahrensmühle
Bereits zum zwölften Mal öffnet der Besitzer Thomas Lautenschlager anlässlich des Tags des offenen Denkmals die alte Mühle. Eine Fotoausstellung stellt die Geschichte von Leonberg und Eltingen in den Fokus und zeigte verschiedenen Aufnahmen der Baustellen rund um die Stadt.

Die Bilder aus dem Landesarchiv verdeutlichen den technischen Hintergrund und Aufwand. „Der alte Engelbergtunnel wurde nicht mit Maschinen gebaut, sondern ausschließlich in Handarbeit. Dafür kamen extra Bergleute aus Österreich“, erklärt Thomas Haeberle, der die Ausstellung zusammen mit Walter Hartmann realisiert hat. Das Bild hinter Haeberle zeigt, wie junge Männer mit Hacke und Schaufel an dem Gestein arbeiten. Für die persönliche Note sorgten die Aufnahmen von Walter Hartmann. Seit mehreren Jahren sammelt er alte Privatfotos. „Wenn man sich dann selbst oder Bekannte auf einem Foto erkennt, dann ist das ein wunderschönes Gefühl“, beschreibt Hartmann die Anziehungskraft seiner Bilder auf die Besucher.

Weiler Klösterle war 2006 einsturzgefährdet

Das Weiler Klösterle
2006 war das ehemalige Kapuzinerkloster noch stark einsturzgefährdet. Der Förderverein Klösterle, Stadt und Land retteten es mittels einer aufwendigen Sanierung. Gestern konnten interessierte Besucher, das „neue alte“ Denkmal öffentlich besichtigen. Vom Kirchenschiff aus geht es über ein modernes Treppenhaus in das Obergeschoss. In einem kleinen Raum steht eine Figur mit einer Mönchskutte. „Nur so groß waren die Zellen“, erklärt Manfred Bürklen, der erste Vorsitzende des Fördervereins. Dann geht es in das Krankenzimmer. An der Wand steht ein Bett aus dunklem Holz. „Im Kloster ließen sich nur zwei Räume beheizen: der Speiseraum und das Krankenzimmer“, sagt Bürklen. Durch ein kleines Fenster sieht man hinab auf den Altar. „So konnte man den Gottesdienst von hier oben mitverfolgen“, ergänzt der 75-jährige Weil der Städter. 2,3 Millionen Euro kostete die Sanierung bisher, doch der Förderverein träumt davon, irgendwann einmal das ganze Areal des ehemaligen Klosters nutzen zu können. „Doch im Moment beschäftigt uns die Bürgermeistersituation“, sagt Bürklen. „Wir sind natürlich auf die Unterstützung der Stadt angewiesen.“ Sehr zufrieden blickt er auf den Tag zurück. „Uns geht es darum, Geschichte weiterzugeben“, erklärt er und freut sich ganz besonders auch über die interessierten Fragen der Kinder.

Friolzheimer Zehntscheune
Auch die altehrwürdige Zehntscheune in Friolzheim öffnete ihr Tor zum Tag des offenen Denkmals – und zwar zum ersten Mal. In den vergangen Jahren wurde das Gebäude zum Veranstaltungs- und Bürgerzentrum umgebaut.

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