Nach der Kundgebung gönnt sich Lega-Chef Matteo Salvini noch ein Bad in der Menge seiner Anhänger. Foto: dpa

Im strömenden Regen vor dem Mailänder Dom warten Tausende auf ihr Idol: Matteo Salvini, Italiens rechten Innenminister. Dass der am Samstag auf der Bühne auch seine europäischen Partner präsentiert, ist wenig mehr als Beiwerk.

Mailand - Die pathetischen Klänge von „Nessun Dorma“ erfüllen am Samstagnachmittag den Domplatz in Mailand. 92 Jahre nachdem die Arie des Prinzen Kalaf aus der Oper Turandot von Giacomo Puccini in eben dieser Stadt uraufgeführt wurde. Die Handlung: Niemand solle schlafen, bis nicht der Name des Prinzen ermittelt würde – der einzige Weg der Prinzessin Turandot, um aus einem Heiratsversprechen mit ihm wieder zu entkommen. Den Namen dessen, der nun zu diesen Klängen die Bühne betritt, kennt hingegen jeder: Es ist Matteo Salvini, der italienische Innenminister und Lega-Chef, und seit kurzem auch Anführer der europäischen Ultra-Rechten. Nur die Namen der anderen, die mit ihm auf der Bühne stehen, sind den vielen Anhängern Salvinis in Italien neu – und eigentlich auch nicht von Interesse.

Bereits Anfang April hatte Salvini verkündet, nach der Europawahl eine neue Fraktion im Europaparlament gründen zu wollen: Die Europäische Allianz der Menschen und Nationen. Erklärtes Ziel der Fraktion ist, eine engere Zusammenarbeit der Europäischen Union zu stoppen und die Nationalstaaten zu stärken. Neben der Lega und der österreichischen FPÖ sollen auch die deutsche AfD und der französische Rassemblement National (RN) Teil dieser neuen Fraktion werden. Unter anderen waren AfD-Chef Jörg Meuthen, der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders und Marine Le Pen vom RN am Samstag nach Mailand gekommen, um an der Kundgebung auf dem Domplatz neben Salvini gemeinsam den Wahlkampf zu beschließen. Außerdem dabei: Vertreter rechtspopulistischer Parteien aus Belgien, Dänemark, Finnland, Estland, Tschechien, der Slowakei und Bulgarien. Sie alle durften kurz das Wort ergreifen, doch die große Bühne gehörte nur einem: Matteo Salvini. Er sprach am Schluss, rund 45 Minuten lang beschwor er das neue Bündnis, bezeichnete die Europawahl als „Referendum zwischen Leben und Tod, zwischen Zukunft und Vergangenheit“ und zu guter Letzt „zwischen einem Europa der Freiheit und einem islamischen Staat der Angst“.

Rund 20 000 jubeln Salvini und seinen Verbündeten zu

Mit dem Wahlkampfabschluss in Mailand wolle man „Geschichte schreiben“, so der Chef der Lega, die laut Umfragen in Italien bei der Europawahl am 26. Mai auf rund 30 Prozent der Stimmen hoffen kann und damit stärkste Partei würde. Die gesamte neue Gruppierung liegt in den aktuellen Umfragen derzeit bei etwa zehn Prozent der Mandate im Europaparlament. Allerdings könnten sich nach der Wahl noch weitere Parteien der neuen Fraktion anschließen. Salvini hatte im Vorfeld der Veranstaltung in Mailand Großes prophezeit: 100 000 Menschen würden sich auf dem Domplatz zusammenfinden. Am Ende waren es rund 20 000, die sich unter bunten Schirmen dem kalt-regnerischen Wetter zum Trotz vor die Bühne Salvinis stellten. Weitere 20 000 verfolgten die Kundgebung über die Facebookseite des Innenministers.

Eine harmonische Zusammenarbeit der Ultra-Rechten im Europaparlament wird allerdings von vielen Beobachtern bezweifelt. Bei etlichen Themen, wie beispielsweise der Haushalts- und Finanzpolitik, vertreten die Parteien nahezu konträre Ansichten. So kritisierte die AfD in der Vergangenheit immer wieder die hohen Schulden Italiens. „Wir sind nicht in allem einer Meinung“, sagte AfD-Chef Meuthen im Vorfeld der Kundgebung am Samstag. Er glaube aber, dass die Vorteile einer Kooperation die Nachteile überwiegen werden.

Nicht nur Regen sondern auch starker Gegenwind warten in Mailand

Herzlich willkommen geheißen wurden Salvini und seine Verbündeten bei weitem nicht von allen: Etwa 5000 Demonstranten protestierten den Tag über in Mailand gegen die Kundgebung der Rechtspopulisten. Nachdem in den vergangenen Tagen in etlichen Orten Italiens, wo der Innenminister auf Wahlkampftour unterwegs war, Salvini-kritische Plakate von den Behörden entfernt wurden, schmückten viele Mailänder demonstrativ ihre Balkone mit beschrifteten Bettlaken. „Salvini hasst, Mailand liebt“, steht auf einem geschrieben. Auf einem anderen: „Unsre Balkone sind höher als deine Mauern.“

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