Derzeit probt das Deutsche Cello-Orchester in Winterbach. Foto: Gottfried Stoppel

Kinder, Jugendliche, Erwachsene – rund einhundert Cellisten aus dem ganzen Land treten am Wochenende in Waiblingen auf. Zuvor proben die Musiker fünf Tage am Stück in Winterbach.

Winterbach - Stille herrscht in der Freien Waldorfschule Engelberg, die Flure liegen wie ausgestorben da an diesem Vormittag in den Herbstferien. Einzig hinter einer Tür am Ende des Ganges erklingt Musik: Hier probt das Deutsche Cello-Orchester. „Das hört sich eher nach ‚Mittwochvormittag – ich leg mich wieder ins Bett’ an“, sagt Jochen Kefer zu den etwa einhundert Cellistinnen und Cellisten. Also noch einmal von vorne. „Die Energie nicht ins Tempo, sondern in die Akzente“, korrigiert er. Wieder und wieder erfüllt die Musik von John Williams aus dem Film Superman den Saal. „Ist viel besser jetzt“, sagt Kefer schließlich und entlässt die Musiker in die Pause.

Jeder kann mitspielen

Der 48-Jährige, der an der Freien Musikschule Engelberg unterrichtet, gehört zum Leitungsteam des Deutschen Cello-Orchesters. Fünf Tage dauern die Proben für die zwei Konzerte am kommenden Wochenende im Waiblinger Bürgerzentrum. Aus dem ganzen Bundesgebiet und sogar aus der Schweiz sind Cellisten nach Winterbach gekommen, berichtet Wolfgang Lehner, der selbst im schweizerischen Basel wohnt und wie Kefer einen Teil der Proben leitet. Die Stimmen der Stücke seien so angepasst, dass jeder seinem Können entsprechend mitspielen kann, erklären die Dozenten. Profi müsse man also nicht sein – „die Freude am Spielen ist wichtig“, betont Felix Härer, der ebenfalls dem Leitungsteam angehört. Und so finden sich im Orchester Kinder, Jugendliche und Erwachsene beinahe jeden Alters.

Der Älteste unter ihnen ist der 75-jährige Rainer Möllering aus der Nähe von Düsseldorf. Die Begeisterung der Kinder beeindrucke ihn, sagt der ehemalige Gymnasiallehrer. „Das ist wie ein Jungbrunnen hier.“ Früher habe er in Chören gesungen, aber seit einer Erkrankung sei das nicht mehr möglich, erzählt er. So begann er vor sechs Jahren, Cello zu spielen – weil es der menschlichen Stimme am nächsten kommt. „Ein Trauminstrument“, findet Möllering. Werden die Stücke dennoch zu anspruchsvoll, hat der Musiker einen Trick parat: „Wenn man in der 5. Stimme hinten sitzt und es zu schwer wird, hört man einfach auf, das merkt keiner“, verrät er mit einem Grinsen.

Den ganzen Tag proben

Tatsächlich sei die größte Herausforderung, alle Orchestermitglieder gleichsam mitzunehmen, sagt Felix Härer. Der 23 Jahre alte Cello-Lehrer der Freien Musikschule Engelberg ist gemeinsam mit Marius Gaube von der Musikschule Unteres Remstal für die Stimmproben verantwortlich. Härer staunt darüber, wie motiviert die Musiker sind. „Obwohl wir den ganzen Tag proben, wollen manche noch zusätzlich üben.“ Motiviert sind auch Lina und Charlotte, beide 16 Jahre alt. „Ich finde es voll cool, in so einer großen Gruppe zu spielen“, sagt Lina. Da entstehe ein ganz anderer Klang, stimmt Charlotte zu, die vor einigen Jahren kurz davor war, das Cellospielen aufzugeben. „Meine Eltern haben mich für das Cello-Orchester angemeldet, ich wollte gar nicht. Aber am Ende war es so toll“, erinnert sie sich. Auch, weil immer ein gutes Miteinander herrsche, findet sie.

„Im Prinzip mögen wir uns, weil wir alle ein bisschen leidend sind: Wir müssen das schwere Cello mit uns herumtragen“, sagt Wolfgang Lehner und lacht. Doch nach den Konzerten blicke man in hundert glückliche Gesichter, ergänzt Felix Härer – und das, da sind sich die Cellisten einig, sei alle Mühe wert.

Termine: Das Deutsche Cello-Orchester spielt am Samstag, 2. November, um 20 Uhr, und am Sonntag, 3. November, um 11 Uhr jeweils im Ghibellinensaal des Bürgerzentrums Waiblingen. Karten gibt es ab 24 Euro online über www.eventim.de oder an der Abendkasse.

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