Die Unterführung am Bahnhof ist oft völlig überfüllt. Foto: factum//Simon Granville

Eigentlich waren die Planungen schon weit fortgeschritten, dann wurden sie aber auf die lange Bank geschoben. Nun fordert der Ludwigsburger Gemeinderat erneut einen zweiten Tunnel für Radler und Fußgänger.

Ludwigsburg - Die Chancen auf den Bau einer zweiten Unterführung am Ludwigsburger Bahnhof sind überraschend wieder gestiegen. Die Gemeinderatsfraktionen von Grünen, CDU, SPD, FDP und Linken haben die Stadtverwaltung aufgefordert, in den Haushalten für die kommenden beiden Jahre 400 000 Euro für die Planung eines Tunnels für Fuß- und Radfahrer bereitzustellen. „Gerade die Auflagen zur Pandemiebekämpfung machen deutlich, dass ein Zugang zu den Gleisanlagen am Bahnhof nicht mehr zeitgemäß ist und keinerlei Abstandsregelungen zulässt“, heißt es in dem Antrag.

Tatsächlich ist der Tunnel, der vom Bahnhofsgebäude zu den Gleisen führt, zu Stoßzeiten hoffnungslos überlastet. Schon lange vor der Corona-Pandemie war dies ein stetes Ärgernis. Die Idee, das Problem mit Hilfe einer zweiten Unterführung zu den Gleisen – zwischen dem Busbahnhof und dem alten Nestle-Areal – zu lösen, stammen noch aus der Zeit von Ex-Oberbürgermeister Werner Spec, und sie war konkret: 2022 sollten die Bauarbeiten beginnen, 2024 alles fertig sein. 18 Millionen Euro sollte das Projekt kosten.

Der Oberbürgermeister bleibt skeptisch

Unter dem neuen OB Matthias Knecht und wegen der angeschlagenen Finanzen wurde das Vorhaben dann aber in der Prioritätenliste nach hinten verschoben. Jetzt wollen die Fraktionen wieder Tempo in die Sache bringen. Ein Grund dafür ist, dass Bund und Land neue und attraktivere Förderrichtlinien für klimafreundliche Verkehrsinfrastrukturprojekte erlassen haben. Diese Chance müsse man nutzen, heißt es in dem Antrag.

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Knecht indes bleibt bei seiner Skepsis. „Ich halte die zweite Unterführung ebenfalls für sehr wichtig“, sagt er. Aber die Stadt müsse abwägen. „Und bevor wir jetzt zwei Kitas weniger bauen, sollten wir überlegen, ob wir das ein oder andere Vorhaben erst später anpacken.“ Das gelte für viele Projekte, so etwa auch die zentrale Innenstadtentwicklung, also die Umgestaltung von Arsenal- und Schillerplatz. Obwohl von enormer Bedeutung für Ludwigsburg, könne Ludwigsburg dieses Vorhaben nicht sofort stemmen.

Wie viel Fördergelder gibt es?

Daran, dass die Bahnhofsunterführung weitgehend mit Fördermitteln finanziert werden könne, glaubt Knecht nicht. Die Ausschüttung dieses Geldes sei daran geknüpft, dass die geförderten Projekte nachhaltige Mobilitätsformen voranbringen, etwa den Radverkehr. „Das ist an dieser Stelle an Faktor, der nicht leicht zu erfüllen sein wird“, sagt er. Noch existiere nicht einmal ein Konzept für einen Radweg, der am Busbahnhof vorbei bis in die geplante Unterführung reiche. Dafür, wie auch für den Tunnel unter den Gleisen, werde wegen der engen und komplizierten Platzverhältnisse am Bahnhof ein „planerisches Meisterstück“ nötig sein.

Das letzte Wort hat allerdings nicht der Oberbürgermeister, sondern der Gemeinderat, der voraussichtlich an diesem Dienstag über den Antrag abstimmen wird. Da mit Ausnahme der Freien Wähler alle Fraktionen das Papier unterschrieben haben, rückt die Realisierung der Unterführung in der Prioritätenliste wohl bald wieder weit nach oben – wenn nicht erneut etwas Überraschendes geschieht.

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