Die Neo-Volksmusik-Gruppe Alma war zu Gast bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen Foto: Alma / Brunnenweit

An diesem Freitag gastiert die Neo-Volksmusik-Gruppe Alma um Violinistin Julia Lacherstorfer bei den Schlossfestspielen in Ludwigsburg. Lacherstorfer ist der Ansicht: Volksmusik ist zu Unrecht verpönt.

Ludwigsburg – - Frau Lacherstorfer, ist Volksmusik zu Unrecht verpönt?
Ja – aber es ist auch verständlich. Es gab lange Zeit nicht viele Interpretationen, die sie einem auf tiefgehende Art hätten näherbringen können. Nach den Nazis hatten viele eine Abscheu, und dann standen Unterhaltung und Kommerzialisierung im Vordergrund.
Was hat Sie daran fasziniert?
Das war die erste Musik, mit der ich in Berührung gekommen bin. Das häusliche Musizieren hat mich einfach immer glücklich gemacht, das sind meine musikalischen Wurzeln. Als Kind setzt man sich ja nicht kritisch mit Dingen auseinander, das kam erst beim Musikstudium, auch weil die Leute immer wieder dieselben Fragen dazu stellen.
Sie haben klassische Violine studiert – mussten Sie danach zur Volksmusik erst wieder zurückfinden?
Nein, denn das hat für mich nie aufgehört, ich habe immer am liebsten Volksmusik ­gespielt. Ich mag dieses ungezwungene ­Musizieren ohne Noten, und ich hatte vor der Uni nie über mein Geigenspiel nachgedacht. Wir haben als Kinder auch nie Wettbewerbe gespielt, unsere Eltern wollten, dass die ­Musik uns Spaß macht. Das klassische Studium war insofern schwierig für mich, als ich es nicht gewohnt war, so stark bewertet zu werden, ein bestimmtes Niveau erreichen und einem gewissen Bild entsprechen zu müssen. Darum habe ich dann noch Jazz studiert, bei dem es mehr um den eigenen Ausdruck geht, die eigene innere Stimme.
War es in Wien schwer, musikalisch Gleichgesinnte zu finden?
Im Gegenteil, als ich mit 18 dorthin kam, ­habe ich viele in meinem Alter getroffen, die auch so eine Tradition erlebt haben. Da hat sich sehr schnell eine relativ große und lustige Szene ergeben mit Volksmusikstamm­tischen, Bands, Konzertmöglichkeiten.
Wie sind Sie auf den Bandnamen gekommen?
Alma war immer mein Lieblingsmädchenname. Es kann aber noch dauern, bis ich ein Kind habe, und nachher wird es vielleicht kein Mädchen. Für die Band hat die Verbindung des spanischen Wortes für Seele mit Alm einfach super gepasst.
Wie weit darf man einen munteren „Zillertaler Walzer“ neu interpretieren – und wie passt dazu ein orientalisches „Bazarrah“?
Wir wollen Volksmusik nicht brechen, wir spielen nur, was uns wirklich gefällt. Wenn wir andere Klang- und Gefühlswelten vermitteln wollen, gibt es andere Wege. Unsere gemeinsame Wurzel ist die alpenländische Volksmusik, aber wir fünf machen die ­verschiedensten Sachen. In unseren Eigenkompositionen setzen wir uns keine Grenzen.
In „Bächlein helle“ klingt die gezupfte Violine fast wie ein Banjo.
Da versuchen wir, den glucksenden Bach nachzuempfinden. Wir lassen uns von Volksmusik aus aller Welt inspirieren. Wir waren schon in Peru, die Musik dort hat uns sehr beeindruckt. Aber wir integrieren nicht wild durcheinander, sondern versuchen, schöne Aspekte ­natürlich einfließen zu lassen.
Auch das Jodeln?
Das kommt automatisch, es ist in vielen Volksliedern einfach drin. Bewusst auseinandergesetzt habe ich mich damit auch erst in Wien, als eine Jodelgruppe eine Leitung gesucht hat. Ich habe die übernommen und viel dabei gelernt. Das boomt unglaublich.
Was ist „Im Regents Park um 12 Uhr“ passiert? Der Musik nach etwas Dramatisches.
Das ist ein Sinnbild, die Melodie fächert sich auf wie eine Gesellschaft. Wir erleben ja ­gerade mit den Flüchtlingen, wie Leute anderen Angst machen wollen, wenn dann nachgeplappert wird, die würden uns alles wegnehmen und dergleichen. Das Stück ist ein Gegenentwurf zu solchem Blödsinn.
Alma spielen an diesem Freitag um 20 Uhr im Scala in Ludwigsburg. Zur Person: Julia Lacherstorfer

1985 wird sie im oberösterreichischen Bad Hall in eine musikalische Familie hineingeboren.

2003 geht sie nach Wien und studiert Musikpädagogik, danach in Linz improvisierte Musik. Mit ihrer Schwester Marlene gründet sie das Quintett Alma, dessen Debütalbum 2013 erscheint.

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