So sehen getrocknete Goji-Beeren aus. Foto: /dpa/Uwe Anspach

Die Bewohner des Hauses Albblick in Filderstadt können nun Goji-Beeren ernten. Doch was kann das Superfood? Und was soll die Superbeere den alten Menschen bringen?

Harthausen - Mit einem Spaten sticht Klaus Umbach in die Erde. Der Bio-Gärtner hat sieben Goji-Sträucher im Gepäck. Diese pflanzt er im Garten des Hauses Albblick. Die Senioren, die in dem Pflegeheim wohnen, werden im kommenden Sommer die Früchte ernten können und können dann ausprobieren, ob die orange-roten Superbeeren tatsächlich so eine vielversprechende Wirkung haben, wie ihnen nachgesagt wird.

Die Pflegedienstleiterin Birgit Schweizer ist gespannt auf das Ergebnis: „Die Beeren sind in aller Munde, und man hört, dass sie für Jung und Alt gesund sind.“ Deshalb wird die Goji-Beere auch als Superfood bezeichnet. Den Superlebensmitteln, zu denen auch Chia-Samen oder Quinoa zählen, wird nachgesagt, besonders nährstoffreich zu sein und dadurch Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern.

Dem Gärtner geht es um die Heilwirkung

Die ursprünglich aus China stammende Goji-Beere strotzt zum Beispiel vor Vitamin C. Die Verbraucherzentrale sagt aber: Auch heimische Alternativenkönnten mit der exotischen Variante mithalten, etwa schwarze Johannisbeeren. Dem stimmt Gärtner Umbach zu: „Wir haben in unserer Ernährung genügend Vitamin C, dafür brauche ich nicht unbedingt die Goji-Beere.“ Er schwört aus anderen Gründen darauf: „Mir geht es um die Heilwirkung und nicht nur um die Vitamine.“

Die chinesische Medizin schätzt die Beere schon lange, sagt Umbach: „Die Goji-Beere wirkt auf die Niere, und die reinigt das Blut.“ Und diese Wirkung konnte er am eigenen Leib spüren. Jeden Tag isst er eine Handvoll der Früchte. Vor drei Jahren kam der Anruf, dass er nun auch für Neugeborene Blut spenden dürfe. In Kontakt mit der Goji-Beere kam Umbach, als seine Tochter während der Pubertät an Depressionen litt. Auf der Suche nach Hilfe stieß Umbach auf die Glücksbeere. Er beschloss, seinen Betrieb auf Bio umzustellen und neben Topfpflanzen Goji-Beeren zu kultivieren.

Der Umsatz mit Superfood stieg exponentiell

Klaus Umbach ist auch deshalb extra aus Heilbronn angereist, um aufzuklären: Nicht nur darüber, wie gesund die Beere wirklich ist, sondern auch darüber, woran man Qualität erkennt. Denn seitdem die Goji-Beere als Superfood in aller Munde ist, wird der Markt mit Produkten unterschiedlicher Qualität geschwemmt.

Lag der Umsatz mit Superfood in Deutschland 2014 noch bei rund 1,5 Millionen Euro, so stieg er 2016 auf 42,6 Millionen Euro an, so das Datenanalyse-Unternehmen Nielsen. Und dieser Bedarf muss gedeckt werden, größtenteils mit getrockneten Früchten, die aus China eingeschifft werden. Neben langen Transportwegen gibt es ein weiteres Problem: Die konventionell angebauten Goji-Beeren sind oft mit Pflanzenschutzrückständen belastet. Das zeigt zum Beispiel eine Untersuchung vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart.

Es gibt diverse Sorten – bittere und süße

Gärtner Umbach will durch Regionalität und Bio-Anbau dagegenwirken. Hierfür musste er erst einmal die richtige Sorte entdecken. „Dass alles Goji ist, ist genauso falsch, wie wenn man sagt, das alles Tomate ist.“ Viele Sträucher, die man im Baumarkt für ein paar Euro erwerben kann, hätten nur wenig mit dem Nachtschattengewächs gemein, das er als Goji bezeichnet. Viel mehr werde hier oft der Gemeine Bocksdorn mit Goji gleichgesetzt. Das sei die wilde Form. Die wuchere nicht nur alles zu, die Früchte schmecken zudem anders: „Eigentlich ist die Goji-Beere süß, die wilde Form ist bitter,“ so Umbach.

Die Bewohner des Hauses Albblick kosteten die Früchte in getrockneter Form. Im nächsten Jahr werden die Beeren von den Bewohnern gepflückt und verarbeitet, sagt Schweizer: „Wir werden dann schauen, was für Rezepte das Internet hergibt.“

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