Marco Heinz begleitet eine Bewohnerin des Kursana-Domizils. Foto: Malte Klein

Marco Heinz, Altenpfleger im Kursana-Domizil in Echterdingen, schreibt ein Buch über die Geschichten alter Menschen. Immer wieder hört er zu, was sie zu erzählen haben.

Echterdingen - Für Marco Heinz ist sein Beruf eine Berufung. Er geht gerne mit alten Menschen um und lernt von ihnen. „Jeder bereichert einen“, sagt der 43-jährige Altenpfleger. Ihm erzählen die Menschen im Kursana-Domizil in Echterdingen ihre Geschichte. Über diese Gespräche hat er ein Buchmanuskript mit dem Arbeitstitel „Bleibende Gedanken“ geschrieben. „Ich wollte aus dem Leben der Bewohner etwas festhalten. Alles ist so vergänglich“, erklärt er. Ein Buch über Senioren hat er schon veröffentlicht. Der Sozialdienst des Hauses half ihm bei der Auswahl der 20 Interviewpartner.

Heinz erzählt von den Gesprächen: Ein Mann habe im Krieg in Frankreich den Roman „Lichtenstein“ von Wilhelm Hauff gefunden und gelesen. Wieder zurück in Deutschland, sei er mit dem Fahrrad von Stuttgart zum Schloss Lichtenstein am Albtrauf gefahren. „Was es für ihn bedeutet haben muss, die Alb zu erreichen, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.“

In einem Gespräch mit einer Frau aus dem Altenheim hat er etwas über ihre Flucht erfahren. Sie stammte aus Österreich, lebte aber zur Kriegszeit in Rumänien. „Sie hat von der Flucht erzählt, wie die Bomben fielen, sie von den Eltern getrennt wurde und ihr Großvater starb.“ Diese Bewohnerin machte auf Heinz trotz dieser Erlebnisse einen gelassenen Eindruck. „Auch wenn das alles schlimm war, dankt sie ihrem Schutzengel und sagt sich, dass sie es eigentlich in ihrem Leben gut hatte“, berichtet er. „Ich habe durch das Schreiben gelernt, was jemand überstehen kann und trotzdem noch fröhlich ist.“

Heinz lässt die Bewohner erzählen

Er möchte, dass diese Geschichten erhalten bleiben. „Wir können darauf nicht verzichten.“ Ihm sei aufgefallen, dass diese Menschen wenig hatten und damit glücklich waren. Er setze sich immer wieder mit den Bewohnern zusammen und lasse sie ihr Leben erzählen. Das Manuskript ist abgeschlossen. Zu haben ist es noch nicht. Das soll sich aber bald ändern. „Wir überlegen noch, in welcher Form wir es herausgeben.“

Schon früh hatte Heinz Kontakt zu alten Menschen. „Ich habe ein soziales Jahr in einem kirchlichen Pflegeheim abgeleistet. Doch der Umgang der Nonnen mit den Bewohnern hat mich abgeschreckt.“ Er lernte Einzelhandelskaufmann und arbeitete in einem Supermarkt in Echterdingen. Der anschließende Zivildienst brachte ihn wieder mit Hilfsbedürftigen in Kontakt. Er leistete die Zeit in einem Wohnheim für Behinderte. „Wäre jemand gestorben, wäre mir das sehr nahe gegangen. Ich dachte, dass ich mit der Vergänglichkeit des Alters besser umgehen kann.“ Also machte er eine Lehre als Altenpfleger und arbeitet seit 20 Jahren in dem Beruf.

Vor drei Jahren wechselte er dann ins Kursana-Domizil. 20 Personen leben in der Demenzabteilung. „Demente haben Erinnerungslücken. Doch die Kindheit und Jugend vergessen sie zuletzt.“ Heinz erklärt, was mit den Dementen passiert: „Wer morgens aufsteht, absolviert eine Kette von Tätigkeiten. Bei diesen Menschen ist diese durchbrochen.“ Manche seien der Meinung, sie seien Kinder und müssten nach Hause. „Wir reden dann darüber, wie ihre Mutter war und lenken sie ab.“ Er und seine Kollegen binden die Menschen in die tägliche Arbeit mit ein. „Wenn die Ressourcen mobilisiert werden, geht der Abbau langsamer“, weiß Heinz, der eine Zusatzausbildung als gerontopsychiatrische Fachkraft absolviert hat. Die Gefühle seien noch klar. „Sie merken, ob man sie mag. Das haben sie schnell raus.“

In seiner Freizeit wandert Heinz viel. „Ich mag die Müdigkeit nach einer langen Wanderung.“ Pro Tag gehe er bis zu 50 Kilometer. „Ich bin bei einem Orkan durch Belgien gegangen. Ich mag dieses Naturerlebnis.“ Auch darüber schreibt er.

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