Pia Kästner von Allianz MTV Stuttgart fehlt in den kommenden Wochen verletzt. Foto: Baumann

Hätte Pia Kästner bei der Nationalmannschaft besser umsorgt werden müssen? Darüber streiten die Verantwortlichen von Allianz MTV Stuttgart und vom Deutschen Volleyball-Verband – der Ton wird rauer.

Stuttgart - Es kommt ja öfter vor, dass Krankheiten oder Verletzungen unterschiedlich beurteilt werden – je nachdem, wer sich gerade damit befasst. Im Fall der Volleyballerin Pia Kästner ist die Diagnose unstrittig, die Zuspielerin von Meister Allianz MTV Stuttgart leidet unter Osteochondrose, einer Verschleißerkrankung der Wirbelsäule, die sie zu einer zumindest vierwöchigen Pause zwingt. Über alles andere gibt es einen Streit zwischen ihrem Verein und den Verantwortlichen des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV).

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Kästner hat den Sommer 2019 beim Nationalteam verbracht, unter anderem bei der Nations League und der Europameisterschaft. Laut Kim Renkema trainierte und spielte sie dort zwei Monate lang mit Rückenschmerzen, weshalb die MTV-Sportdirektorin („Wir haben sie kaputt zurückbekommen“) harte Kritik übte. Sie äußerte ihr Unverständnis, dass kein MRT vorgenommen worden ist, um zu ermitteln, woher die Schmerzen kommen – das passierte erst nach ihrer Rückkehr nach Stuttgart. Zudem missfiel Renkema, dass der MTV nicht informiert wurde: „Das geht so einfach nicht.“

Gegenrede vom Verband

Die Vorwürfe von Renkema verwundern wiederum den Verband. „Inhaltlich sind wir damit nicht einverstanden“, sagt DVV-Sportdirektor Christian Dünnes, „ich kann nicht nachvollziehen, warum die Nationalmannschaft für die Situation verantwortlich sein soll.“ Der Verband ist sich keiner Schuld bewusst, und das aus mehreren Gründen. Es habe sich um keine akute Verletzung gehandelt, und es habe auch keine Symptome wie ausstrahlende oder lang anhaltende Schmerzen gegeben, die ein MRT erforderlich gemacht hätten. „Es ist nicht richtig, dass Pia Kästner monatelang unter Schmerzen trainiert und gespielt hat“, sagt Dünnes, „dieser Vorwurf an die Teamverantwortlichen und den medizinischen Staff ist völlig ungerechtfertigt. Für uns ist das Wohl der Spielerinnen das oberste Gebot.“

Keine Verletzung, keine Mitteilung

Und auch die Kritik, die Macher des Meisters Allianz MTV Stuttgart nicht informiert zu haben, hält Dünnes für ungerechtfertigt: „Kommuniziert worden wäre im Verletzungsfall. Doch diesen Fall gab es nicht – und auch keine Hinweise darauf.“

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Das wiederum sieht Kim Renkema komplett anders. Die MTV-Sportdirektorin ist sich weiterhin sicher, dass Kästner zwei Monate unter Rückenbeschwerden litt, die Verantwortlichen des Nationalteams dies gewusst und nicht richtig darauf reagiert hätten: „Pia wurde zwar ein Sondertrainingsprogramm verordnet, aber kein MRT. Mir missfällt, wie bei der Nationalmannschaft mit der Verletzung umgegangen wurde. Das war nicht verantwortungsvoll.“

In unserer Bildergalerie: der Kader von Allianz MTV Stuttgart – viel Spaß beim Durchklicken.

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