Zum Spielen auf ihrer Anlage haben Alexandra und Ralph Nägele kaum Zeit – die Gäste müssen schließlich betreut und alles in Schuss gehalten werden. Foto: Gottfried Stoppel

50 Jahre und kein bisschen angestaubt: die Miniaturgolfanlage von Familie Nägele in Schwaikheim hat viele Fans und Stammgäste. Gefeiert wird das mit Livemusik und Abendturnieren für Jedermann.

Schwaikheim - Vor 50 Jahren ist die Schwaikheimer Miniaturgolfanlage gegründet worden – fünf Bahnen gab es damals. Bald wurden es 18, heute gibt es auf dem Gelände auch einen Biergarten. Ralph und Alexandra Nägele haben die Anlage im Jahr 2000 übernommen, damals waren ihre beiden Kinder noch klein. „Ich bin schaffen gewohnt und konnte mir nicht vorstellen, zu Hause zu sitzen“, erzählt Alexandra Nägele, 45 Jahre alt und gelernte Konditoreifachverkäuferin. „Du konntest dir auch nicht vorstellen, wie viel Arbeit das ist“, erwidert ihr Mann Ralph mit einem Grinsen, während das Paar auf einer Bank im Biergarten der weitläufigen Anlage sitzt. Noch ist es ruhig auf dem abgeschiedenen Gelände, unter der Woche wird erst am Nachmittag geöffnet.

Viele Stammgäste gehören zur „PitPat-Familie“

Bereut haben die beiden ihre Entscheidung nicht. „Wir würden es wieder machen, jederzeit“, betont Alexandra Nägele. „Die Anlage ist mit uns gewachsen.“ Viele Stammgäste kämen hierher, so hätten sich im Laufe der Jahre Freundschaften entwickelt – „die PitPat-Familie“, sagt Alexandra Nägele. Über zu wenige Besucher könnten sie sich nicht beschweren, von sechs bis 99 Jahren seien alle Altersgruppen vertreten, ergänzt ihr Mann. Mini- oder Miniaturgolf erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, hat das Ehepaar beobachtet. „Wenn man tatsächlich versucht, den Ball mit einem Schlag ins Loch zu treffen, ist es eine hohe Konzentrationssache. Und es hat mit Geometrie zu tun“, erklärt Ralph Nägele.

Laut Achim Braungart Zink, dem Generalsekretär des Deutschen Minigolfsport-Verbands (DMV), werden jährlich etwa 20 Millionen Eintrittskarten für die rund 2000 Minigolfanlagen in Deutschland verkauft. „Minigolf ist ein Freizeiterlebnis für die ganze Familie“, sagt Braungart Zink. Dabei sei der Eintritt verhältnismäßig günstig, dafür, dass eine Runde Minigolf in der Gruppe schon mal ein paar Stunden dauern kann. Für Spaß sorge unter anderem der Wettbewerb – wer schafft es, den Ball mit möglichst wenigen Schlägen einzulochen?

Übung braucht der Minigolfer

Wenn ein Ungeübter mit unter 40 oder 45 Schlägen über die 18 Bahnen komme, sei das schon recht gut, meint Ralph Nägele. „Das geht nur mit Übung“, betont er. Der 45-Jährige selbst kommt nur selten zum Spielen, es gibt zu viel zu tun: Die Pflege der Anlage, die Gartenarbeit, aber auch der Betrieb des Biergartens mit der Küche nehmen viel Zeit in Anspruch. Zehn Aushilfen unterstützen die Nägeles derzeit. „Idealismus braucht man auf jeden Fall, sonst geht es gar nicht“, erklärt Ralph Nägele, der nebenbei noch als Bodenleger tätig ist. Das Betreiben der Miniaturgolfanlage bezeichnet er daher auch als „großes Hobby“.

Um die Zukunft macht sich Ralph Nägele wenig Sorgen, schließlich entstünden immer wieder neue Anlagen – allerdings hauptsächlich so genannte Adventure-Golf-Bahnen. Diese sind nicht genormt und werden daher vom DMV auch als „Fantasiebahnen“ bezeichnet. Laut Achim Braungart Zink sind sie stärker in die Natur integriert und „optisch dem Golf ein bisschen näher“. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die das Miniaturgolf verdrängen“, meint Nägele. Diese Einschätzung teilt auch der DMV-Generalsekretär. „Adventure Golf ist eine Form von Minigolf, keine Verdrängung“, sagt er. Es passe zum zunehmenden Event-Charakter des Sports, der sich auch in kürzeren Turnieren widerspiegele. „Die Anlagenbetreiber lassen sich etwas einfallen, um Minigolf moderner zu machen“, erklärt Braungart Zink. Dadurch habe der Minigolfsport sein zwischenzeitlich etwas angestaubtes Image verloren und spreche nun wieder mehr junge Leute an – beispielsweise durch Schwarzlicht- oder Moonlight-Minigolf.

Auch bei den Nägeles in Schwaikheim kann man nach Einbruch der Dunkelheit spielen – die Anlage ist beleuchtet. Anlässlich des 50. Geburtstags gibt es zusätzliche Veranstaltungen mit Livemusik sowie Abendturniere für Jedermann. „Wenn die Gäste am Ende sagen: ‚das war wie ein Urlaub bei euch’, dann haben wir unser Ziel erreicht“, sagt Alexandra Nägele – das gilt für sie nicht nur im Jubiläumsjahr.

Was man über Mini(atur)golf wissen muss

Geschichte
: Die Idee zu einem „genormten Golfplatz für Jedermann“ stammt von dem Schweizer Paul Bongni, der 1953 den ersten genormten Minigolfplatz mit 18 Bahnen nahe Locarno errichtete. Die Bahnen sind so konzipiert, dass geübte Spieler jede Bahn mit einem einzigen Schlag bewältigen können. Der Hamburger Geschäftsmann Albert-Rolf Plees brachte von einer Skandinavienreise die Idee zu einer Miniaturgolf-Bahn mit geringeren Abmessungen mit – die erste Anlage gab es 1956 im Freizeitpark „Planten und Blomen“.

Unterschiede
: Minigolfbahnen sind zwölf Meter lang und 1,25 Meter breit. Sie dürfen von den Spielern in der Regel betreten werden, solange sich der im Spiel befindliche Ball nicht bewegt. Miniaturgolfbahnen fallen mit 6,25 Metern Länge und 0,9 Metern Breite kleiner aus. Es ist verboten, sie zu betreten.

Eine Übersicht über alle beim Deutschen Minigolf-Sportverband registrierten Anlagen findet man hier.

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