Christian Teiber spielt für Walter Dußler. Foto: Sandra Brock

Auf Initiative von „Marbach handelt“ finden derzeit in der Schillerstadt 1:1-Konzerte statt.

Marbach - Es ist ein langer, intensiver Blick, den Christian Teiber auf seinen Konzertbesucher wirft. Eine kleine Ewigkeit vergeht, dann schließen sich die Hände des Musikers fester um seine Klarinette und er beginnt zu spielen. Zehn Minuten später ist alles vorbei: ein sehr kleines, sehr kurzes, aber umso intensiveres Konzert.

Es sind 1:1-Konzerte, die an diesem Samstag im Antiquariat Friedrich in der Niklastorstraße stattfinden. Zwischen den Büchern im Laden sitzen die Besucher im Lehnstuhl und lauschen der Musik, einer nach dem anderen, jeweils für zehn Minuten. Auf Initiative der Aktion „Marbach handelt“ startete Ende Mai in Marbach diese Konzertreihe der besonderen Art. Museen und Geschäfte werden zum Konzertort, professionelle Musiker sitzen mit Abstand jeweils einem Gast gegenüber und spielen etwa zehn Minuten lang ausschließlich für ihn oder sie.

Was nach einer Idee aus der Corona-Krise klingt, ist schon im vergangenen Jahr entstanden und jetzt aufgegriffen worden, berichtet Susanne Wichmann, die das Format, das es auch in vielen anderen deutschen Städten gibt, in Marbach initiiert hat. Sie selbst ist Hornistin im Staatsorchester Stuttgart und lebt in Marbach. Überhaupt haben alle Musiker der 1:1-Konzerte einen unmittelbaren Marbach-Bezug. Die Besucher kommen teils aus der Umgebung, aber auch aus der Schillerstadt selbst, so wie etwa Walter Dußler, der am Samstag ebenfalls einem Konzert lauschte. Seine Frau hatte bereits in der Woche zuvor die ganz persönliche Musik genossen und war begeistert, wie Dußler berichtet. Er selbst ist es auch, als er kurz darauf wieder ins Freie tritt: „Das war wunderbar, sehr geglückt und wirklich etwas Besonderes.“

Bereits Ende Mai startete die Konzertreihe und fand inzwischen unter anderem am in der Buchhandlung Taube statt, wo unter anderem auch eine Radurlauberin spontan teilnahm. „Die treue Konzertabonnentin vom Bodensee hat dieses musikalische Geschenk sehr dankbar angenommen und Marbach nun in ganz besonderer Erinnerung behalten“, berichtet Susanne Wichmann.

Auch im Saal der Weingärtner Marbach fanden Konzerte statt, ebenso bei Optik Sehblick und im Tobias-Mayer-Museum. Das intensive Konzert-Erlebnis habe die Zuhörer teilweise zu Tränen gerührt, berichtet Susanne Wichmann. „Sie sind gerührt und glücklich“, hat sie beobachtet. „Da merkt man, dass man einen Nerv trifft.“ Das bestätigt Birger Laing, Inhaber des Antiquariats Friedrich. „Momentan ist man so zugeballert von online-Angeboten, dass es wirklich schön ist, mal wieder etwas original zu hören. Das spürt man.“ Auch die Orte seien reizvoll, ergänzt Susanne Wichmann. Museen und Geschäfte könnten so ganz neu entdeckt werden. „Ich freue mich, dass so viele mitgemacht haben.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: