Eine höhere Hundesteuer? Was der Winnender Schlossmops, das Maskottchen der Stadt, wohl davon hielte? Foto: Gottfried Stoppel

Die Stadt, deren Maskottchen ein Mops ist, verlangt demnächst 132 Euro pro Hund – und liegt dabei im Regionsvergleich nicht einsam an der Spitze. Die Abgabe soll auch ein Lenkungsinstrument sein, um die Anzahl zu begrenzen.

Winnenden - Viele Hunde sieht man nicht, wenn man sie auf der Winnender Marktstraße sucht. Nur eine Frau mit einem mittelgroßen „Straßenkreuzer“, wie sie die Rasse ihres Begleiters nennt, ist unterwegs. Nein, ihren Namen will sie nicht in der Zeitung sehen und den ihres Hundes auch nicht. Von der Erhöhung der Hundesteuer zum neuen Jahr hat sie noch nichts gehört. „Es wird ja sowieso immer alles teurer. Und die paar Euro im Jahr verkrafte ich noch.“

Stadträte mit Herz für Hundehalter

Früher fiel der Widerstand heftiger aus, insbesondere im Gemeinderat. Dann konnte man darauf wetten, dass der CDU-Stadtrat Kurt Hespeler sich für die Hundebesitzer verkämpfte. Dabei beschwor er zum Schrecken seiner Parteifreunde im Stadtgremium auch düsterste Szenarien herauf. Insbesondere, wenn die Sitzung in die Vorweihnachtszeit fiel, in der bekanntlich mancher zu viel Geld für Geschenke ausgebe. „Dann sitzt an Heiligabend so ein Hundle einsam im Tierheim, weil sich sein Herrchen die Hundesteuer nicht mehr leisten konnte“, argumentierte der Betreiber eines örtlichen Bekleidungsgeschäftes.

Tempi passati. Seit der Stadtrat aus dem Gremium ausgeschieden ist, hat zwar der Fraktionssprecher der Alternativen Liste (Ali) Christoph Mohr das Amt des Hundebesitzer-Fürsprechers übernommen, doch setzt er mehr auf Vernunft denn auf Melodramatik. Als nun die Verwaltung die Erhöhung der Hundesteuer wieder auf die Agenda setzte, stellte er den Antrag, jenen die Hundesteuer für ein Jahr zu erlassen, die ihren Hund aus einem Tierheim geholt haben. In Mannheim verfahre man so. Doch Mohrs Vorschlag fand kein Gehör: Mit großer Mehrheit verabschiedete der Gemeinderat die Erhöhung von 120 Euro auf 132 Euro pro Jahr. „Ich bin schon ein bisschen fassungslos“, kommentierte das Mohr.

Doppelte Gebühr für einen zweiten Hund

„Damit liegen wir mit der Hundesteuer bundesweit an der Spitze“, hatte Mohr seine Kollegen beschworen, wobei er sich jedoch irrte. Schorndorf hat exakt diesen Betrag bereits eingeführt, auch viele andere Kommunen in der Region Stuttgart liegen auf diesem Niveau. Eine Ausnahme stellt Renningen im Kreis Böblingen dar. Dort liegt die Hundesteuer mit 96 Euro als einziger Kommune unter 100 Euro. In Stuttgart liegt die Gebühr für Hunde bei 108 Euro.

Bei der Hundesteuer gehe es gar nicht in erster Linie um Einnahmen, argumentiert die Winnender Stadtkämmerin Martina Schrag. „Sie hat eine Lenkungsfunktion, um die Zahl der Hunde zu begrenzen.“ Mittlerweile sind in Winnenden 984 Hunde gemeldet, vor zehn Jahren waren es noch 732. Die letzte Steuererhöhung fand 2006 statt, 2011 wurden Kampfhunde in die Satzung aufgenommen. Für diese muss man nun 840 Euro statt 810 Euro zahlen.

Hält sich jemand einen weiteren Hund, wird es noch teurer. „Das habe ich nie verstanden, warum ich für den zweiten Hund die doppelte Steuer bezahlen musste“, sagte Mohr und beantragte, die Gebühr in solch einem Fall auf den anderthalbfachen Satz zu senken – ebenfalls erfolglos.

Pferde hinterlassen größere Haufen

Lediglich der FDP-Stadtrat Jürgen Hägele sprang Mohr und den Hundehaltern zur Seite. „Viele ältere Menschen mit wenig Geld halten sich Hunde als Gesellschaft“, argumentierte er. Diese würden von einer Erhöhung hart getroffen. Er verstehe nicht, dass Hunde besteuert würden, Katzen oder Pferde nicht. „Die hinterlassen doch viel größere Haufen.“

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