Weniger Diesel in Stuttgart Dämpfer für Handel mit Gebrauchtautos

Von Ralf Recklies 

Für Sarmad Alshahwani  war der  Handel  mit Dieselfahrzeugen einst das Hauptgeschäft. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Für Sarmad Alshahwani war der Handel mit Dieselfahrzeugen einst das Hauptgeschäft. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Handel mit Gebrauchtwagen ist in den vergangenen Monaten auch wegen des Dieselskandals schwieriger geworden. Die Fahrverbots-Debatte in Stuttgart tut ihr übriges. Der Bestand an zugelassenen Dieselautos ging leicht zurück.

Stuttgart - „Der Stuttgarter Automarkt ist durch das Fahrverbotschaos vollkommen durcheinander“, sagt Christian Reher, Geschäftsführer der Kraftfahrzeug-Innung Stuttgart. „Die meisten warten einfach ab, das senkt die Nachfrage. Da aber beispielsweise Firmen zusätzliche Autos brauchen, sorgen diese Fahrzeuge immer noch für Wachstum im Bestand“, so Reher angesichts der aktuellen Zulassungs- und Fahrzeugbestandsdaten in der Landeshauptstadt zum Automarkt insgesamt. Nie gab es in Stuttgart und in der Region mehr zugelassene Autos als zum Stichtag 30.  Juni.

300 942 Pkw waren Ende Juni in Stuttgart zugelassen, 107 204 davon sind Fahrzeuge mit einem Dieselmotor – das sind 35,6 Prozent. „Der Dieselbestand sinkt damit leicht, aber Stuttgart bleibt die regionale Dieselhochburg“, kommentiert Innungsobermeister Torsten Treiber die neuesten Zahlen. In der gesamten Region gab es zum 30. Juni 1 605 281 Pkw. Erstmals wurde damit die 1,6-Millionen-Marke überschritten.

Die Begeisterung bei den Kunden für Diesel sinkt

Sarmad Alshahwani ist einer von vielen Stuttgarter Gebrauchtwagenhändlern, die derzeit wenig Freude an ihrem Geschäft ­haben. Grund: Er bekommt die Folgen des Dieselskandals Tag für Tag zu spüren. „Viele Leute wollen jetzt schnell ihren alten Diesel loswerden, wollen ihn gegen einen Benziner tauschen“, sagt der Feuerbacher Autohändler. Er selbst aber hat im Moment auch kein großes Interesse daran, seinen Fahrzeug­bestand mit älteren Dieselwagen zu vergrößern. Und was nun am Markt passiert, da die Konzerne satte Umtauschprämien bieten, sei noch nicht abzusehen.

Während hierzulande die Begeisterung für den Diesel sinkt, kümmere die Dieselnorm im Ausland indes kaum jemanden, wissen die Händler, die europaweit Geschäfte machen – und beim Dieselabsatz insgesamt keinen Einbruch erkennen. Selbst ins Stuttgarter Umland hat Alshahwani in jüngster Zeit immer wieder Autos mit Dieselmotoren unterhalb der Euro-5-Norm verkauft. Wenn der Preis für die Kunden günstig sei, würden diese zugreifen. Denn im ländlichen Bereich sei ja nicht mit Fahrverboten zu rechnen. „Für mich ist das aber schlecht“, sagt Alshahwani. Denn um die Autos vom Hof und somit Platz für neue Gebrauchte zu bekommen, müsse er die Autos „teilweise mit Verlust verkaufen“. Was ihm und anderen Händlern besonders zu schaffen macht, ist die Verunsicherung der Dieselbesitzer und potenziellen Autokäufer. Die wüssten einfach nicht mehr, was sie machen sollten. Und wenn er jetzt die Prämien sehe, die beim Kauf von Neufahrzeugen geboten würden, dann kann er den Ärger von Kunden verstehen, die der Politik nachsagen, „dass dies alles nur zur Förderung der Automobilindustrie“ passiere. Seine Kunden, so Alshahwani, hätten oft nicht das Geld, um sich im Tausch gegen den alten Diesel gleich einen Neuwagen zuzulegen.

Die Leute sind einfach nur verunsichert

„Keiner weiß derzeit: Kommen die angedrohten Fahrverbote oder nicht?“, betrachtet Rainer Oßmann, Inhaber von OD Automobile in Feuerbach, die Situation in der Landeshauptstadt. „Die Leute sind einfach nur verunsichert“, resümiert er. Die Folge: Es werde nach den besten Sparmodellen und günstigsten Lösungen gesucht. Ein Kunde, selbst Dieselfahrer, habe sich so beispielsweise einen günstigen Benziner für 1000 Euro zugelegt. Den wolle er an den Tagen nutzen, wenn es Dieselfahrverbote gibt.

Er selbst, sagt Oßmann, habe schnell auf die sich abzeichnenden Veränderungen am Markt reagiert und kaufe bei den Dieseln möglichst nur noch Wagen mit Euro-6-Motoren an. „Wir verkaufen aber nach wie vor auch Diesel“, sagt der Feuerbacher Händler, der inzwischen freilich „ganz gezielt viel mehr Benziner ankauft“. Nicht zuletzt im Ausland gebe es an den Fahrzeugen Interesse. Dies bestätigt auch ein anderer Händler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Bis auf Frankreich ist es den Autokäufern meist schnurz, was für ein Motor unter der Haube steckt“, sagt er.

In Stuttgart sei die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen gesunken – die Preise seien bisher aber nicht eingebrochen, sagt Rainer Oßmann. Da bei OD Automobile vor allem mit jüngeren Fahrzeugen gehandelt werde, sieht er sein Geschäft durch die Dieselaffäre auch nicht in Gefahr.

Für Thomas Kaspar, Inhaber der Firma K-Automobile in Bad Cannstatt, hat nicht erst die immer weiter um sich greifende Diesel­affäre dazu geführt, dass Diesel-Pkw teils schlecht zu verkaufen seien. Die Diskussion in Stuttgart über Fahrverbote habe schon länger zu einer Stillhaltesituation geführt, die den Markt derzeit deutlich lähme.

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