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Der Aufstieg erinnert fast schon an die Erfolgsgeschichte von 1899 Hoffenheim. Doch der 1. FC Heidenheim hat keinen Dietmar Hopp. Der Fußball-Drittligist setzt auf eine breite Sponsorenbasis, eine Politik der kleinen Schritte und ein kongeniales Duo: Manager Holger Sanwald und Trainer Frank Schmidt.

Von Jürgen Frey

HEIDENHEIM. Am Tag nach dem 1:0 gegen den SV Sandhausen und dem Sprung auf den Relegationsplatz war Holger Sanwald nur schwer zu erreichen. Das Handy des Heidenheimer Managers war stundenlang dauerbelegt. Als es am Nachmittag endlich mit der Verbindung klappte, gab er eine plausible Erklärung für seinen Telefonmarathon: ¸¸Fußball auf diesem Niveau hat man hier noch nie erlebt. Jetzt muss ich unheimlich vielen Menschen klarmachen, dass so eine Entwicklung im Sport möglich ist.' Fans, Sponsoren, Medien - allen wird die Erfolgsserie des Neulings langsam, aber sicher unheimlich. Sieben Siege gab es aus den vergangenen acht Spielen. Von Platz 15 kletterte der Club auf Rang drei. Heidenheim - der Geheimtipp für die zweite Liga? Sanwald muss lächeln. Er gehört nicht zur Kategorie der notorischen Tiefstapler, aber er bittet um eine richtige Einordnung der Verhältnisse. Es gebe ganz andere Kaliber in dieser Liga, mit ganz anderen finanziellen Möglichkeiten. Die Tabelle sei verzerrt, seine Elf ohne Stars hat teilweise zwei Spiele mehr als die Konkurrenz. Und zahlreiche Begegnungen habe sein Team hauchdünn gewonnen.

In allen Punkte hat Sanwald recht. Aber einen Durchmarsch schließen diese Fakten nicht aus. Das weiß er selbst am besten. Und deshalb räumt der 42-Jährige ganz nüchtern ein: ¸¸Auszuschließen ist ein Aufstieg nicht.' Die Lizenz für die zweite Liga wird jedenfalls beantragt. Genauso wie für die dritte Liga und für die Regionalliga. Wobei ein Abstieg mittlerweile in etwa so wahrscheinlich ist wie eine Titelverteidigung des VfL Wolfsburg in der Bundesliga.

Nein sagen würde man bei einem Sprung in Liga zwo also nicht. Am Stadion würde es nicht scheitern. Die neue Gagfah-Arena ist so konzipiert, dass sie auf ein Fassungsvermögen von 15 000 Zuschauern ausgebaut werden könnte. Am Trainer auch nicht. Frank Schmidt (36) wird von Mai an seine DFB-Fußballlehrer-Lizenz erwerben. Das alles zeigt: Dem Zufall wird in Heidenheim nichts überlassen.

Seit der ehemalige Stürmer Sanwald vor 16 Jahren als Abteilungsleiter die Verantwortung bei seinem Heimatverein in der Landesliga übernahm, geht es nach oben. Schritt für Schritt. Sanwald gelang es, einflussreiche Unternehmer aus der Region für die Gremien des Vereins zu begeistern. Akribisch, wenn es sein muss knallhart, aber nie unfair oder nach Gutsherrenart verfolgt er seine Ziele. Wie etwa die Ausgliederung der Fußball-Abteilung aus dem Großverein Heidenheimer SB im Jahr 2007, was schlanke Strukturen und kurze Entscheidungswege brachte. Ein Jahr später entschloss sich Sanwald, seinen Beruf im Industriekundenbereich bei der EnBW an den Nagel zu hängen. Seitdem kann er sich als hauptamtlicher Geschäftsführer auf den Verein konzentrieren.

¸¸Wer Holger Sanwald kennt, weiß, dass die dritte Liga nicht die Endstation sein muss', hatte Trainer Schmidt, früher Profi beim 1. FC Nürnberg, bei Alemannia Aachen und Waldhof Mannheim, vor der Saison gesagt. Dass dies möglicherweise schon 2010, nach dem letzten Drittliga-Spieltag am 8. Mai, der Fall sein könnte, daran hatte er nicht zu träumen gewagt. Und macht er auch jetzt nicht: ¸¸Wir fangen garantiert nicht an zu spinnen', verspricht Schmidt.

Auch Sanwald, der Architekt des Erfolgs, hält sich lieber an Fakten: Das Saisoneröffnungsspiel (Termin noch offen) steigt gegen die Profis des VfB Stuttgart, am 27. April kommt DFB-Präsident Theo Zwanziger anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Vereins. Das alles sagt er voller Stolz. Aber immer mit der nötigen Bodenhaftung.

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