Herbert Schneider (vorne) stimmt auf das gemeinsame Singen ein, Helmut Mattern wartet im Hintergrund auf seinen Einsatz Foto: Susanne Müller-Baji

Helmut Mattern, Herbert Schneider und Weggefährten boten in St. Antonius in Stuttgart-Zuffenhausen ein Adventskonzert der besonderen Art dar – mit Alphörnern.

Zuffenhausen - Gemeinhin beginnt die Weihnachtsgeschichte mit „Es begab sich aber zu einer Zeit. . .“ Im Ländle heißt es mit Sebastian Blau: „Es isch am Heilig Abend gwä. . .“ So beginnt das Mundartgedicht „‘S Weggetaler Kripple“, das im Zentrum der Auftritte steht, mit dem das eingespielte Team Helmut Mattern (Rezitation) und Herbert Schneider (Zither) seit vielen Jahren die Menschen zur Adventszeit erfreut.

Für den Auftritt in Freiberg vor zwei Wochen und für das aktuelle „Volksmusikalische Adventskonzert“ in der katholischen Kirche St. Antonius in Zuffenhausen hatte sich Schneider aber eine Neuerung ersonnen und eine ganze Riege von musikalischen Weggefährten zusammengetrommelt: die Blechbläser Stefan Christl, Ralf Geisse und Petra Rosemann sowie Thomas Hübner und Alexander Schön an der Klarinette. Einige von ihnen präsentierten sich an diesem Nachmittag als musikalische Tausendsassas. Denn es erklangen auch das Akkordeon sowie zwei waschechte Alphörner, und Schneider selbst spielte auch die Posaune.

Erdig und frei von Kitsch

Die ausgewählten Stücke waren volkstümlich, dabei aber anders als erwartet, nämlich erdig und frei von Kitsch: Eine „Aria“ aus dem Kinzigtal war dabei und ein „Bazwoacher“, und beim gesungenen Adventskanon waren schließlich alle gefordert. Verwirrend vielstimmig klang das, und es war allein dem entschlossenen Dirigenten Schneider zu verdanken, dass am Schluss alle gemeinsam auf „Weihnachten steht vor der Tür“ endeten. Was natürlich von Helmut Mattern kommentiert wurde: Das Schlimmste hätte man nun überstanden, sagte er an die zahlreichen Gäste gewandt.

Er wiederum erzählte von der Weihnacht. Von den Tieren, die diskutieren, was unerlässlich fürs Fest sei: Entenbraten, sagt der Fuchs, der Bär bestand auf etwas Süßem und so weiter. Bis dem Ochsen einfällt, was wirklich zählt: „Das Kind!“ Und ausgerechnet der Esel fragt: „Aber wissen das eigentlich auch die Menschen?“ Das junge Paar in O’Henrys „Das Geschenk der Weisen“ hingegen beherrscht die Kunst des Schenkens: Beide trennen sich selbstlos von ihren Schätzen, um den anderen beschenken zu können – ohne Taschenuhr und Haarpracht sind Uhrkette und Kämme vorerst nicht zu verwenden, kommen aber von Herzen.

Weihnachtsgeschichte voller schwäbisch-knitzer Einfälle

Dann war man auch schon beim „Weggetaler Kripple“ angelangt, ein Mundartgedicht von Rundfunkjournalist, Zeitungsverleger und Autor Joseph Eberle (1901 bis 1986) alias Sebastian Blau, welches das biblische Bethlehem mitten im Herzen Schwabens verortet. „Es isch am Heilig Abend gwä. . .“ begann Helmut Mattern und wurde stimmungsvoll begleitet: Mit einem Alphorn-Motiv, mit lauschigen Zither-Klängen oder einem Bläser-Quadlibet. Eben saßen die Schäfer noch um ihr Feuer und beklagten sich, dass das Christkind nicht zu den Armen kommt. Da glitzert alles, ein Engel erscheint und sie finden sich unversehens in der Weihnachtsgeschichte voller schwäbisch-knitzer Einfälle wieder: So lupfen die drei Könige höflich die Kronen zur Begrüßung und Herodes kredenzt ihnen altbackene Plätzchen.

Viel zu schnell verklang ein schöner Nachmittag. So genau können sich Mattern und Schneider nicht mehr erinnern, wie lange sie schon zusammen auftreten – „aber gut 500 Mal waren es sicher“, so Helmut Mattern. In der Zweierbesetzung sind sie noch einmal am Donnerstag, 21. Dezember, um 14 Uhr beim Altenclub im nahen Franz-Josef-Fischer-Gemeindehaus zu Gast. Wie halten sie es aber privat an Weihnachten? Helmut Mattern erzählt, er werde auch im Familienkreis lesen, allerdings die Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Schneider weiß noch nicht, ob die Blockflöte der Enkel oder doch die Zither erklingen wird: „Das hängt von den Enkele ab!“

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