Ein Gläschen Wein nach der Arbeit, ein Feierabendbier zur Entspannung, ein paar Schluck zu viel auf der Party: Ab wann wird Alkoholkonsum zur Sucht? Foto: picture alliance/dpa

Experten sind sich einig: Einen risikofreien Alkoholkonsum gibt es nicht. Alkoholismus ist eine schwere Krankheit. Woran kann man Alkoholabhängigkeit erkennen? Welche Symptome treten auf? Wie ist die Diagnose? Wann muss man handeln? Ein Selbsttest der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt Aufschluss.

Stuttgart - Trinken Sie zu viel? Greifen Sie zu oft zur Flasche? Testen Sie Ihren persönlichen Alkoholkonsum. Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation, WHO) hat einen Selbsttest – den sogenannten Audit-Screen „Alcohol Use Disorders Identification Test“ – mit zehn Fragen entwickelt, um genau diese Fragen zu beantworten. Wenn Sie mehrere der folgenden Testfragen mit „Ja“ beantworten können, sollten Sie nachdenklich werden:

Hier geht zum WHO-Test mit den zehn englischen Originalfragen.

Hier finden Sie den WHO-Test in deutscher Übersetzung.

Zehn Fragen zum persönlichen Alkoholkonsum

1. Trinken Sie mehrmals pro Monat oder sogar pro Woche Alkohol?

2. Wie viel Alkohol trinken Sie typischerweise an einem Tag?

3. Trinken Sie fünf oder mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit?

4. Wie oft haben Sie in den letzten zwölf Monaten erlebt, dass Sie mit dem Trinken nicht mehr aufhören konnten?

5. Konnten Sie aufgrund Ihres Alkoholkonsums normale Erwartungen an Sie nicht mehr erfüllen?

6. Müssen Sie am Morgen nach einer durchzechten Nacht öfter Alkohol trinken, um sich wieder fit zu fühlen?

7. Hatten Sie während der letzten zwölf Monate öfters Schuldgefühle wegen Ihres Trinkverhaltens?

8. Können Sie sich während der letzten zwölf Monate nicht mehr an den vorangegangenen Abend erinnern, weil Sie zu viel getrunken haben?

9. Haben Sie schon mal sich oder jemand anderen im betrunkenen Zustand verletzt?

10. Hat Ihr Umfeld, ein Verwandter oder Freund, ein Arzt oder Therapeut wegen Ihres Alkoholkonsums schon mal Bedenken geäußert?

Vorsicht, Alkoholsucht!

Je mehr dieser zehn Punkte auf Sie zutreffen, desto eher sollten Sie Ihr Trinkverhalten hinsichtlich Alkohol überdenken und sich professionelle Hilfe bei einer Beratungsstelle, einem Facharzt oder Therapeuten holen.

Und das sagen Experten: Im Graubereich der Sucht

„Das Feierabendbier aus Gewohnheit ist schon im Graubereich der Alkoholsucht“, erklärt Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychiater. „Wenn man selbst glaubt, darauf nicht verzichten zu können, ist das schon eine psychische Abhängigkeit.“

Wie kommt man vom regelmäßigen Alkoholkonsumlos? Die Expertin rät, die liebgewonnene Gewohnheit nicht einfach wegfallen zu lassen, sondern sie durch andere Rituale zu ersetzen. „Vielleicht erziele ich die gleiche Wirkung ja auch mit zehn Minuten Yoga oder Spazierengehen, oder einfach mit einer Dusche.“

Alkohol hat immer Folgen

Weiter jeden Abend Bier zu trinken, ist aus zwei Gründen gefährlich: Erstens, weil auf die erste Stufe der Sucht oft die zweite folgt – zumindest bei Menschen mit entsprechender Veranlagung. „Da passiert es dann schnell, dass man die Dosis erhöhen muss, um noch die gleiche Wirkung zu erzielen“, unterstreicht Christa Roth-Sackenheim.

Zweitens ist Alkohol ein Gift, auch in kleinen Dosen – mit vielen negativen Folgen, die noch gar nicht alle erforscht sind. So leiden zum Beispiel die Hautbeschaffenheit, die Schlafqualität und der Stoffwechsel, erklärt die Expertin. Ohne Folgen bleibt das Trinken aber kaum. „Es gibt beim Alkohol leider kein ‚bis hierhin unbedenklich‘.“

Anzeichen einer Sucht

Neben langfristigen körperlichen Folgeschäden, gibt es auch direkte Anzeichen für eine Sucht. Ist kurzzeitig kein Alkohol verfügbar, treten beim Betroffenen Entzugserscheinungen auf, er zittert und reagiert gereizt auf Umwelteinflüsse.

Wer an Alkoholsucht erkrankt ist, hat außerdem weniger Appetit und magert entsprechend ab.

Soziale Isolation

Das einzige Ziel, das Menschen mit einer Sucht nach Alkohol verfolgen, ist das Trinken. Sie verlieren das Interesse an Mitmenschen und Hobbys. Um den Rauschzustand weiterhin konstant zu halten, brauchen sie zudem immer höhere Dosen.

Alkoholkranken selbst bleiben diese Alkoholismus-Symptome nicht gänzlich verborgen. Dennoch sind sie unfähig, ihren Konsum zu bremsen oder gar auf Alkohol zu verzichten.

Die Folgen dieser Isolation sind Probleme im familiären Umkreis, im Job oder innerhalb des Freundeskreises. Außerdem kommen Alkoholsüchtige häufig in Konflikt mit dem Gesetz, wenn sie zum Beispiel alkoholisiert fahren und so ihr Umfeld gefährden.

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