Alexander Gauland mit seiner Lieblingskrawatte. Foto: dpa

Donald Trump lässt sie tief und obszön hängen, Boris Johnson ebenfalls. Und Alexander Gauland trägt am liebsten eine Motivkrawatte und findet das wahrscheinlich auch noch tierisch witzig. Ein populistischer Irrtum.

Stuttgart - Gelbe Hündchen auf waldgrünem Grund . . . irgendwie süß, oder? Wüsste man es nicht besser, man könnte Alexander Gaulands Vorliebe für Motivkrawatten durchaus als Verkleidung des linken Frauenverstehers interpretieren. Dabei ist der 78-jährige gebürtige Chemnitzer Vorsitzender und Sprecher der Bundestagsfraktion der AfD, einer Partei also, die von Gleichstellungsbeauftragten, gesetzlichen Frauenquoten und geschlechtersensibler Pädagogik nachweislich äußerst wenig hält.

Phallisches Kleidungsstück

Nach den jüngsten Wahlerfolgen der AfD präsentierte Alexander Gauland bei diversen öffentlichen Auftritten wieder einmal seine Lieblingskrawatte, und zwar die mit den gelben Jagdhunden. Dann faselte er etwas davon, dass die AfD eine bürgerliche Partei wäre, was ja Kokolores ist, man muss sich ja nur seine Krawatte anschauen. Gekauft habe er sie, das gestand er einmal der FAZ, in den 80er Jahren bei einem England-Aufenthalt in Sussex, und zwar der Farben wegen. Damals war Gauland noch Mitglied der CDU, einer eigentlich bürgerlichen und krawattentreuen Partei. Und spätestens in den 80ern begann die schleichende Abkehr von der Krawatte, welche die Feministinnen als phallisches und daher männlichkeitsverherrlichendes Kleidungsstück verdammten. Auf die Krawattenscham reagierten die Designer mit pseudolustigen Motivbindern. Feministische Männer machten sich mit knuffigen Enten, Elefanten und Hunden über das eigene Geschlecht und dessen bürgerliche Konventionen lustig. Der Bürger wurde gewissermaßen entmannt, der Symbolkraft seiner Krawatte beraubt. Alexander Gauland ist, zumindest was seinen Krawattengeschmack angeht, ein echter – wie man in den 80ern sagte – Softie und Bürgerschreck.

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