Akuna Kyeremeh hat den günstigen Mittagstisch für alte und bedürftige Menschen gegründet. Foto:  

Sie kocht für einsame alte Menschen und unterstützt die Ärmsten in ihrer alten Heimat Ghana. Für diese sucht Akuna Kyeremeh außerdem medizinische Hilfsmittel.

Stuttgart - Der Bottich mit dem Kartoffelsalat hat die Größe einer Kinderbadewanne, und während Akuna ­Kyeremeh mehrere Bunde klein geschnittener Petersilie darunterhebt, sind ihre Gedanken in ihrer früheren Heimat ­Ghana. „Wo könnte ich nur einen Rollstuhl herbekommen?“, fragt sie. Sie will ihm einem Mann schenken, der wegen seiner Diabetes ein Bein und die Zehen am Fuß des anderen Beins verloren hat. Seit 20 Jahren vegetiert er so dahin, weil er niemand hat, der finanziell für ihn ­aufkommen kann. Auch die Arztrechnungen kann er nicht bezahlen. „Wenn du in Ghana alt oder krank bist und deine Kinder können dich nicht versorgen, hast du Pech gehabt“, sagt sie. Vor allem alte Frauen haben es schwer. „Viele betrachten sie als Hexen. Dann kommen nicht einmal mehr die Enkel zu Besuch.“

Viele alte Menschen sind einsam

Akuna Kyeremeh arbeitet in Möhringen als Alltagsbegleiterin im Pflegeheim St. Barbara. Seit ihre eigene Mutter vor fünf Jahren schwer krank wurde, hat sie erfahren, dass die Situation für alte Menschen hierzulande und in Ghana nicht einmal annähernd vergleichbar ist. „In Deutschland leben sie im Vergleich dazu im Luxus“, weiß sie. „Aber hier sind auch viele einsam und kommen gar nicht aus dem Haus.“ Das wollte sie ändern und schritt vor drei Jahren zur Tat: Die stets gut gelaunte Frau kocht seither jeden ersten Samstag im Monat im evangelischen Gemeindezentrum im Fasanenhof einen Mittagstisch für Alte und Bedürftige. Jeder kann dorthin kommen, denn neben dem Essen geht es ja vor allem um das Gespräch mit den anderen. „Wir wissen nie, wie viele kommen“, so Kyeremeh.

Rekordbesucherzahl beim ersten Mittagstisch

Die Brühe für gut 50 Portionen Maultaschen beginnt langsam zu sieden, und im Saal des Gemeindezentrums deckt das Team vom Projekt Günstiges Mittagessen die Tische. „Was Schwäbisches kommt immer gut an“, sagt die Mutter von sechs Kindern. „Hier können die Leute herkommen und ein bisschen den Alltag vergessen.“ Mit Unterstützung der Kreisdiakoniestelle Degerloch konnte sie ihre Idee vom preiswerten Mittagstisch für zwei Euro verwirklichen. Beim ersten Mal kamen auf Anhieb 70 Leute. „Es gab Putengeschnetzeltes“, erinnert sich Nima Mesbah, der von Beginn an zum Team gehört. Zusammen mit der Akuna Kyeremeh schnippelt und schneidet der Flüchtling aus dem Iran für den Mittagstisch Gemüse und Salate, rührt in den Töpfen und ist sozusagen zweiter Küchenchef. 13 Ehrenamtliche zählt das Team insgesamt.

Ein Lehrer verteilt die Spenden

„Mir geht das ans Herz, wenn ich mitkriege, dass es alten Menschen schlecht geht“, sagt Kyeremeh. Deshalb schickt sie immer wieder Geld nach Ghana an ihren zuverlässigen Gewährsmann, einen jungen Lehrer. Der verteilt es vor Ort, damit sich die alten Menschen Essen kaufen können. Nicht jeden Monat bleibt etwas übrig von ihrem ohnehin nicht üppigen Gehalt mit einer 70-Prozent-Stelle im Pflegeheim. Von der kleinen Witwenrente, die noch hinzukommt, könnte sie mit den drei Kindern, die noch bei ihr im Haushalt leben, nicht auskommen. Vor zwei Jahren ist ihr Ehemann nach jahrelanger Krankheit mit nur 58 Jahren verstorben. Drei Kinder stehen jetzt auf eigenen Füßen, die anderen gehen noch zur Schule oder studieren. Als ihr Mann schwer krank wurde und regelmäßig zur Dialyse musste, war sie gezwungen, sich eine feste Arbeit zu suchen. Vorher hatte sie mit Minijobs etwas zum Familieneinkommen beigetragen. Mit sechs Kindern war aber schon das ein Kraftakt gewesen.

Ein Rollstuhl ist unbezahlbar

Gerne würde sie den Alten in Ghana mehr helfen: „Manche haben nicht einmal eine Matratze und schlafen auf dem Boden“, erzählt sie. Vor allem aber medizinische Hilfsmittel wie den Rollstuhl für den Mann oder einen Rollator sind praktisch nicht zu bekommen, und die bedürftigen Menschen könnten den Preis ohnehin nicht bezahlen. Kyeremeh hat sich bereits nach günstigen Transportmöglichkeiten erkundigt und sucht schon lange nach dem gebrauchten Rollstuhl für den Mann. „Einen Neuen kann ich nicht bezahlen“, sagt sie und lässt nebenbei die Maultasche langsam in den Riesentopf mit der jetzt heißen Brühe gleiten. Die ersten Gäste trudeln langsam ein und Kyeremeh freut sich, dass sie ihnen auch an diesem Tag wieder eine kleine Freude machen kann.

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