Eine intakte Allee vor dem Residenzschloss. Foto: factum/Simon Granville

Hitze und die Trockenheit haben in Ludwigsburg mindestens 2000 Bäume geschädigt. Der Sommer 2018 war ein Weckruf. Die Experten sind alarmiert.

Ludwigsburg - Je weiter der Klimawandel voranschreitet, desto lebenswichtiger werden Bäume – vor allem in den Städten. Doch offenbar leiden die grünen Riesen noch mehr als die Menschen unter tropischen Temperaturen und Trockenheit. Der Hitzesommer 2018 zeigt gravierende Folgen: In einer ersten Bestandsaufnahme im Frühjahr wurden in Ludwigsburg 2000 Bäume mit Dürreschäden registriert. Ein Symptom: Totholz in der Baumkrone. „Letztes Jahr hatten wir das noch gar nicht“, sagt Michael Kamps vom Grünflächenamt. 2018 musste Ludwigsburg 400 000 Euro mehr für die Baumpflege ausgeben als in den Vorjahren.

Die Barock-typische Buche stirbt

Sie fallen dem Straßenbau zum Oper, werden von Autoabgasen bedroht und ihren Wurzeln rücken immer mehr Fernwärmeleitungen und Glasfaserkabel zu Leibe – nun setzen ihnen auch noch Hitze und ein sinkender Grundwasserpegel zu: Die Bäume zählen zu den bedrohten Arten, Naturschützer sprechen von einem Waldsterben 2.0. „Für uns war der Hitzesommer 2018 ein Weckruf“, sagt Michael Hörrmann von den Staatlichen Schlössern und Gärten. „Wir stehen vor einer strukturellen Herausforderung.“ Denn auch das Grün in den 60 unter Denkmalschutz stehenden Parks und Schlossgärten in Baden-Württemberg ist bedroht. Ausgerechnet die für das Barock typischen Buchen und Ulmen gehören zu den ersten Opfern.

Die Parkverwalter müssen ebenso umdenken wie die Mitarbeiter der städtischen Grünflächenämter. Gesucht wird nach Pflanzen, die der Gluthitze und eine langen Trockenphase trotzen. „Mittlerweile suchen die Forscher vor allem in Asien nach Arten, die diesem Stress standhalten“, sagt Kamps. „Aber uns fehlt ein Vorlauf von zehn bis 15 Jahren Erfahrung.“ Mit der Anpflanzung einer ursprünglich in China beheimateten Art des Amberbaums in der Elfriede-Breitenbach-Straße in der Hartenecker Höhe hatten die Ludwigsburger zum Beispiel keinen Erfolg. „Der galt als Zukunftsbaum“, sagt Kamps. Aber die Pflanzen sterben ab. Und was das Problem verschärft: Ein durch Wassermangel geschädigter Baum ist anfälliger für Pilze und andere Schädlinge.

Feine Messungen am Blatt

Das ganze Ausmaß der Schäden sei noch längst nicht sichtbar, sagt der Experte aus dem Grünamt. Jeder Baum zeige andere Selbstschutzmaßnahmen: Die Eiche lasse etwa ganze Äste absterben, um die Überlebenschancen für den gesamten Baum zu erhöhen. „Und es kann auch sein, dass die Eichen schon im August alle ihre Blätter abwerfen“, sagt Kamps. Er rechnet jedenfalls mit einer langen Fäll-Liste für den Herbst. Und allein das kommt sehr teuer: „Je nach Standort kostet die Entsorgung und Fällung eines Baumes zwischen 4000 und 5000 Euro.“

Es wird viel gemessen und geforscht, die städtischen Ämter und die Schlösserverwaltung arbeiten eng mit Forschungsstellen an Universitäten zusammen, die eigens dafür eingerichtet worden sind. „Wir arbeiten jetzt auch mit ganz feinen Messungen direkt am Blatt“, sagt Kamps. In der Hartenäcker Höhe etwa wurden außerdem an den Wurzeln der Bäume Sensoren angebracht, die Aufschluss darüber geben sollen, wie Bäume reagieren, wenn die Wasserzufuhr versiegt.

Wurzelwachstum kann nicht mithalten

Wenn der Grundwasserpegel nicht mehr bis zu den Wurzeln reiche, reagiere der Baum zwar mit zusätzlichem Wurzelwachstum, sagt Kamps: „Aber das dauert eben zwei, drei Jahre. Die Bäume kommen einfach nicht mehr hinterher.“ Was auf die Gartendenkmale zukomme, zeige sich schon jetzt „wie in einem Brennglas“ am Schwetzinger Schloss, sagt Hörrmann. „Dort sterben gerade 80 Prozent der Buchen.“ Wegen der Rheinbegradigung ist der Grundwasserpegel noch dramatischer abgesunken als anderswo im Land.

Insgesamt hätten sich in den staatlichen Parks die Kosten für das Wasser vervierfacht. „Und das ist ja nicht alles, ich brauche auch die Leute, die die Pflanzen gießen.“ Im Blühenden Barock konzentriert man sich schon seit einigen Jahren darauf, nur Blumen und Bäume zu wässern. „Die Wiesen überlassen wir der Natur“, sagt der Geschäftsführer Volker Kugel. „Es geht gar nicht anders.“

Es werde enorm viel Geld kosten, das kulturelle Erbe generationsübergreifend zu erhalten, meint Hörrmann. Gleichzeitig würden die grünen Inseln immer wichtiger für die Menschen. „Wir haben in Ludwigsburg seit Herbst 2018 insgesamt 215 Bäume nachgepflanzt“, sagt Kamps, „aber wir wissen nie hundertprozentig, ob sie sich auch voll entwickeln.“

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