Die Johanneskirche prägt die Wendlinger Stadtmitte. Foto: Horst Rudel

Der Abriss der Johanneskirche ist beschlossene Sache. Jetzt soll der Bischof die Entscheidung kippen.

Wendlingen - Den offenen Brief an den evangelischen Landesbischof Otfried July hat die Wendlinger Initiative pro Johanneskirche am Dienstag abgeschickt. Darin bittet die Initiative, den vom Wendlinger Kirchengemeinderat beschlossenen Abriss der Kirche abzuwenden.

Seit dem Jahr 2013 kämpft die Initiative für die Johanneskirche, die mitten im Ortszentrum steht. An ihrer Stelle soll ein neues Gemeindezentrum entstehen mit einem neuen Gebetsraum. Auf dem Grundstück will auch die Bruderhaus-Diakonie aus Reutlingen bauen – und zwar 23 Wohnplätze für Behinderte, samt zwölf Plätzen für behinderte Senioren. Den Garten will man sich mit der Kirchengemeinde teilen.

In der politischen Diskussion hat die Initiative durchaus ihre Erfolge aufzuweisen. Ihr gelang es im Jahr 2016, einen Bürgerentscheid anzustoßen. Das war allein rechtlich schon schwierig gewesen, weil die Entscheidung über die Zukunft der Johanneskirche bei der Kirchengemeinde liegt und nicht beim Stadtrat.

Die Kirche soll in das Konzept integriert werden

Dennoch kam der Entscheid zustande, doch das Quorum wurde nicht erreicht. 14,7 Prozent aller Stimmberechtigten waren dafür, die Stadt möge sich bei der evangelischen Kirchengemeinde für die Erhaltung der Kirche einsetzen. Zwölf Prozent votierten mit Nein. Damit der Entscheid auch eine politische Wirkung hätte entfalten können, hätten 20 Prozent der Bürger abstimmen müssen. Den meisten Wendlingern, so war der politische Tenor damals, sei die Zukunft des Gotteshauses schlicht egal gewesen.

Vielen evangelischen Christen allerdings nicht. Den offenen Brief an den Landesbischof hat unter anderem auch der Altbürgermeister Hans Köhler unterschrieben. Ihm und der Initiative gehe es nicht darum, das Gemeindezentrum oder das Wohnheim der Bruderhaus-Diakonie zu verhindern. Sie wollen lediglich den Baukörper der Johanneskirche erhalten. „Es muss doch möglich sein, die Kirche in das Konzept zu integrieren“, argumentiert Köhler, „Platz genug auf dem Grundstück gibt es.“ Man könnte den Kirchenraum innen verkleinern und die Fläche dem Gemeindezentrum zuschlagen.

Lösung muss nicht zwangsläufig teurer sein.

Hans Köhler glaubt nicht, dass eine solche Lösung zwangsläufig teurer sein müsse. Er gibt auch zu bedenken, dass die Kirche seinerzeit zur Hälfte von Spenden finanziert wurden, die damals im Vertrauen auf die Zukunft des Kirchenbaus gegeben wurden. Ähnliche Argumente hat er auch gegenüber der Stadt geäußert, die nach Auskunft des Stadtbauamts gerade den Bebauungsplan ausliegen hat.

Doch auch für den Abriss gibt es gute Gründe. Aus Kirchenkreisen hört man, dass die Johanneskirche bis zuletzt nur noch von sonntäglich etwa 50 Menschen besucht wurde, Tendenz abnehmend. Überdies werde den Wendlingern nicht einfach eine Kirche weggenommen. Es wird einen neuen Gebetsraum geben, in dem auch Gottesdienste gefeiert werden. Überdies wird dieser Raum barrierefrei werden. Eine höchst seriöse Nachnutzung, könnte man sagen, zumal sich die Planer durch das Gemeindezentrum eine Belebung der Geschäfte in der Stadtmitte erhoffen. Zudem brennt der Kirchengemeinde ein Problem auf den Nägeln: Die Kirche hat eines ihrer Gemeindezentren bereits an die Stadt veräußert, die dort einen Kindergarten betreibt.

Allerdings darf man nicht vergessen, dass sämtliche Bauvorhaben noch in der Planungsphase sind. Bis ein Bebauungsplan in geltendes Recht umgewandelt wird, vergeht in der Regel etwa ein Jahr. Auch die Bruderhaus-Diakonie hat noch nicht zugestimmt. Im Mai fällt der Stiftungsrat die Entscheidung.

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