In der SWSG-Wohnanlage am Azuritweg kommt es laut Bewohnern immer wieder zu Ausfällen der Heizungsanlage. Foto: Caroline Holowiecki

Weil es immer wieder zu Ausfällen der Heizungsanlage kommt, macht sich bei den Bewohnern einer Wohnanlage am Azuritweg in Stuttgart-Heumaden Unmut breit. Sie ärgert, dass es öfters kein warmes Wasser gibt und die Heizkörper kalt bleiben. Auch Probleme mit Legionellen gab es dort wohl schon.

Stuttgart-Sillenbuch - Die Energie, die Jutta Buschmann Tage zuvor im Bezirksbeirat Sillenbuch an den Tag gelegt hatte, scheint verpufft. Regelrecht gezetert hatte sie dort, nun sitzt die 59-jährige Büroangestellte kraftlos am Esstisch. „Ich war schon bei einer Anwältin. Aber ich will doch gar nicht klagen. Ich will nur heißes Wasser“, sagt sie. Doch wenn sich Jutta Buschmann morgens in ihrer Wohnung am Azuritweg in Heumaden für den Tag zurechtmachen will, weiß sie nicht, ob sich ihr Wunsch erfüllt. Allzu oft musste sie sich in der Vergangenheit schon kalt waschen. „Das ist ein Dauerstress, das ist nicht gut.“

Neuer Heizkessel wurde vor etwa zehn Jahren eingebaut

Vor etwa zehn Jahren sei ein neuer Heizkessel in der Wohnanlage Azuritweg 1 bis 3 eingebaut worden, seither gebe es Probleme, sagt sie. Heißwasser und Heizung fielen immer wieder aus, punktuell, aber auch über längere Zeiträume. So wie jüngst wieder. Jutta Buschmann zeigt ausgedruckte Mails. Am 1., 5., 6. und 7. Februar hat sie die zuständige Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) angeschrieben und morgens kaltes Wasser beanstandet. Zurückgekommen sind eine Einladung zum Gespräch sowie die Nachricht, dass der Installateur da war. Der sei tatsächlich Dauergast, „aber es ist immer wieder der gleiche Zustand“.

Im November 2015 hat sie mehr als 30 Unterschriften von Nachbarn aus dem 80er-Jahre-Block gesammelt. Viele hoffen auf eine Lösung. Barbara Henzel etwa ist es leid, sich morgens kalt zu waschen, auch sei das Wasser ab und an gelb. „Das ist eine Katastrophe“, sagt sie.

Jutta Buschmann hat sich jetzt Hilfe gesucht. Die Mieterbeirätin Gabriele Augustin ist im Boot, „ich unterstütze das. Das kann nicht sein“, sagt die. Auch Ursel Beck von der Mieterinitiative SWSG hat Hilfe angeboten und an einem Brief an die Wohnungsbaugesellschaft, an Politiker und das Gesundheitsamt mitgearbeitet. Denn im Gebäude gibt es Probleme mit Legionellen.

Dokumentiert sind Fälle vom Dezember 2015, November 2016 und April 2017, eine Gesundheitsgefahr habe laut SWSG nie bestanden. Ursel Beck glaubt an einen Zusammenhang. „Bekanntlich vermehren sich Legionellen besonders stark in lauwarmem Wasser. Da dieser Zustand regelmäßig in den Häusern am Azuritweg erreicht wird, nimmt die SWSG mit der nicht funktionierenden Heizung die Gefährdung der Gesundheit der Mieter bewusst in Kauf“, heißt es im Brief.

Bei der Stadt sieht man keine Gefahr im Verzug

Ein Faltblatt, erstellt von Bundes-Fachverbänden und von der Stadt Stuttgart online zur Verfügung gestellt, lässt den Schluss zu, dass es sich zumindest lohnen könnte, der Sache nachzugehen. „So muss das warme Wasser im Trinkwasserspeicher und im Zirkulationssystem bestimmte Temperaturen aufweisen, damit Legionellen sich nicht vermehren können“, heißt es, bei 25 bis 45 Grad vermehren sich die Bakterien gut, ab 60 Grad sterben sie ab. Bereits bei leicht erhöhten Werten müssen Gefährdungsanalysen durchgeführt werden. Gefahr im Verzug sieht man bei der Stadt indes aktuell nicht. „Nach der Trinkwasserverordnung besteht für das Gesundheitsamt derzeit kein Handlungsbedarf, da es sich um ein technisches Problem handelt (defekte Heizung), das durch die SWSG zu lösen ist“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Kurzfristige Ausfälle stellten in Sachen Legionellen „in der Regel kein Problem“ dar.

Bei der SWSG führt man den Befall einzig auf lange unbenutzte Leitungen zurück. „Die Behauptung, leicht erhöhte Legionellenwerte kämen durch eine unzureichende Warmwasserversorgung zustande, ist deshalb nicht richtig“, teilt der Sprecher Peter Schwab mit. Aktuell liege man unter den Grenzwerten. Einige Nachbarn beruhigt das nicht. Eine Frau berichtet, dass sie nur mit Wasser aus der Flasche kocht, auch Hinda Mohammed, Mutter von vier Kindern, spricht von einem unguten Gefühl. Gesundheitliche Probleme habe zwar keiner, „aber das nervt schon“, sagt sie und meint die Heizungsausfälle. Seit neun Jahren lebt die Familie im Haus, seither gebe es stunden- oder tageweise Probleme, „wir haben schon eine kleine Heizung gekauft“.

SWSG: Mieter haben für erste Störung „angemessene Entschädigung“ erhalten

Bei der SWSG besteht man indes darauf, dass die erste längere Störung im Oktober 2015 dokumentiert worden sei, dafür hätten die Mieter eine „angemessene Entschädigung“ erhalten. Weitere Störungen habe es im Juni und November 2017 sowie jetzt im Februar gegeben. „Da die Ursachen der kurzzeitigen Heizungsausfälle defekte Steuerungselemente waren, ist ein Austausch der Heizungsanlage unnötig“, so Peter Schwab. Sicherheitshalber kontrolliere man jetzt täglich. Jutta Buschmann hat tatsächlich derzeit heißes Wasser, dem Frieden traut sie jedoch noch nicht. Eine Mietminderung hat die SWSG abgelehnt. Zum Gespräch möchte Jutta Buschmann trotzdem gehen. Ursel Beck und Gabriele Augustin wollen sie begleiten.

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