Wenn es in Weinstadt um Musik geht, mischt der Jazzclub Armer Konrad mit. Foto: Luz Weber

Der Jazzclub Armer Konrad holt Musiker aus aller Welt nach Weinstadt und hat so manchen Newcomer bekannt gemacht. Bald feiert der Verein sein 40-jähriges Bestehen. Wie alles begonnen hat, kann man hier lesen.

Weinstadt - Gibt es ein Publikum für regelmäßige Jazzkonzerte in Weinstadt? Wie kommt die erste Veranstaltung bei den Besuchern an? Das fragten sich Hans-Jörg Maier und Hartmut Lenz, als sie ein erstes Konzert im Ratskeller in Beutelsbach organisierten. „Wir haben das damals auf eigenes Risiko gemacht“, erinnert sich Lenz. Um Antworten auf ihre Fragen zu bekommen und zu erfahren, ob die Gründung eines Jazzclubs eine Zukunft hätte, starteten sie eine Umfrage unter den Besuchern. „Die Resonanz war sehr gut.“ So hoben Lenz, heute der erste Vorsitzende, und Maier den Jazzclub Armer Konrad, kurz: Jak, aus der Taufe.

Das war vor bald 40 Jahren. Aus den 25 Mitgliedern bei der Gründungsversammlung im mittlerweile abgerissenen Gasthof Rose in Beutelsbach sind knapp 450 geworden. Der Jak ist weit über Weinstadt hinaus bekannt, international tätige Musiker etwa aus Polen, Frankreich, Italien, Schweden, Finnland, Russland und den USA gastieren bei ihm. International besetzt ist auch das Neujahrskonzert am 5. Januar, mit dem der Jak in sein Jubiläumsjahr starten möchte, mit dem Schweden Martin Tingvall am Klavier, dem Kubaner Omar Rodriguez Calvo am Bass und dem Deutschen Jürgen Spiegel am Schlagzeug. In mehr als 30 Ländern weltweit ist das mit vielen Auszeichnungen dekorierte Tingvall Trio bereits aufgetreten.

Newcomer und internationale Größen

Neben internationalen Größen bietet der Jak, der mit der Musikhochschule Stuttgart kooperiert, aber nach wie vor Newcomern eine Bühne. „Wir haben einen guten Riecher dafür, Bands zu entdecken“, sagt Luz Weber, der stellvertretende Vorsitzende. So hätten sämtliche baden-württembergische Landesjazzpreisträger vor ihrer Ehrung bereits beim Jak gespielt. Und auch das österreichische Blechbläserensemble Mnozil Brass, das schon bei den Schlossfestspielen in Ludwigsburg und den Jazzopen in Stuttgart für Furore gesorgt hat, sei zuvor in Weinstadt aufgetreten. Dabei könne es sich der Jak heraussuchen, wer bei ihm gastieren dürfe. „Mich erreichen pro Woche rund 100 Anfragen“, berichtet Weber, der für die Programmgestaltung des Donnerjazz zuständig ist. Neben den regelmäßigen Donnerstagabendkonzerten ist alle zwei Wochen auch freitags etwas im Jak-Keller im Beutelsbacher Stiftshof geboten, jetzt unter der Regie von Boris Hartmann, nachdem Jahrzehnte lang Hans-Jörg Maier die Verantwortung dafür hatte.

Hat sich das Programm in 40 Jahren verändert? Anfangs sei mit Dixieland und Swing traditioneller Jazz darauf gestanden, inzwischen umfasse das Programm alle Genre des Jazz, sei zeitgenössischer geworden, sagen die Verantwortlichen. Nach wie vor eng seien die Kontakte zu polnischen Musikern. Geknüpft hat sie vor allem Maier, der als früherer Vorstand des Jugendhauses Zehntscheuer schon vor der Jak-Gründung Konzerte mit Bands aus dem Nachbarland organisierte und später auch Besuche des internationalen Festivals Jazz Jamboree in Warschau. Ihm ist es zudem mit zu verdanken, dass die freundschaftlichen Verbindungen 1990 mit einer Städtepartnerschaft zwischen Weinstadt und dem polnischen Miedzychód besiegelt werden konnten.

Endlich sesshaft in Beutelsbach

Seit dem Umbau des Kellers im Beutelsbacher Stiftshof hat der Jak für seine Konzerte einen festen Veranstaltungsort bekommen. „Wir sind dadurch sesshaft geworden“, sagt Lenz. Zuvor habe der Club ein Nomadendasein geführt und sei zwischen dem Ratskeller, der Alten Kelter in Strümpfelbach und der alten Turnhalle in Beutelsbach, dem Vorgängerbau der heutigen Jahnhalle, hin- und hergezogen. Mit einem Schmunzeln erinnert sich Lenz daran, wie der damalige Kulturamtsleiter die Tauglichkeit des Stiftshofkellers für Konzerte geprüft hat. „Er hat einen Kassettenrekorder mitgebracht, dessen Lautstärke wir unten voll aufdrehen sollten, während er oben draußen vor dem Stiftshof stand.“ Jedoch lege man auch Wert darauf, sich nicht nur in den eigenen Clubkeller zurückzuziehen, sondern durch die Teilnahme an Festen und Veranstaltungen in Weinstadt, wie etwa dem Leuchtenden Weinberg, der Remstal-Gartenschau oder der Feier zu 500 Jahre Bauernaufstand Armer Konrad, in der Öffentlichkeit präsent zu sein. „Dadurch ist der Club ein selbstverständlicher Teil des Kulturlebens in der Stadt geworden und es nimmt vielen die Hemmschwelle, auch Konzerte im Jak-Keller zu besuchen“, sagt Elke Strauß, die für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins verantwortlich ist.

Das Herbstprogramm im JAK

Saisonstart
: Bei der Nacht der Keller am Wochenende startet der Jazzclub in den Herbst mit der schwäbischen Bluesrockgruppe Waschbrett und der Band Live Rocking Five.

Kultinstrument:
Im November ist die Hammond B3 Orgel Thema, etwa wenn das Trio Organ Explosion am 21. November im Jak-Keller spielt.

Höhepunkte
: Der finnische Gitarrist Ben Granfelt gastiert mit seiner Band am 27. September im Jak-Keller. Spannend wird der Donnerjazz am 31. Oktober, wenn das Frank Eberle Quintett mit dem Trompeter Matthias Schriefl auftritt, der international mit Crossover-Projekten begeistert. Am 20. Oktober steht die Musikkabarettistin Lizzy Aumeier in der Jahnhalle auf der Bühne.

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