Gerald Buß kann alles, außer die Füße stillhalten. Foto: Veranstalter

Nur gut, dass Dirigent Gerald Buß Traktor fahren kann und sogar die Zuschauer mit anpacken, wenn beim Sommerfestival auf Schloss Filseck mal wieder Not am Mann ist.

Uhingen - Gerald Buß kann nicht nur dirigieren, er kann auch Traktor fahren – das hat das Sommerfestival auf Schloss Filseck bei Uhingen in logistischer Hinsicht nicht nur einmal gerettet. Viele legendäre Geschichten wie diese ranken sich um diese Veranstaltungsreihe, und jedes Jahr kommen neue hinzu. Deshalb gibt es zum Sommerfestival anlässlich seines 25-jährigen Bestehens viel zu erzählen. Das Schlusskonzert am Sonntag, 28. Juli, wird das vergangene Vierteljahrhundert musikalisch Revue passieren. Den Abend moderiert der Filmstar Günther Maria Halmer. Und Halmer plaudert auch die schönsten Anekdoten der vergangenen Jahre aus.

Keine Angst vor großen Tieren

Apropos Günther Maria Halmer, auch das ist so eine Geschichte: Der TV-Star ist nicht so leicht für eine Veranstaltung zu kriegen. Doch Gerald Buß hat ihn vor zwei Jahren im Odeon kennengelernt, wo er den musikalischen Part bei einer Konzertlesung übernahm. Der Günther und der Gerald konnten so gut miteinander, dass ein Anruf genügte, um den viel beschäftigten Star erneut ins Filstal zu locken. Gerald Buß grinst und erzählt, dass auch das international bekannte Klavierduo Grau/Schumacher zu diesem Galakonzert kommt, um die ersten zwei Nummern der Carmina Burana zu begleiten.

Ohne Ehrenamtliche wäre nichts zu machen

Wer ein Festival ausschließlich mit ehrenamtlichen Helfern und ohne Unterstützung der öffentlichen Hand ausrichtet, muss gute Nerven haben – und Sponsoren. Gerald Buß erinnert sich noch gut an die Anfänge, als das Schloss, damals noch im Besitz des Kreises, in neuem Glanz erstrahlte und auf eine Bestimmung wartete. Dass er sich mit seiner Idee, ein Sommerfestival im Schlosshof aufzuziehen, so viele Turbulenzen einhandeln würde, hätte er damals nicht gedacht.

Ein Bauer löste das Flügel-Problem

Die Probleme, mit denen er und seine 150 ehrenamtlichen Mitstreiter zu tun hatten, waren oft handfest. So stellte sich gleich beim ersten Festival die gewichtige Frage, wie zwei Konzertflügel auf die Bühne im Schlosshof kommen sollen. Buß löste das Problem auf seine Art. Er orderte von einem Mitstreiter seit der ersten Stunde, dem Landwirt Walter Zwicker, schweres Gerät und hievte die Instrumente mit einem Radlader auf die Bühne. Nach vollendetem Konzert hob er sie mit einem Frontlader wieder herunter, selbstverständlich ohne auch nur den winzigsten Kratzer im Lack zu hinterlassen.

Von Wecker und Hildebrandt bis Senta Berger

Gerne erinnern sich die Festivalmacher auch an einen Abend im Jahr 2005. Der Konzertflügel stand schon auf der Bühne, als es entgegen aller Wetterprognosen zu schütten anfing. Das Konzert wurde in die Bürenhalle verlegt. Da es ein paar kräftiger Männer bedurfte, um den Flügel an seinen Platz zu schieben, wurden Konzertbesucher gebeten, anzupacken. „So schwer kann Musik sein“, feixt Buß. Und dann waren da noch tolle Begegnungen mit Künstlern wie Konstantin Wecker, Dieter Hildebrandt oder Senta Berger.

Trotz aller Turbulenzen blickt Buß optimistisch in die Zukunft. Er verleugnet nicht, dass das Festival sich immer wieder neu erfinden muss. Da sich Aqua Römer aus Jebenhausen zurückziehe, falle ein wichtiger Sponsor weg. „Die Frage ist, wie wir das kompensieren können.“ Er lacht und sagt: „Wir sind aber gut aufgestellt.“

Weltpremiere, Jazz, Flamenco und festliche Schlussgala

Das Londoner A-Capella-Oktett Voces8 eröffnet an diesem Samstag das Festival mit Werken von William Byrd bis Van Morrison.

Jazz
Hot Damn Horns zelebrieren an diesem Sonntag den analogen Bläsersatz als Aha-Erlebnis.

Kinder aus Göppinger Schulen und Chören führen am Montag um 10.30 und 19.30 Uhr in der Bürenhalle in Wäschenbeuren das Musical-Märchen „Cinderella“ auf. Die Musik hat der Göppinger Lehrer Ari Günzler komponiert.

Das Ensemble Folksmilch mischt am Dienstag, 23. Juli, Tango, virtuose Klassik und mitreißenden Balkan-Groove zu einer munteren Melange.

Zum 30. Geburtstag des Kammerchors CapellaNova hat der Ebersbacher Komponist Bobbi Fischer ein „Te Deum“ für Chor und Band geschrieben. Das Werk feiert am 24. Juli in der Oberhofenkirche seine Weltpremiere.

Swing
Marina & The Kats, die vielleicht kleinste Bigband der Welt, ist am 25. Juli im Schlosshof zu hören.

Flamenco
: Jan Pascal und Alexander Kilian führen am 26. Juli auf ihren Flamenco-Gitarren einen virtuosen Dialog. Bekannt sind die beiden unter dem Namen Café del Mundo.

Comedy
Carrington-Brown, das vielfach preisgekrönte Traumpaar der musikalischen Comedy, tritt am 27. Juli auf.

Abschlussgala
: Bevor das Festival am 28. Juli mit einem Feuerwerk endet, präsentiert das Festivalorchester unter Leitung von Gerald Buß musikalische Höhepunkte der vergangenen 24 Jahre. Der Filmstar Günther Maria Halmer moderiert den Abend. Mit Ausnahme des Kindermusicals beginnen alle Veranstaltungen um 20.30 Uhr.

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