Filderstadt Flüchtlingsheime sind als Wohnungen nutzbar

Von Otto-H. Häusser 

Neben dem bereits bestehenden Flüchtlingsheim entsteht beim Festplatz Bernhausen eine neue Unterkunft. Foto: Otto-H. Häusser
Neben dem bereits bestehenden Flüchtlingsheim entsteht beim Festplatz Bernhausen eine neue Unterkunft. Foto: Otto-H. Häusser

Der Filderstädter Gemeinderat spricht sich für zwei neue Unterkünfte aus. Die Innenwände können so versetzt werden, dass später einmal bezahlbarer Wohnraum entsteht. Der Standort in Bonlanden ist umstritten.

Filderstadt - Der Gemeinderat hat mit großer Mehrheit den Baubeschluss für zwei neue Flüchtlingsheime gefasst. Sie sollen beim NH-Hotel in Bonlanden und beim Festplatz in Bernhausen entstehen.

Die Stadträte legten Wert darauf, dass in den Gebäuden später als Mehr-Zimmer-Wohnungen eingerichtet werden. Zunächst sollen sie vor allem Flüchtlinge aufnehmen, die allein leben. Geplant ist, dass sich sechs Bewohner eine Küche, zwei WC und eine Dusche teilen. Aus dieser insgesamt 90 Quadratmeter großen Fläche soll später eine einzige Wohnung entstehen.

„Nach zehn Jahren Wohnraum umgestalten“

Dies könnte nach Einschätzung von Bürgermeister Reinhard Molt nach zehn Jahren geschehen. „Wir würden dann erst mal renovieren und dabei auch die Trennwände herausnehmen“, sagte er. SPD-Stadtrat Frank Schwemmle bezweifelte, dass man später solch große Wohnungseinheiten für Familien brauche. „Die Wohnungen sind auch nicht für den Familiennachzug geeignet“, sagte Schwemmle. Er enthielt sich deshalb wie sein Fraktionskollege Walter Bauer bei der Abstimmung. Schwemmle fragte die Verwaltung auch, weshalb Filderstadt mit 785 Flüchtlingen im Vergleich zu Leinfelden-Echterdingen (607 Flüchtlinge) bis 2020 deutlich mehr Menschen in der Anschlussunterbringung aufnehmen muss.

„Es ist mir neu, dass Leinfelden-Echterdingen nur 75 Prozent der Einwohner von Filderstadt hat“, sagte er und setzte so die Zahlen in Relation zueinander. L.-E. habe bei der vorläufigen Unterbringung deutlich mehr Plätze angeboten, erklärte Bürgermeister Andreas Koch und fügte hinzu: „Wir sind da deutlich unter der Verpflichtung geblieben.“

Der Bürgermeister ging außerdem darauf ein, wie viele Flüchtlinge Filderstadt in den einzelnen Jahren aufnehmen muss. In diesem Jahr werde es in der Anschlussunterbringung ein Defizit von 64 Plätzen geben. Im nächsten Jahr werde das Soll von 260 Plätzen ebenfalls nicht erreicht. 120 Menschen könnten in den beiden geplanten Unterkünften unterkommen. 50 Plätze würden der Stadt gutgeschrieben für die Bereitstellung der Plätze für Zeltunterkünfte im Plattenhardter Weilerhau und auf dem Festplatz Bernhausen. Die restlichen 90 Plätze könne man eventuell mit einer neuen Unterkunft an der Gottlieb-Daimler-Straße schaffen.

Integration als Zukunftsaufgabe

Bei all diesem Platzbedarf sei der Familiennachzug von Flüchtlingen, die einen subsidiären Schutzstatus haben, noch nicht eingerechnet. „Es wird spannend, wie sich die Bundesregierung in dieser Sache entscheiden wird“, sagte er. Koch wies außerdem auf die Integrationsbemühungen der Stadt hin und sagte: „Die Integration wird eine Zukunftsaufgabe sein.“

Vonseiten der Stadträte wurde auf die Notwendigkeit der neuen Unterkünfte hingewiesen. „Ich bin froh, dass wir in Filderstadt völlig unaufgeregt an das Thema herangehen“, sagte der Fraktionschef der Freien Wähler, Stefan Hermann. Man müsse die Wohnungsgrößen flexibel gestalten, sagte er und hoffte auf einen Zuschuss des Landes. Die Kosten für die Unterkünfte in Höhe von sechs Millionen Euro werden bisher allein von der Stadt getragen. Stadtrat Armin Stickler (Grüne) sagte, es reiche nicht aus, dass man die Belegung der Häuser flexibel gestalte. Er plädierte dafür, beim Heim vor dem NH-Hotel für Lärmschutz zu sorgen. Auch Walter Schwaiger (CDU) fand diesen Standort nicht optimal. Er lobte aber die Absicht, in den Heimen später Sozialwohnungen einzurichten.

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