Der Dauerbrenner in Heidenheim: Trainer Frank Schmidt feiert am 17. September sein 10-Jahr-Job-Jubiläum in seiner Geburtsstadt. Foto: Baumann

Sie verspüren keine Lust, die zweite Liga nur zu verwalten. Beim 1. FC Heidenheim wollen sich alle stetig weiterentwickeln. Bis mit einer perfekten Saison der Sprung nach oben einmal gelingt.

Heidenheim - Am 17. September feiert Frank Schmidt Jubiläum. Dann ist es exakt zehn Jahre her, dass er als Nachfolger von Dieter Märkle (jetzt NLZ-Leiter der Stuttgarter Kickers) beim 1. FC Heidenheim als Trainer einstieg. In der Oberliga. Inzwischen steht der Club von der Ostalb vor seiner vierten Saison in der zweiten Liga, hat trotz einer durchwachsenen Rückrunde 2017 mit dem sechsten Platz das beste Resultat der Vereinsgeschichte eingefahren.

„Wir entwickeln uns in vielen Bereichen prächtig weiter“, sagt der Vorstandsvorsitzende Holger Sanwald vor dem Start an diesem Sonntag (15.30 Uhr/Voith-Arena) gegen Erzgebirge Aue. Dann kommt das Aber. Und dieses Aber heißt in Heidenheim, dass zwar jeder die Bundesliga irgendwie im Hinterkopf hat, aber jeder Anflug von Überheblichkeit strikt verboten ist. Keiner rückt vom offiziellen Ziel ab. Dieses Ziel lautet: drin bleiben. „Wir wollen eine sorgenfreie Saison spielen, so schnell als möglich den Klassenverbleib perfekt machen“, betont Sanwald. Dies klingt sehr nach Understatement, doch Trainer Frank Schmidt sagt, warum es wenig Sinn ergibt, forschere Töne anzuschlagen: „Die zweite Liga ist brutal ausgeglichen. Sie ist Existenzkampf pur. Sie bietet Chancen, birgt aber auch viele Risiken.“

Heidenheim will die zweite Liga nicht nur verwalten

Damit kein falscher Verdacht aufkommt: In Heidenheim verspürt keiner Lust darauf, die zweite Liga nur zu verwalten. Die Fans wollen mehr, die Sponsoren wollen mehr. Der Verein will mehr. Wieder wurden über 7000 Dauerkarten verkauft. Der neue TV-Vertrag bringt 8,3 Millionen Euro in die Kasse. Der Etat stieg um zehn Prozent auf 23 Millionen Euro. Er fußt auf einer schwäbisch soliden Sponsorenpyramide, ist aber durchaus auf Kante genäht. „Wir befinden uns auf einem sehr guten Weg“, sagt Sanwald – doch auf die entsprechende Nachfrage antwortet er: „Wir sind als Verein noch nicht so weit für die Bundesliga.“ Sagt er das nur, um den Druck zu nehmen? Sanwald schüttelt den Kopf. Er spricht von nicht optimalen Trainingsbedingungen, zu wenig Rasenplätzen, einem fehlenden Jugendinternat, dem nicht vorhandenen Parkhaus. Überhaupt das Stadion: Die Voith-Arena bietet 15 000 Zuschauern Platz. Eine Erweiterung wäre möglich. Durch den Bau eines Oberrangs würde sich die Kapazität auf bis zu 28 000 Zuschauer erhöhen lassen.

keine Frage. Das langfristige Ziel ist die Bundesliga. „Wenn wir irgendwann mal eine perfekte Saison hinlegen, ohne Verletzungen durchkommen, dann können wir das auch schaffen“, räumt Sanwald dann auch ein.

Rahmenbedingungen verbessern sich stetig

Auf solch eine perfekte Saison arbeitet Trainer Frank Schmidt in seiner Geburtsstadt hin. „Die Rahmenbedingungen verbessern sich stetig, und auch wir als Mannschaft wollen uns Schritt für Schritt weiterentwickeln“, sagt der ehemalige Profi. Aus seinem letztjährigen Kader tut ihm nur der Abgang von Stürmer Tim Kleindienst (nach Leihende zurück zum SC Freiberg) weh. Vor allem in der Breite hat sein Team an Qualität zugelegt. Robert Glatzel (1. FC Kaiserslautern II) und Nikola Dovedan (Top-Scorer beim österreichischen Erstligisten SC Altach) sollen Kleindienst praktisch im Doppelpack ersetzen. Nach wie vor unterstützt vom Mr. Heidenheim, vom alten und neuen Kapitän Marc Schnatterer (31).

„Wir haben keinen Torjäger mit Ausnahme-Qualität wie es der VfB Stuttgart in 25-Tore-Mann Simon Terodde hatte“, stellt Schmidt klar. Um nicht nur in der Defensive stabil zu stehen, sondern auch vorne effizient aufzutreten, hat der 43-Jährige in der Vorbereitung am System gefeilt. „Man muss immer bereit sein für Veränderungen. Wir wollen variabler auftreten.“ Statt der traditionellen FCH-Grundordnung 4-4-2 mit den beiden Stamm-Sechsern Marcel Titsch-Riveiro und Sebastian Griesbeck ist nun auch verstärkt ein 4-1-4-1 im Programm.

Schmidts Vertrag läuft bis 2020

In anderen Clubs müssen Trainerwechsel für Veränderungen herhalten. In Heidenheim setzt Frank Schmidt die neuen Impulse selbst. „Wir gehen den anderen, unseren eigenen Weg“, sagt Holger Sanwald. Mit Frank Schmidt, dem Pragmatiker, der nicht in die Schublade der neunmalklugen Konzepttrainer passt. „Frank kann sich nur selbst entlassen“, betont Sanwald. Wie vor jeder Saison. Bis 2020 läuft Schmidts Vertrag. Vielleicht klappt es ja bis dahin mit dem Sprung in die Bundesliga. Doch erst einmal feiert er am 17. September sein 10-Jahr-Job-Jubiläum in seiner Geburtsstadt. Wer kann das im Profifußball schon von sich behaupten?

Die Ära Frank Schmidt

Platzierungen des 1. FC Heidenheim seit dem Einstieg von Trainer Frank Schmidt: 2007/08 Oberliga, Platz 4 (Aufstieg im Zuge der Einführung der dritten Liga) 2008/09 Regionalliga, Platz 12009/10 Dritte Liga, Platz 62010/11 Dritte Liga, Platz 9 2011/12 Dritte Liga Platz 42012/13 Dritte Liga, Platz 52013/14 Dritte Liga, Platz 12014/15 Zweite Liga, Platz 82015/16 Zweite Liga Platz 112016/17 Zweite Liga, Platz 6

Kommen und gehen

Zugänge Matthias Köbbing (TSG 1899 Hoffenheim II), Kevin Lankford, Ibrahim Hajtic (beide eigene U 19), Marnon Busch (SV Werder Bremen), Kolja Pusch (SSV Jahn Regensburg), Maximilian Thiel (FC Union Berlin), Nikola Dovedan (SCR Altach/Österreich), Robert Glatzel (1. FC Kaiserslautern II). Abgänge Hauke Wahl (FC Ingolstadt/Leih-ende), Leon Jankowski (TSG 1899 Hoffenheim U 19/Leihende), Tim Kleindienst (SC Freiburg/Leihende), Martin Rasner (SKN St. Pölten/Österreich).

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