In wenigen Wochen ist es wieder so weit Foto: dpa

Immer mehr Schüler fallen durchs Abitur. In Baden-Württemberg ist die Quote geringer als im Bundesdurchschnitt.

Stuttgart - Nach den Osterferien beginnen für über 50 000 Schüler an den allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien in Baden-Württemberg die Abiturprüfungen. Vermutlich werden auch in diesem Jahr nicht alle den Abschluss schaffen. 2017 – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – scheiterten 698 der 33 216 Prüflinge (2,1 Prozent) an den allgemeinbildenden Gymnasien im Südwesten. Damit war die Durchfallerquote so hoch wie zuletzt 2003. Damals machten allerdings fast 8000 Schüler weniger die Prüfung. Am geringsten war die Durchfallerquote 2009 mit 0,8 Prozent, ein Jahr später lag sie bei 1,5 Prozent.

Deutlich mehr Schüler scheitern an den beruflichen Gymnasien im Land. Bei der Prüfung 2017 fielen 863 der 18 295 Schüler durch – das waren 4,7 Prozent. Höher war der Anteil nur in den Jahren 2010 bis 2012 mit mehr als fünf Prozent. 2009 dagegen waren es nur 2,5 Prozent.

Besser als der Bundesschnitt

Bundesweit ist die Durchfallerquote in den vergangenen zehn Jahren laut Kultusministerkonferenz fast kontinuierlich von 2,39 auf 3,78 Prozent gestiegen. Besonders hoch ist sie in Mecklenburg-Vorpommern, dort scheiterte 2017 etwa jeder 14. Abiturient.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) führt die steigende Zahl der Durchfaller darauf zurück, dass der Anteil der Schüler, die nach der vierten Klasse zum Gymnasium wechseln, seit Jahrzehnten steigt – im vergangenen Jahr lag er bei 43,3 Prozent. „Auch wenn der Wunsch vieler Eltern, ihren Kindern das Abitur und im Anschluss möglichst ein Hochschulstudium zu ermöglichen, durchaus nachvollziehbar ist: Nicht für jedes Kind ist das Gymnasium die geeignetste Schulart“, so Eisenmann. „Deshalb ist für mich zentral, dass wir Eltern und Schüler noch intensiver über die vielseitigen Bildungswege informieren und den Stellenwert der beruflichen Bildung als alternativen Weg zu Abitur und Hochschulstudium verbessern.“

Mehr Schüler mit einer eins

Die Vorsitzende des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, kritisiert die Konzeption des Abiturs. „Im Abitur zeigt sich die Frucht von kontinuierlichem Lernen und kontinuierlichem Leisten - im Positiven wie im Negativen“, sagte sie der Deutschen Presseagentur. Schülern werde diese Kontinuität aber nicht abgefordert, manche würden bereits ab der Unter- und Mittelstufe nur versetzt, weil sie schlechte Leistungen in einem Fach durch gute in einem anderen Fach ausbügeln könnten. Das klappe beim Abitur nicht mehr.

Zugleich wird bundesweit auch häufiger die Note 1,0 vergeben. Fast jeder vierte Abiturient hatte 2017 eine eins vor dem Komma. Die extremere Verteilung der Abiturnoten verdeutliche die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus der Kinder, sagt der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Bei der einen Gruppe könnten die Eltern die notwendige Förderung und Unterstützung privat organisieren, die anderen fielen „durch den Rost“, kritisierte Beckmann. „Die Schere öffnet sich immer weiter.“

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