Bis zum Heiligen Abend bittet die Aktion Weihnachten um Spenden für Bedürftige. Foto: dpa-Zentralbild

Ein Eisenrohr hat Herrn L. am Kopf getroffen, als er auf einer Baustelle nach dem Rechten sehen wollte. Seither ist er erwerbsunfähig und mittlerweile verschuldet.

Stuttgart - Die Drei-Zimmer-Wohnung der L.s ist aufgeräumt und blitzblank, die Hausfrau serviert auf einem kleinen Tablett Tee. Dann nimmt sie neben ihrem Mann Platz und hört ihm zu. Herr L. erzählt von seiner Arbeit als Gas-Wasser-Installateur im Rhein-Main-Gebiet und seiner Funktion als Baustellenleiter, die nicht immer einfach gewesen sei. Speziell an dem Tag, der das Leben der Familie von Grund auf veränderte, gab es Ärger.

Ärger auf der Baustelle

„Ich habe kontrolliert, ob die Kollegen vorankommen, aber die saßen immer noch in ihrem Baufahrzeug“, erzählt er. Dafür habe er sie gerüffelt. „Da war die Stimmung natürlich gleich schlecht.“ Als einer schließlich in einem Schacht an die Arbeit ging und von dort heraufrief, die Arbeit sei schlecht geplant, wollte Herr L. sich selbst ein Bild verschaffen und stieg in den Schacht hinab. In dem Moment sei einem der anderen Kollegen ein Werkstück entglitten. „Das war ein 80er-Rohr, es wog mehrere Kilo und war frisch geflext“, sagt Herr L. Die scharfe Kante traf seinen Kopf, und er wurde kurz ohnmächtig. Als er wieder zu sich kam, hatten die anderen Männer schon den Krankenwagen gerufen, „aber Erste Hilfe hat keiner von denen gemacht, obwohl wir alle zwei Jahre geschult werden“, sagt Herr L., dem man anhört, wie sehr ihn das verletzt hat.

Im Anschluss habe dann auch keiner der Männer aussagen wollen, was sich zugetragen hatte. „Die wollten den schützen, dem das Rohr entglitten ist“, vermutet Herr L. Im Protokoll der Berufsgenossenschaft stehe jedenfalls nichts dergleichen. Zwei Jahre verbrachte er in Krankenhäusern, wo sie seine schwere Kopfverletzung zu heilen versuchten. Äußerlich ist das gelungen. Innerlich kämpft Herr L. aber immer noch gegen Ängste, Schrecksekunden und Zornesausbrüche an. „Das habe ich früher nicht gehabt“, sagt er.

Umzug wurde teuer

Um sich gegenseitig helfen zu können, zogen die L.s nach Stuttgart, wo seine Mutter und Geschwister leben. Der Umzug war teuer, weil der Familienvater nicht mit anpacken konnte und ein Unternehmen beauftragt werden musste. Zuvor waren Mietschulden entstanden, weil die Begutachtung seiner Arbeitsfähigkeit lange gedauert hatte. Heute leben er, seine Frau und die vier Kinder im Alter zwischen 14 Jahren und 14 Monaten von Erwerbsunfähigkeitsrente, Wohngeld und Kindergeld und stottern davon auch die Mietschulden ab.

In dem Mehrfamilienhaus der L.s gibt es zwar einen Kellerraum für Waschmaschinen, allerdings keine Möglichkeit, die Wäsche aufzuhängen. Die Familie möchte sich deshalb, auch wegen der großen Menge an Wäsche, die bei vier Kindern anfällt, einen Trockner anschaffen. Die Aktion Weihnachten hilft dabei.

Spenden an die BW-Bank, Iban: DE04 6005 0101 0002  3423 40, Bic: SOLADEST und die Schwäbische Bank, Iban: DE85 6002 0100 0000 0063 00,Bic: SCHWDESS.
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: