China ist weltweit größter Emittent von Treighausgasen. Das Land investiert aber auch massiv in erneuerbare Energien (unser Foto zeigt Fotovoltaik- und Windkraftanlagen in der Region Ningxia Hui). Foto: AP

Die G20-Nationen müssten ihre Investitionen in erneuerbare Energien einer aktuellen Studie zufolge fast verdoppeln, um den Klimawandel zu begrenzen. Allein die Summe, die China in die Hand nehmen müsste, ist Schwindel erregend.

München - Trotz leichter Abschwächungen herrscht in Deutschland das weltweit immer noch beste Innovationsklima für erneuerbare Energien. Zu diesem Fazit kommt der Klima- und Energiemonitor, den der Münchner Versicherungsriese Allianz zusammen mit dem New Climate Institute (NCI) und Germanwatch jährlich erstellt. Auch hierzulande sei die Lücke zwischen den tatsächlichen Investitionen in Ökoenergien und dem, was nötig wäre, um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen, aber noch groß, betonte NCI-Experte Niklas Höhne. 8,5 Milliarden Dollar (rund 7,5 Milliarden Euro) seien 2016 in Deutschland in erneuerbare Energien geflossen. Nötig seien bis 2035 aber jährliche Investitionen von 23 Milliarden Dollar. Im weltweiten Maßstab müssten jährlich rund 700 Milliarden Dollar investiert werden, soll die Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur wie in Paris vereinbart auf unter zwei Grad Celsius begrenzt werden. Tatsächlich fließt aktuell nur etwa die Hälfte dieser Summe. Damit haben sich die Relationen binnen Jahresfrist nicht verändert.

Ein negativer Brexit- oder Trump-Effekt sei noch nicht spürbar, sagen die Experten. Im Fall der USA sind sie auch nicht sicher, ob der wirklich kommt. Denn auch US-Unternehmen würden dort investieren, wo die höchsten Profite locken und das sei weniger Kohle- als vielmehr Solar- und Windstrom. In der auf die G20-Staaten beschränkten aktuellen Untersuchung haben die USA jedenfalls 2016 zwei Plätze auf Rang sieben gutgemacht. Hinter Deutschland rangieren Großbritannien, Frankreich und China unverändert auf den Plätzen der Staaten, die für Investitionen in erneuerbare Energien weltweit am attraktivsten sind.

In China boomt die Solarenergie

„Schwellenländer wie China, Indien und Südafrika drängen aber zunehmend in eine Führungsrolle bei erneuerbaren Energien“, erklärte Allianz-Klimaexperte Thomas Liesch. Speziell in China herrsche ein ausgesprochener Solarboom. Dort seien 2016 so viele neue Sonnenstromkapazitäten installiert worden wie in allen anderen G20-Staaten zusammen. Treiber der Entwicklung seien fallende Technologiepreise, sagten Höhne und Liesch. In einigen Ländern seien erneuerbare Energien bereits ohne staatliche Förderung wettbewerbsfähig. „Die Kostenhürde ist genommen“, betonte Höhne. Nun müssten die Staaten verstärkt an der Integration erneuerbarer Energien in ihre Energiesysteme arbeiten, sollen steigende Anteile wetterabhängiger Stromproduktion nicht zu Problemen mit der Netzstabilität führen. Das gelte auch für Deutschland.

Der absolut gesehen größte Investitionsbedarf hinsichtlich erneuerbarer Energien besteht laut Studie in China (208 Milliarden Dollar), den USA (141 Milliarden Dollar) und Indien (95 Milliarden Dollar). In China und Indien habe das mit dem explodierenden Energiehunger der aufstrebenden Nationen zu tun, in den USA mit der veralteten Energie-Infrastruktur. Das schlechteste Investitionsklima für erneuerbare Energien innerhalb der G20-Staaten, die sich kommende Woche in Hamburg treffen, lokalisiert die Studie in Russland, der Türkei und Saudi-Arabien.

Versicherer investieren gerne in erneuerbare Energien

Die Allianz ist beim Klima- und Energiemonitor mit von der Partie, weil der Versicherer erneuerbare Energien seit einigen Jahren als Investitionsziel für sich entdeckt hat. 4,6 Milliarden Euro hat der Konzern bislang in Wind- und Solarparks gesteckt und will diese Summe weiter aufstocken. Auch bei anderen Versicherern ersetzten Investitionen in Energieinfrastruktur zunehmend andere Anlageklassen, die derzeit kaum noch Rendite bringen. Vor allem für Policen mit langem Anlagehorizont wie Renten- oder Lebensversicherungen sind Infrastrukturinvestitionen gut geeignet.

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