Die ersten von Karin Abt-Straubinger geförderten Künstler machten aus dem Haus an der Rembrandtstraße viel diskutierte Kunstwerke (rechts im Bild der Neubau). Foto: z/Galerie Abtart

Seit zehn Jahren fördert die Karin Abt-Straubinger Stiftung talentierte Künstler. Viele sind der Stiftung noch heute verbunden. Angefangen hat alles mit einem ganz besonderen Haus in Möhringen.

Möhringen - Als es noch Könige und Kaiser gab, verhalf das Mäzenatentum der Kunst zu einem Auskommen. In demokratischen Zeiten ist die Förderung von Kultur eine Sache des Staates, doch ohne private Stiftungen kann es nicht gehen. Die Möhringer Galeristin Karin Abt-Straubinger hat das bereits vor zehn Jahren erkannt und im November 2007 eine Stiftung gegründet, die bis heute 157 Kunstprojekte gefördert hat. Anlässlich dieses Jubiläums zeigt die Galerie Abtart von Freitag, 23. Juni, an eine Gruppenausstellung mit Beiträgen der geförderten Künstler.

Unter der anspornenden Überschrift „Kunst ist schön und macht Freude!“ zeigt die Ausstellung Arbeiten von Stuttgarter Kunstgrößen wie Gabriela Oberkofler, Pia Maria Martin oder Peter Granser. Daneben sind Künstler aus München oder Berlin vertreten. Um die Stiftungsarbeit einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen, wird die Schau nach dem 1. September auch in Rottweil und in Leipzig gezeigt.

Ein Wohnhaus als Kunstprojekt

„Schon als erfolgreiche Verlegerin hat Karin Abt-Straubinger bei ihren Begegnungen mit jungen Kunstschaffenden erfahren, wie schwierig es ist, von der Kunst zu leben“, erzählt Geschäftsführer Tobias Wall. Mit ihrer Stiftung – die genaue Summe will die Galeristin nicht öffentlich machen – stieß sie gemeinsam mit ihren Mitstreitern in eine Förderlücke. Dabei sind die Auswahlkriterien bewusst weit gefasst und nicht auf jugendliche Newcomer beschränkt. Im Unterschied zu vergleichbaren Stiftungen werden in Möhringen allerdings ausschließlich Projekte gefördert.

„Die Künstler des 21. Jahrhunderts arbeiten ja vollkommen anders“, erläutert Tobias Wall, „Malerei und Grafik wurden zu Randerscheinungen. Installationen, Videokunst oder Multimedia-Arbeiten können ohne Förderung gar nicht existieren, weil es keinen Markt dafür gibt.“

Die niedrige Zinspolitik der vergangenen Jahre hat sich erschwerend auf die Arbeit von Stiftungen dieser Art ausgewirkt, deren Geldmenge ja erst anwachsen muss, bevor sie verteilt werden kann. In der Regel entscheidet sich die einmal im Jahr tagende Jury für zehn bis 20 Anträge. Den Anfang machten vor der Gründungszeit junge Leute, die das damalige Wohnhaus in der Rembrandtstraße mit Graffitis und später mit schwarzer Farbe in ein Kunstobjekt verwandelten. Das führte zu heftigen Diskussionen. „Diese Bilder sind um die Welt gegangen“, erinnert sich Tobias Wall.

Stipendiaten halten die Stiftung am Leben

Der Geschäftsführer greift in seinem Rückblick ein Beispiel heraus, das in seinen Augen typisch für die Karin-Abt-Straubinger-Stiftung ist. Tuguldur Yondonjamts, dessen Zeichnungen die Mythen seiner Heimat mit der Gegenwart verknüpfen, stammt aus der Mongolei und lebt mittlerweile in New York und Ulaanbataar. „Er wollte damals 150 Euro für Papier und Bleistift, jetzt hat er eine beachtliche Karriere vorzuweisen“, erzählt Tobias Wall. Typisch sei dieser Künstler aber auch darin, dass er die Stiftung nach wie vor begleitet und unterstützt. „Ein guter Stipendiat“, sagt der Geschäftsführer, „er erhält durch sein Interesse die Stiftung am Leben.“ Stiftungen seien nämlich keine Geldautomaten, sondern es gehe immer um eine Partnerschaft, von der beide Seiten profitieren.

Vernissage
mit Sommerfest Die Ausstellung „Kunst ist schön und macht Freude!“ wird am Freitag, 23. Juni, um 19 Uhr in der Galerie Abtart, Rembrandtstraße 18, eröffnet. Die Kuratoren Karin Abt-Straubinger und Jürgen Knubben werden in einem von Tobias Wall moderierten Gespräch über die Arbeit der Stiftung berichten. Musikalisch wird die Vernissage vom Ferenc Mehl Quartett gestaltet. Darüber hinaus ist die Galerie dienstags bis freitags von 14 bis 19 Uhr geöffnet.

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